
Drei grosse Ziele hat sich Andrea Salvisberg in seinem Leben gesetzt: an Olympischen Spielen teilnehmen, beim Ironman auf Hawaii starten und Vater werden. Das erste erreichte er vor zehn Jahren, das zweite private Glück folgte in diesem Jahr: Salvisberg wurde Vater. Nun erfüllt sich auch sein letzter grosser sportlicher Traum. Am Samstag startet der 37-jährige Berner erstmals bei der legendären Ironman-WM auf Hawaii.
Dass Salvisberg überhaupt noch einmal an diesem Punkt stehen würde, war lange alles andere als selbstverständlich. Im August 2023 wurde bei ihm eine Hirnhautentzündung diagnostiziert. Acht Monate lang kam und ging das Fieber, an geregeltes Training war nicht zu denken. Sponsoren sprangen ab, selbst die Fortsetzung seiner Karriere war ungewiss.
Mit Schweizer Rekord nach Hawaii
Doch Salvisberg kämpfte sich zurück und erfand sich neu. Statt wie früher auf der olympischen Distanz suchte er seine Herausforderung inzwischen über die Mittel- und Langdistanz. Ausgerechnet dort, wo Ausdauer und Geduld noch stärker gefragt sind, fand er zurück zu alter Stärke.
Das Ticket für Hawaii löste er erst Mitte August. Beim Ironman im schwedischen Kalmar wurde Salvisberg Dritter und stellte in 7:28:53 Stunden einen Schweizer Rekord auf. Auf Hawaii ist er der einzige Schweizer Profi im Feld.
Zurück zu den Wurzeln
Zwischen 2023 und 2025 wurden die Weltmeisterschaften der Männer und Frauen zwischen Nizza und Hawaii aufgeteilt. Der Veranstalter versprach sich davon unter höhere Einnahmen durch grössere Amateurfelder. In der Triathlon-Szene stiess die Abkehr von Hawaii jedoch auf heftige Kritik. Nun kehrt die WM zu ihren Wurzeln zurück: Erstmals seit der Aufteilung starten Männer und Frauen wieder am selben Tag auf Hawaii.
Auf genau dieses Rennen hat Salvisberg seine Saison ausgerichtet. Obwohl die Qualifikation lange nicht gesichert war. Die 70.3-WM in Nizza diente ihm zuletzt vor allem als Standortbestimmung. Rang 22 war weniger, als er sich erhofft hatte. Entscheidend war für ihn aber etwas anderes: «Es war für mich ein richtig hartes Training», wie er gegenüber der NZZ sagte.
Mit Trinkrucksack zum Marathon
Für Hawaii hat sich Salvisberg etwas Besonderes einfallen lassen. Den abschliessenden Marathon will er mit einem Trinkrucksack laufen. Das hat vor ihm niemand gewagt. Das zusätzliche Gewicht kostet zwar Zeit, soll aber eine bessere Energieversorgung sicherstellen. Er schwitze stark und vertrage keine Gels, mit dem Rucksack habe er jederzeit alles dabei.
Es ist ein Experiment auf jener Bühne, von der Salvisberg so lange geträumt hatte: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und zum Abschluss ein Marathon. Zehn Jahre nach seinem ersten grossen Lebensziel fehlt ihm damit nur noch eines: die Ziellinie auf Hawaii.
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