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Was hat Fussball mit Politik zu tun?

Verfolgen Sie die Spiele der Fussball-WM? Ich bin Fan der Schweizer Nationalmannschaft und folge der Berichterstattung mit grossem Interesse. Ich ärgere mich über schlechte Momente und begeistere mich an den guten Resultaten. Dabei sehe ich immer wieder Parallelen zu unserer direkten Demokratie.

Der Trainer gibt die Richtung vor. Er entscheidet über das Spielsystem und die Taktik. Er bestimmt auch, mit welchen Spielern er erfolgreich sein will. Er sammelt Informationen und wägt ab, was am wahrscheinlichsten zum Erfolg führt. Ist der Entscheid gefallen, wird er umgesetzt. Genauso verhält es sich in der direkten Demokratie mit dem Souverän (dem Volk). Wir stimmen über eine Frage ab, den Entscheid gilt es zu akzeptieren und umzusetzen. Ein Team wäre niemals erfolgreich, wenn der Trainer nach seinem Entscheid ständig wieder darauf zurückkommen würde. Die Ausrichtung der Mannschaft gilt aber nur für ein Spiel. Nicht für mehr, aber vor allem auch nicht für weniger! Beim nächsten Spiel ändern sich die Umstände, die Gegner et cetera. Die Spielphilosophie sollte jedoch über längere Zeit konstant bleiben. So sollten wir es auch in unseren Volksabstimmungen halten: in den grossen Linien konstant und verlässlich bleiben, punktuell aber auf bestimmte Veränderungen reagieren. Unsere Parteien als Hüter der «Spielphilosophie» sollten dies sicherstellen! Und jeder sollte sich immer fragen: Was hat uns stark gemacht? Wie führen wir unser Erfolgsmodell weiter?

Die Aufstellung der Mannschaft wird vom Trainer gemacht. Er wählt sein Personal aus dem zur Verfügung stehenden Pool aus. Ein starkes Team (wie die Schweiz!) hat einen grösseren Anteil an qualitativ guten Spielern, ein schwächeres Team weniger. Dabei stellt sich immer die Frage: Wer kann und will für sein Team spielen? In der direkten Demokratie wählt das Volk seine Vertreter. Bundes-, Regierungs- und Gemeinderäte, National-, Stände- und Kantonsräte, aber auch Richter werden direkt oder indirekt vom Volk gewählt. Auch hier gilt: Wer kann und will für unser Land zur Verfügung stehen? Spielt ein Fussballspieler schlecht oder hält sich nicht an die Vorgaben des Trainers, dann wird er ausgewechselt. Ein guter Trainer scheut sich nicht, dies zu tun. Gregor Kobel bringt als Torhüter andere Fähigkeiten mit als Johan Manzambi als Stürmer. Dies entspricht doch exakt unserem Milizsystem, wo wir alle privaten Fähigkeiten für eine gute Regierung nutzen. Es kommt kein Trainer auf die Idee, elf Xhakas oder elf Embolos in seiner Mannschaft einzusetzen. Somit für die Schweiz ein klares Bekenntnis zum Milizsystem und zur Parteienvielfalt!

Bis hierhin würde alles passen, aber «leider» gibt es bei jedem Fussballspiel auch noch einen Gegner! Je stärker der Gegner, desto mehr müssen wir unsere Taktik anpassen. Komplexe Sachfragen und vernetzte Abhängigkeiten verlangen von uns bei Abstimmungen mehr Zugeständnisse in unserer Meinungsbildung als einfache Sachfragen. Katar wäre eigentlich einfacher zu besiegen als Bosnien-Herzegowina. Die Ausnahme bestätigt die Regel! Auch ich habe schon ein paarmal in meinem Leben «falsch» abgestimmt.

Glauben wir an unsere direkte Demokratie. Reissen wir keine Rösti- oder Stadt-Land-Gräben auf. Akzeptieren wir Mehrheiten, und kämpfen wir dafür, dass unsere Ideen die künftige Ausrichtung der Schweiz bestimmen. Und vor allem entscheiden wir gut überlegt, mit Augenmass, ohne überbordende Emotionen!

Glauben wir an unsere Nati, an unseren Trainer. Tragen wir sie durch dieses WM-Turnier. Und sollten wir dann ausscheiden, dann setzen wir uns neue Ziele. Denn nach der WM ist vor der WM. Oder wie es der ehemalige Fussballtrainer und -philosoph Dragoslav Stepanovic im Frankfurter Dialekt gesagt hat: «Lebbe geht weiter!» – «Das Leben geht weiter!»

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