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Künstliche Intelligenz

«KI wird nicht verschwinden, daher ist es ratsam, sich damit auseinanderzusetzen»

Nach 40 Jahren in der Medien- und IT-Branche berät Urs Felber Unternehmen im digitalen Bereich. In den letzten Jahren hat er sich intensiv mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Er erklärt, wie diese auch im Alltag nützlich sein kann – ohne dass man dafür ein Technikprofi sein muss.
Urs Felber benutzt künstliche Intelligenz nicht nur beruflich, sondern schätzt ChatGPT und Co. auch im Alltag als nützliche Helfer.
Bild: PD

Sie beschäftigen sich seit etlichen Jahren intensiv mit künstlicher Intelligenz (KI). Was fasziniert Sie am meisten daran?

Künstliche Intelligenz ist etwas, was mich viele Jahre berufsbedingt begleitet hat. Richtig intensiv beschäftige ich mich seit der Vorstellung von ChatGPT von OpenAI im Herbst 2022 mit dem Thema. Mit dem Aufkommen der generativen künstlichen Intelligenz – also jener Systeme, über die heute so oft in der Öffentlichkeit gesprochen wird – eröffneten sich plötzlich ganz neue Möglichkeiten, die mich von Anfang an extrem fasziniert haben.

Viele haben Berührungsängste und getrauen sich nicht an KI heran. Muss man technisch versiert sein, um KI nutzen zu können?

Nein, absolut nicht – die generativen KI-Systeme kann jedermann und jedefrau bedienen. Man braucht lediglich ein Smartphone oder einen Computer, und schon kann es losgehen.

«Es gibt eigentlich nichts, was ich die KI nicht fragen könnte und worauf sie mir nicht eine Antwort liefern würde. Aber: Das Hirn ausschalten und nur der KI vertrauen, ist auch keine gute Idee.»

Was muss man verstehen, um KI gewinnbringend für sich nutzen zu können?

Eigentlich braucht es nicht viel – ich muss nur die richtige App installieren, und das war es dann auch schon. Ich kann mit der KI umgangssprachlich kommunizieren. Das heisst: Ich stelle Fragen, wie ich sie auch einer Person stellen würde, und die KI gibt eine Antwort. Das nennt man dann «einen Prompt eingeben». Wer tiefer gehen will, merkt schnell: Je besser der Prompt, desto besser die Antwort – oder eben das Resultat, das ich suche.

Wie kann einem KI im Alltag helfen?

Es gibt eigentlich nichts, was ich die KI nicht fragen könnte und worauf sie mir nicht eine Antwort liefern würde. Aber: Das Hirn ausschalten und nur der KI vertrauen ist auch keine gute Idee. Wo man genauer hinschauen muss, werden wir am Event vom 12. Mai im Mythenforum genau aufzeigen. Es gilt: Die Symbiose zwischen Mensch und KI macht den Unterschied.

«Bote bildet»: Umgang mit KI

Mit der Eventreihe «Bote bildet» erfahren Sie Nützliches für Ihren Alltag. Den Start macht ein Abend zum Thema «Umgang mit der künstlichen Intelligenz» am Montag, 12. Mai, von 19 bis 21 Uhr im Mythenforum Schwyz.

In diesem KI-Event zeigen die Experten Urs Felber von der UFE-Consulting AG und Ralph Landolt von Techtipp leicht verständlich und praxisnah, wie KI den Alltag konkret erleichtern kann. Denn um von künstlicher Intelligenz zu profitieren, muss man kein Technikprofi sein.

Anmelden für den ersten «Bote bildet»-Event kann man sich bis am 9. Mai über bote.ch/bote-bildet . «Bote»-Abonnentinnen und -Abonnenten profitieren von einem vergünstigten Preis. (red)

Welche spezifischen Tools empfehlen Sie «KI-Anfängern»?

