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Fussball

Alain Sutters Leiden im Quadrat: St. Gallen und Lausanne-Ouchy stehen im Cupfinal

Pleite, Pyro, Polemik: Die Grasshoppers hinterlassen bei ihrem Halbfinal-Autritt in Lausanne einen erbärmlichen Eindruck. Derweil träumt St. Gallen nach dem souveränen Sieg in Yverdon vom ersten Cupsieg seit 1969.
Kosternierte GC-Spieler nach dem 0:2 gegen Lausanne-Ouchy, während ihre Anhänger im Hintergrund Pyromaterial in Richtung Spielfeld werfen.
Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone

Was als Wellness-Reise, als Kontrast zum ewigen Abstiegskampf gedacht war, entpuppt sich als veritable Horror-Show. Geschätzt 4000 GC-Fans marschieren friedlich und erwartungsfroh in der Pontaise auf. Sie alle vereint die Sehnsucht nach dem ersten Titel nach 13 Jahren, die mehrheitlich diametral zum Anspruch verlaufen ist, der nun mal an einem Rekordmeister und -Cupsieger heftet.

Bestimmt begleiten den einen oder anderen auch sentimentale Gedanken an die ruhmreiche Vergangenheit. Umso unsentimentaler aber ist das, was einzelne GC-Anhänger gegen Ende und nach Spielschluss aufführen.

Die Zürcher Zuversicht indes, die ist nicht gänzlich unbegründet. Einerseits hat man zuletzt mit dem Sieg gegen Winterthur die akute Abstiegsgefahr etwas gebannt. Andererseits ist Lausanne-Ouchy ja kein Gegner, der in der Deutschschweiz Angst und Schrecken verbreitet.

Einer, der nicht bekannt dafür ist, der Vergangenheit nachzuhängen, ist Alain Sutter, seit knapp einem Jahr das Gesicht, der Macher und Lenker, des aktuellen GC. Doch dieses Wochenende ist eines, das ihn wahrscheinlich noch länger bestäftigen wird, das er nicht einfach so abschütteln kann wie eine Fluse am Hosenbein.

GC scheitert verdient gegen Ouchy

Erst muss der Sportchef konstatieren, dass der Aussenseiter seinem GC spielerisch überlegen ist und verdient durch Nomels Kunstschuss 1:0 in Führung geht. Und danach muss er mitansehen, wie sein GC in über 40 Minuten nur bei einem Kopfball von Michael Frey halbwegs gefährlich wird.

Noch übler als das, was ihm das fussballspielende Personal anbietet, ist das, was Sutter von Teilen der Fans zu sehen bekommt. Nach dem 0:2, einem direkt verwandelten Eckball von Tritten, fliegen Pyros aus dem Gästesektor bedrohlich nahe an die feiernden Ouchy-Akteure. Zudem machen sich GC-Anhänger auf, um von der Tribüne auf den Platz zu gelangen.

Als Sutter nach Spielschluss seine Erklärung abgibt, fliegen Bierbecher in seine Richtung. Sutter sagt relativ unbeeindruckt, was ein vernünftiger Mensch in dieser schwierigen Situation sagen muss: Er verurteilt die Pyro-Aktion, zeigt Verständnis für die Enttäuschung und meint: «Ich bin froh, dass wir zu Ende spielen konnten.»

GC-Chaoten attackieren den Teambus

Zu diesem Zeitpunkt kann er keine Kenntnis davon haben, dass der Schrecken noch nicht vorbei ist. Vor der Fahrt nach Zürich attackieren etwa 30 GC-Chaoten den Teambus, in dem sie Seenotfackeln in Richtung des Gefährts werfen. Später schreibt der Klub: «Wir verstehen den Frust unserer Fans nach der äusserst bitteren Niederlage. Wir sind alle ebenfalls enttäuscht. Beim versuchten Angriff auf unseren Mannschaftsbus wurde eine klare Grenze überschritten, ein solches Verhalten ist für uns inakzeptabel.»

Alain Sutter (links) und Gernot Messner, Trainer Nummer drei, seit Sutter vor knapp einem Jahr bei GC als Sportchef eingestiegen ist.
Bild: Andreas Becker/Keystone

Die Teilnahme am Cupfinal vergeigt, die tiefe Kluft zwischen Anhängern und Klub, ein wirkungsloser Trainerwechsel und fussballerisch ist man der Zweitklassigkeit näher als dem Klassenerhalt. Sutter leidet im Quadrat.  Wobei man konstatieren muss, dass der Klub in knapp einem Jahr unter seiner Regentschaft keinen Schritt weitergekommen ist.

Das Ziel kann jetzt wohl nur noch lauten: In der Barrage den Klassenerhalt zu realisieren. Dass die Zürcher zum dritten Mal in Folge diese Extra-Meile gehen müssen, ist eindrücklicher Beleg für die ausbleibende Entwicklung der letzten Jahre.

Sutters Ex-Klub St. Gallen steht im Cupfinal

Zusätzlich schmerzvoll für Sutter ist wohl, dass es im Final zum Rendezvous mit seinem vormaligen Arbeitgeber gekommen wäre. Der FC St. Gallen muss zwar im zweiten Teil der Partie in Yverdon ein paar heikle Momente überstehen (59. Lattenschuss Saiz), weil die 1:0-Führung (Captain Görtler trifft) zur Pause ein zu bescheidener Lohn für eine domierende erste Halbzeit ist. Als aber Shootingstar Alessandro Vogt kurz vor Schluss auf 2:0 erhöht, ist klar: St. Gallen hat die Möglichkeit, die seit 1969 anhaltende Sehnsucht nach dem nächsten Cup-Triumph zu stillen.

Die Freude muss raus bei St. Gallens Captain und 1:0-Torschütze Lukas Görtlier.
Bild: Claudio De Capitani/Freshfocus

Seit jenem letzten Sieg standen die Ostschweizer zwar schon viermal im Final. Verloren diesen aber stets. Zuletzt 2022 gegen Lugano und ein Jahr davor gegen Luzern. Gegner am Pfingstsonntag, 24. Mai, im Berner Wankdorf wird der FC Stade Lausanne-Ouchy (SLO) sein, der im Jahr 2000 aus der Fusion von FC Stade Lausanne und FC Ouchy hervorgegangen und 19 Jahre später erstmals im Profifussball (Challenge League) aufgetaucht ist.

Im Cupfinal stand SLO bisher noch nie. Und man wird dies als klarer Aussenseiter und in einer Art Auswärtsspiel tun. Denn es wäre überraschend, wenn die Lausanner, denen durchschnittlich nur 622 Menschen auf der Pontaise zuschauen, noch zum grossen Publikumsmagneten mutierten.

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