Böller und Flaschen auf Polizei: Junge Fasnächtler ausser Rand und Band

EINSIEDELN ⋅ Verstörende Szenen am Güdelmontag mitten in Einsiedeln. Um die 50 Fasnächtler aus Nah und Fern hauten am Abend über die Stränge. Die Polizei bot Verstärkung auf und wies die Jugendlichen weg. Es gab zwei Festnahmen.

Aktualisiert: 
16.02.2021, 08:00
16. Februar 2021, 00:09

Geri Holdener

Im Schnee vor dem Bahnhof Einsiedeln liegen leere Bierflaschen, eine Gruppe Fasnächtler mit Bierkartons in den Händen schlendert vorbei. Sie wollen weg von der Polizei. «Wo laufen wir da hin?», fragt einer auf dem Weg zur Mythenstrasse. Sein Kollege: «Lauf einfach, ist ja ein kleines Dorf.»

Vieles deutet darauf hin, dass der Süühudi-Aufmarsch vom Montagmorgen etliche auswärtige Partygänger angezogen hat. Jugendliche, die vom Fasnachtstreiben erfahren haben und allenfalls erst dann zum Abfeiern ins Dorf gepilgert sind. Eine zweite Welle, sozusagen.

Am Mittag hatte die Polizei die Leute entlang der Umzugsroute weggeschickt. Die Strassen leerten sich rasch. Aber: «Den ganzen Nachmittag über mussten weiterhin Personenansammlungen aufgelöst werden», so Polizeisprecher David Mynall zum «Boten».

Nach 20 Uhr wird es brenzlig. Auf dem Bahnhofareal versammelten sich rund 50 Fasnächtler, Musik dröhnt aus den Boxen, Gejohle auf dem Perron. Die Stimmung scheint zunächst ausgelassen, dann zusehends aggressiv. Die Polizei teilt am Dienstagmorgen mit: «Ein Grossteil hielt sich in keinster Weise an die Corona-Schutzmassnahmen und liess sich nicht wegweisen. Die Einsatzkräfte wurden mit Flaschen und Böllern beworfen.» Die Polizei bot Verstärkung auf. Darauf trafen Angehörige des Ordnungsdiensts in voller Montur ein.

Unser Video zeigt, wie die Kapo Punkt 22.15 Uhr durchgreift. Mehrere Polizeiwagen fahren vor. Der Bahnhof wird geräumt. Dutzende Polizisten riegeln das Areal ab. Die Jungen verstreuen sich. Polizisten schicken das Partyvolk draussen vor dem «Zwei Raben» fort. Ein ziviler Polizist überwältigt einen jungen Mann auf offener Strasse. Weitere Polizeimitarbeiter eilen herbei und schicken die Kollegen des Festgenommenen weg.

Einige Partymacher sind gezielt auf Provokation aus. «Freiheit!», schreit eine sturzbetrunkene Fasnächtlerin dem Polizisten ins Gesicht. Auch nach geduldigem Zureden, sie möge doch besser heimgehen, bleibt sie auf dem Platz. Schliesslich wird sie abgeführt. «Überlegt euch das bitte genau», rät ein Fasnächtler mit Zürcher Dialekt den Polizeimitarbeitern.

Gegen 23.30 Uhr beruhigte sich die Lage. Der Schneeregen kam wie gerufen. Die Polizei hatte anschliessend auf der Zürichstrasse den Verkehr dorfauswärts im Auge. Alles in allem wurden über 40 Personen weggewiesen. Die zwei abgeführten Personen hat man in Ausnüchterungshaft genommen. «Eine der inhaftierten Personen verübte zudem eine Sachbeschädigung», schreibt die Polizei weiter.


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