Wichtig ist, dass man sich auf einige wenige Tools konzentriert und dann konsequent dabeibleibt. Die Vielzahl an verfügbaren Tools ist heute so gross, dass man leicht den Überblick verlieren kann. Ich empfehle heute, mit ChatGPT zu arbeiten – sei es in der Gratis- oder auch in der Bezahlversion. ChatGPT bietet ein umfassendes Spektrum an Möglichkeiten. Als zweite Variante bietet sich Google Gemini an. Google tat sich zu Beginn mit der generativen KI eher schwer, gehört heute aber zu den grossen Gewinnern der KI-Bewegung und ist ganz vorne mit dabei.

«Mit KI-Tools erstelle ich alles Mögliche im Bild- und Videobereich. Das macht richtig Spass! Aber genau da zeigen sich auch die Schattenseiten. Denn man kann damit auch sehr viel Schaden anrichten.»

Wo nutzen Sie persönlich KI ausserhalb Ihres Berufslebens?

Die Frage richtig zu beantworten, würde wohl den Platz für das Interview sprengen. Deshalb beschränke ich mich auf ein paar Beispiele: Ich nutze KI im privaten Bereich zum Beispiel für die Erstellung von Texten jeglicher Art oder lasse mir von ihr vieles erklären. Wenn man einmal verstanden hat, wie man der KI Fragen stellen muss, kann man plötzlich selbst hochkomplexe Themen auf einfache Art und Weise erklärt bekommen. Oft nutze ich auch den «Voice Mode». So kann ich mich jetzt im geliebten Tessin endlich umgangssprachlich mit den Einheimischen unterhalten. Auch im kalkulatorischen Bereich – also im Finanzwesen – arbeite ich privat intensiv mit KI. Und zu guter Letzt: Mit KI-Tools erstelle ich alles Mögliche im Bild- und Videobereich. Das macht richtig Spass! Zum Beispiel, wenn meine Frau plötzlich mit ihrer Originalstimme, ihrer Mimik und Gestik im Körper einer völlig anderen Person spricht. Lustig – ja, aber genau da zeigen sich auch die Schattenseiten. Denn man kann damit auch sehr viel Schaden anrichten. Wie bei fast allem in der Welt hat auch die KI zwei Seiten – und auch das werden wir am Event im Mythenforum aufzeigen.

KI hat nicht nur Schattenseiten, sondern auch Grenzen. Wo liegen diese momentan?

Solange wir uns auf dem Niveau der sogenannten «schwachen künstlichen Intelligenz» befinden – was heute alles ist, was wir anwenden –, handelt es sich fast immer um eine Interaktion zwischen Mensch und KI. KI kann Fehler machen, also braucht es den Menschen zwingend als Dirigenten der künstlichen Intelligenz. Sollte dereinst der Schritt von den heutigen KI-Modellen zu einer sogenannten AGI – Artificial General Intelligence – gelingen, dann ist die ganze Geschichte eine ganz andere Nummer. Dann wäre auch mir nicht mehr ganz wohl bei der Sache. Aber ich glaube, der Weg dahin ist noch recht weit.

«Ob eine Technologie der Menschheit dient oder ihr schadet, liegt nicht in der Technik selbst, sondern in der Hand des Menschen.»

Wie wird KI unser Leben in den nächsten zehn Jahren noch verändern?

Wenn ich das wüsste, würde ich wahrscheinlich nicht selbst zum Event vom 12. Mai fahren, sondern vom Chauffeur gefahren werden. Nein, Spass beiseite: Das kann heute niemand wirklich sagen. Viele Firmen forschen an der AGI – was uns in vielen Bereichen helfen, aber auch verheerende Folgen haben könnte. Wie bei fast allem in der Welt hat auch die KI zwei Seiten. Ob eine Technologie der Menschheit dient oder ihr schadet, liegt nicht in der Technik selbst, sondern in der Hand des Menschen. Und KI ist definitiv ein Thema, das gekommen ist, um zu bleiben. Ob man es gut findet oder nicht – die KI wird nicht mehr verschwinden. Daher ist es für alle ratsam, sich damit auseinanderzusetzen.

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