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Olympische Spiele

Vonns Horrorsturz überschattet Damen-Abfahrt – Corinne Suter beste Schweizerin

Breezy Johnson kürt sich an der Damen-Abfahrt in Cortina d'Ampezzo zur Olympiasiegerin. Ihre Teamkollegin Lindsey Vonn stürzt hingegen schwer. Emma Aicher und Sofia Goggia komplettieren das Podest. Corinne Suter aus Schwyz wurde 14.
Lindsey Vonn stürzt kurz nach dem Start.
Bild: Jacquelyn Martin

Vor dem Zielstadion in Cortina d'Ampezzo war Minuten vor dem Rennen kein Durchkommen mehr. Alles stand still, damit der Weg frei war für US-Rap-Legende Snoop Dogg. Als sich der Edelfan auf der Tribüne eingerichtet hatte, sorgte eine Landsfrau für die Musik auf der Piste. Breezy Johnson, Startnummer 6, übernahm die Führung in dieser Olympia-Abfahrt. Die nominelle Hauptdarstellerin dieser Show stand aber noch oben am Start: Lindsey Vonn.

Es kam der Moment, über den Vonn in den vergangenen Monaten so viel geredet hatte. Die Jagd nach dieser so ersehnten Olympia-Goldmedaille begann. Vonn stiess sich kräftig aus dem Starthaus, drei, vier Stockstösse folgten – und dann schrieb sie eine Episode ihrer Comeback-Geschichte, die einer flachen Netflix-Serie entsprungen sein könnte. Nach 18 Fahrsekunden, erst zwei Kurven hatte sie hinter sich, blieb sie mit dem rechten Arm an einem Tor hängen und stürzte fürchterlich.

Vonn wurde wild durch die Luft gewirbelt, die Bindungen lösten sich nicht, die Beine verdrehten sich grauenhaft. Laute Schreie waren über die Mikrofone am Pistenrand zu vernehmen. Gleichzeitig machte sich im Zielraum eine beklemmende Stille breit. Minuten später waren die Rotorblätter des Helikopters zu hören. Vonn wurde eingepackt und flog über das Zielstadion hinweg, auf und davon. Die Show war zu Ende.

«Ich hoffe, es ist nicht so schlimm, wie es aussieht»

Wer das Comeback von Lindsey Vonn in den vergangenen Monaten verfolgte, wurde immer wieder von unfassbaren Wendungen überrascht. Ihr Traum platze schon vor einer Woche beinahe. In der Abfahrt von Crans-Montana erlitt sie ebenfalls einen Sturz und riss sich das vordere Kreuzband im linken Knie. Sie entschied, dennoch in Cortina anzutreten und hinterliess auch in den Abfahrtstrainings einen stabilen Eindruck. Und die Piste ist eigentlich ihr Wohnzimmer. Auf der Tofana feierte sie 12 Weltcup-Siege.

Dass sie sich diese Chance keinesfalls entgehen lassen wollte, auch mit gerissenem Kreuzband, war irgendwie nachvollziehbar. Swiss-Olympia-Arzt Hanspeter Betschart erklärte vergangene Woche gegenüber CH Media, Skifahren ohne Kreuzband sei grundsätzlich möglich, «insbesondere wenn die Muskulatur sehr gut trainiert ist und die Begleitstrukturen gesund sind.»

Breezy Johnson sagte später: «Ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist, wie es ausgesehen hatte. Meine Gedanken sind bei ihr.» Nach einem 20-minütigen Unterbruch ging das Zittern für Johnson weiter. Doch es war bloss von kurzer Dauer. Nur Sofia Goggia, die Italienerin, brachte die Ordnung auf dem Podest nochmals durcheinander. Goggia ging mehr Risiko ein, als es von ihr in dieser Saison zu sehen war. Und sicherte sich die Bronzemedaille.

Breezy Johnson holt den Abfahrtstitel.
Bild: Andy Wong

Gold blieb bei Johnson. Die 30-Jährige aus Wyoming tat sich schwer, den Triumph sogleich einordnen zu können. In einem ersten Interview im Ziel sagte sie: «Ich hatte ein gutes Gefühl heute. Aber ich kann das noch nicht ganz glauben, ich brauche etwas Zeit.» Johnson liegen die Grossanlässe besonders. Bereits vor einem Jahr gewann sie beim Höhepunkt der Abfahrtssaison. In Saalbach fuhr sie mit Startnummer 1 zu WM-Gold. Weniger glorreich sieht die Bilanz hingegen im Weltcup aus. Neun Podestplätze hat sie auf dem Konto, auf einen Sieg wartet sie aber immer noch.

Die Schweizerinnen waren hingegen chancenlos. Corinne Suter (14.), Janine Schmitt (17.), Jasmine Flury (18.) und Malorie Blanc (19.) landeten alle ausserhalb der Top Ten. In Zahlen sieht das Ergebnis enttäuschend aus. Corinne Suter, die Abfahrtsolympiasiegerin von 2022, konnte ihrer Leistung dennoch Positives abgewinnen. «Für mich persönlich war es ein Schritt in die richtige Richtung. Ich habe den Grundspeed wiedergefunden. Und ich habe wieder Spass am Skifahren, das ist für mich momentan das Wichtigste.» Suter wurde im Dezember von einem Trainingssturz gebremst.

Von den Schweizerinnen eine Medaille zu erwarten, wäre unter den gegebenen Umständen vermessen gewesen. Doch mit ein wenig Fantasie konnte die Schweiz dennoch jubeln. Silber ging an die Deutsche Emma Aicher, die als Teenagerin für drei Jahre in Engelberg lebte. Und dort im Skiklub Engelberg trainierte.

Das Abfahrts-Podest der Frauen

1. Breezy Johnson (USA) 1:36.10 min

2. Emma Aicher (DEU) + 0.04 sec

3. Sofia Goggia (ITA) + 0.59 sec

Die Resultate der Schweizerinnen:

14. Corinne Suter + 1.91 sec
17. Janina Schmitt + 2.18 sec
19. Jasmine Flury + 2.41 sec
20. Malorie Blanc + 2.67 sec

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