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Einsiedeln

Von St. Meinrad bis zur Gegenwart – Eröffnung der Dauerausstellung am Samstag

Mit «Ein Dorf von Welt» hat das Museum Fram in Einsiedeln neu eine Dauerausstellung, die sich ganz dem Dorf widmet.
Einblick in die neue Ausstellung im Museum Fram.
Bild: Stefan Bisig
Einblick in die neue Ausstellung im Museum Fram: ein Bild von Kaiserin Sisi in Originalgrösse.
Bild: Stefan Bisig

Wer in der neuen Dauerausstellung «Ein Dorf von Welt» im Museum Fram in Einsiedeln eine trockene Abfolge von Vitrinen und Jahreszahlen erwartet, wird überrascht. Der Rundgang ist anschaulich aufgebaut, optisch sorgfältig gestaltet und arbeitet mit vielen Beispielen, die einen unmittelbaren Zugang schaffen.

Der Einstieg gehört St. Meinrad. Ein Animationsfilm von Roman Kälin führt in die frühe, dramatische Geschichte Einsiedelns hinein und setzt den Ton für das, was folgt: Die Ausstellung will nicht bloss informieren, sondern Geschichte erlebbar machen. Die Ausstellung ist aufgeteilt in mehrere Kapitel, die unter anderem zeigen, wie eng die Entwicklung Einsiedelns mit dem Kloster verbunden war.

Dabei bleibt die Ausstellung nicht im Allgemeinen. Sie zeigt konkret, wie stark das Kloster früher das Leben im Dorf bestimmte. Druckereien oder Kerzenfabriken waren zeitweise nicht erlaubt, selbst bei religiösen Darstellungen wurde genau hingeschaut. Wer von der Bevölkerung mit Nachahmungen etwas zum Haushalt beitragen wollte, stiess rasch an Grenzen. Solche Beispiele machen die Machtverhältnisse von damals greifbar und gehören zu den stärkeren Momenten der Ausstellung.

Konkrete Objekte statt blosser Behauptungen

Gerade die einzelnen Ausstellungsstücke machen viele Themen der Ausstellung greifbar. Zu sehen sind etwa ein Bild von Kaiserin Sisi in Originalgrösse, die im Kloster Trost suchte, als ihre Tochter verstarb, das Modell der Gnadenkapelle oder ein Ölgemälde von Papst Pius X. Dazu kommen Objekte, mit denen man an diesem Ort nicht unbedingt rechnet. So ist auch ein Vorläufer des Faxgeräts zu sehen. Solche Stücke lockern den Rundgang nicht nur auf, sie erweitern auch den Blick auf Einsiedeln.

Denn die Ausstellung macht deutlich, dass das Dorf nicht nur aus Kloster, Kirche und Wallfahrt besteht. Sie erzählt auch von Erfindungsgeist, Verlagswesen, Tourismus und Industrie. Manches davon kennt man vielleicht vom Hörensagen, hier wird es aber greifbarer. Das ist eine der Qualitäten dieser Schau: Sie bleibt nicht bei grossen Behauptungen stehen, sondern arbeitet mit konkreten Beispielen.

Auch dunklere oder sperrigere Kapitel spart sie nicht aus. Etwa dort, wo es um die Rolle der Frau in Einsiedeln geht und um gesellschaftliche Vorstellungen, die heute befremdlich wirken. Nicht jedes Ausstellungsstück ist spektakulär, manches wirkt auf den ersten Blick eher trocken. Gerade diese Stücke sind aber wichtig, weil sie zeigen, unter welchen Regeln und Denkweisen die Menschen früher gelebt haben.

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