Ein solch deutlicher Medienkonsens gibt es nur selten, er überrascht aber in keinster Weise: Während die spanische Presse ihre Weltmeister euphorisch feiert, ist man auch in Argentinien voller Lob über die Leistung der Spieler. In England, Frankreich hingegen rechnen die Medien mit Argentiniens Spielweise ab.
Spanien jubelt unisono, Argentinien hadert
In den spanischen Tageszeitungen steht wenig überraschend die eigene Mannschaft und deren Leistung im Fokus, vor allem Siegtorschütze Ferran Torres wird umgarnt. So schreibt die Zeitung «Marca»: «Wieder Könige der Welt. In die Ruhmeshalle der Helden rückt Ferran Torres ein, der ein monumentales Tor erzielte.»

Und auch «Mundo Deportivo» wurde deutlich: «Ein Spiel, das die Geschichte eines Landes und einer Generation für immer verändern wird. Spanien muss das Jahr 2010 nun nicht mehr als einmalige Erinnerung betrachten. Die Nationalmannschaft unter Luis de la Fuente schrieb im MetLife Stadium ihr eigenes Kapitel in die Geschichte ein.»
Beim WM-Zweiten Argentinien bewegen sich die Schlagzeilen zwischen Lob und Realismus. Die argentinische Zeitung «La Capital» gibt sich ganz der parteiischen Einordnung der Geschehnisse hin: «Argentinien gab alles bis zum letzten Tropfen Blut, bis zum letzten Funken Mut und bis zum letzten Rest des Fussballs, der ihm noch blieb, und unterlag mit dem knappsten Ergebnis in der Verlängerung und mit nur zehn Spielern gegen eine spanische Mannschaft, die zwar deutlich überlegen war, der es aber an Mut fehlte, das Spiel schon früher zu entscheiden. Den Jungs von Lionel Scaloni ist nichts vorzuwerfen – sie haben eine phänomenale Weltmeisterschaft gespielt.»
Das «Diario Popular» blickt etwas nüchterner auf die Niederlage: «Argentinien hat die Seele gegeben, aber Spanien war besser und ist Weltmeister.»
Der «Buenos Aires Herald» hingegen wagt sogar eine scheue Kritik: «Es war ein zähes Spiel für die Albiceleste, die vom Anpfiff an Mühe hatten, das Spiel in den Griff zu bekommen. Spanien hatte den Grossteil des Ballbesitzes, während Argentinien nur sporadische Konter zustande brachte und keinen einzigen Torschuss verzeichnen konnte.»
England spottet, Frankreich kritisiert
Im Rest der Welt ist man sich in der Medienwelt einig: Spanien ist absolut verdient Weltmeister. Zuweilen ist ein Hauch Erleichterung spürbar, teilweise triefen die Spielberichte vor Häme.
Die englische Boulevardzeitung «The Sun», welche allgemein für ihre reisserischen Schlagzeilen bekannt ist, spricht aus, was sich wohl viele Zuschauerinnen und Zuschauer denken: «Ferran Torres' Treffer in der Nachspielzeit bricht die Herzen von Messi und Co. nach der dummen Roten Karte von Fernandez. Danke an die Götter des Fussballs. Danke an Ferran Torres und Spanien. Danke und gute Nacht an die Rabauken aus Buenos Aires. Argentinien musste schliesslich dafür bezahlen, dass es versucht hatte, ein Fussballspiel in eine Strassenschlägerei zu verwandeln.»

Die als moderater geltende Zeitung «The Telegraph» übertrifft den Spott der «Sun» sogar: «Spanien gewinnt die WM in einem Triumph des Fussballs über Argentiniens Verbrechen. Es brauchte die Verlängerung, aber Gott sei Dank hat sich der Sport durchgesetzt. Spanien ist Weltmeister und der Fussball ist dadurch besser. Messi und Argentinien haben nichts verdient, denn sie haben nichts geleistet und waren damit die ersten WM-Finalisten, die in der regulären Spielzeit nicht einmal einen Torschuss hatten. Nichts als Foul, Foul und noch mehr Foul. Das war hässlicher, deprimierender Anti-Fussball. Und der hat bekommen, was er verdient.»
Eine vernichtende Zusammenfassung, zusätzlich motiviert durch Englands Halbfinal-Niederlage gegen ebendieses Argentinien. Auch das französische Sportblatt «L'Équipe» kann sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: «Spanien dominiert eine argentinische Mannschaft, die ihren ersten Torschuss erst in der 117. Minute abgibt. Spanien dominierte eine enttäuschende und abgehackte Partie gegen eine kaum wiederzuerkennende, völlig harmlose argentinische Mannschaft.»
Italien und die Schweiz sehen Gerechtigkeit
Die italienische «Gazzetta dello Sport» macht keinen Hehl daraus, wem die Daumen gedrückt wurden. So titeln sie nach dem Final: «Spanien. Zwangsläufig Spanien. Unvermeidlich Spanien. Nur Spanien konnte diesen Final gewinnen, denn wenn es an Argentinien gegangen wäre, wäre das eine Beleidigung für den Fussball gewesen. Ein schöner Triumph, der nur durch den Gegner getrübt wurde, der entschieden hatte, nicht zu spielen. Grossartiges Spanien, hässliches Argentinien.»
In der Schweiz äussert sich der «Tagesanzeiger» noch deutlicher als der «Blick», welcher von einem «desolaten Argentinien» spricht: «Argentiniens Destruktivismus wird bestraft.»
Bei der Mehrheit der Fans und Medien herrscht primär Erleichterung, dass dieses Argentinien gestoppt werden konnte. Kap Verde, Ägypten, die Schweiz und England sind gerächt.



Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.