A4 und Lauerzerstrasse sind wieder offen

INNERSCHWYZ ⋅ Ab sofort dürfen nur noch Zubringer ins Dorf Brunnen fahren. Seit Mitternacht gilt auf dem Schwyzer Teil des Vierwaldstättersees ein generelles Schifffahrtsverbot. Gute Nachrichten gab es am Samstag aus Seewen: Der Autobahn-Anschluss und die A4 Goldau–Schwyz und seit Sonntagmorgen die Lauerzertrasse sind wieder offen.

Aktualisiert: 
18.07.2021, 09:00
16. Juli 2021, 05:15

Ein deutsches Wohnmobil macht rechtsumkehrt, ein Traktor mit Schwemmholz auf dem Anhänger fährt vorbei. Ungewohnte Szenen am Samstag vor dem Mittag beim Anschluss A4 in Seewen. Das Areal war am Freitag wegen Hochwassers abgesperrt worden. Einfahrten zu, Ausfahrten zu. Der Autobahn-Anschluss Schwyz existierte eine Zeitlang auf dem Schweizer Nationalstrassennetz nicht. Das führte zu Rückstau auf den Hauptstrassen, etwa auf der Steinerstrasse und zwischen Ibach und Schwyz.

Der verlassene Autobahn-Anschluss Schwyz am Samstagmorgen im 360-Grad-Panorama (Musik Warren Zevon - Splendid Isolation)

Auch am Samstagmorgen stand die Bahnunterführung beim Acherli-Kreisel noch teilweise unter Wasser und konnte vorerst nicht befahren werden. Gesperrt blieb auch die Lauerzerstrasse, der Seemattliweg und die Zufahrt über die Seewernstrasse.

Allerdings konnte die Absperrung an der Seewernstrasse jederzeit umfahren werden. So gelangen Gäste zum Seehotel. Gewitzte Lenkerinnen und Lenker funktionierten die Zufahrt zu einem Schleichweg auf die Autobahn um.

Dank des etwas tieferen Lauerzerseepegels gab die Polizei am Samstagmittag die Bahnunterführung beim Seebner Acherli-Kreisel wieder frei. Der Autobahn-Anschluss ist seither wieder offen. Am Samstag um 19.30 Uhr konnte auch die A4 von Goldau nach Schwyz wieder freigegeben werden. Es gilt aus Sicherheitsgründen vorderhand Tempo 60.

Fahrverbot auf dem Vierwaldstättersee

Aufgrund der aktuellen Hochwasserlage des Vierwaldstättersees verbietet der Regierungsrat auf dem Schwyzer Teil des Sees die private Schifffahrt für alle Boote inklusive Stand-Up-Paddles und dergleichen. Das Verbot trat am Samstag um 0.00 Uhr in Kraft und gilt bis auf Widerruf.

«Durch Wellenschlag der Schiffe kann das Wasser weitere Uferpartien überschwemmen, was zusätzliche Schäden an Liegenschaften und Einrichtungen verursachen kann. Weiter können auch schwimmende Bootsstege durch zusätzliche Wellen beschädigt werden, und es ist der Gefahr durch treibendes Schwemmholz zu begegnen», schreibt die Regierung in einer Mitteilung.
Ausgenommen von diesem Verbot sind das Militär, die Polizei, Rettungskräfte und Berufsfischer sowie die konzessionierte Schifffahrt.

Politisch durchgegriffen wurde, weil sich in der Nacht auf Freitag die Ereignisse überschlagen hatten. Von Nordwesten her zogen mehrere Regenzellen über die Region rund um Schwyz, entluden sich über den gesättigten Wiesen. Bei der Schwyzer Polizei gingen seit Donnerstagabend Dutzende Notrufe wegen überfluteten Strassen oder Wassereinbrüchen in Gebäude ein. «Meldungen über verletzte Personen liegen nicht vor», konnte die Kapo Schwyz am Freitagmorgen vermelden.

Ausgerückt waren die Feuerwehren von Ingenbohl, Lauerz, Sattel, Küssnacht, Schübelbach, Altendorf und die Feuerwehr Stützpunkt Schwyz. In Lauerz musste ein Wohnmobil beim Schwanau-Parkplatz durch die Feuerwehr weggezogen werden, da der Wasserstand sehr schnell angestiegen war. Der Mühlebach trat einmal mehr über die Ufer.

Von der Autobahn-Ausfahrt her kommt man nur noch durchs Dorf Goldau weiter Richtung Süden. Lauerz steht zu Teilen unter Wasser. Jürg Auf der Maur

Die Häuser im Lauerzer Gebiet Otten an der Seestrasse sind in Sachen Strassenverkehr von der Aussenwelt abgeschnitten. Von hier aus kommt man weder nach Lauerz noch nach Seewen. Die Lauerzer Feuerwehr hat die Bewohner vor der Sperrung rechtzeitig informiert. Die weitere Versorgung der Bewohnerschaft ist dank dem Feuerwehrboot gewährleistet. Der Lauerzersee stieg in der Nacht innert zwei Stunden um 20 Zentimeter (Pegel 7.30 Uhr: 448,93 Meter, Tendenz am Abend leicht sinkend).

Der Vierwaldstättersee, der am Vorabend noch 434,8 Meter hoch stand, war am Freitagmorgen 434,87 Meter hoch, am Nachmittag waren es dann 434,91 Meter. Nach einem weiteren Rückgang des Pegels in der Nacht auf Sonntag konnte am  Morgen die Seestrasse in Lauerz und somit die direkte Verbindung nach Seewen wieder freigegeben werden. Es läuft vorderhand ein Einbahnverkehr beim Otten mit einer Lichtsignalanlage. Als Folge des Hochwassers gilt somit auf den Strassen nur noch die Verbotszone im Dorf Brunnen.

Der überschwemmte SGV-Steg in Brunnen am Freitagmorgen. Petra Imsand

Die Seewern trat über die Ufer. Geri Holdener

Für die Pendler im lokalen Verkehr heisst das: Die direkte Fahrt von Goldau nach Brunnen ist im Moment übers Dorf Steinen möglich. Allerdings: Der Anschluss Steinerstrasse/H8 ist aktuell nicht befahrbar. Hier entstehen die neuen Kreisel. Vor der Baustelle steht ein Rotlicht. Die einspurige Verkehrsführung behindert den Verkehrsfluss zusätzlich. Am Morgen staute es auf dem Strassennetz in Goldau, Steinen und Seewen. Laut Google Maps dauerte am Freitagmorgen die Fahrt von Goldau über die Hauptstrasse nach Seewen knapp eine halbe Stunde.

Ein Polizist regelt am Mittag den Verkehr im Dorf Steinen. Geri Holdener

Nachdem beim Anschluss H8 ein Lotsendienst eingerichtet worden war und auf dem Steiner Hauptplatz die Kapo den Verkehr regelte, ging es etwas zügiger vorwärts. Die gute Nachricht für ÖV-Pendler: Die SBB verkehrten in unserer Region heute Morgen plangemäss. 

In den Morgenstunden fuhren die Automobilisten auch auf der A4 von Schwyz Richtung Goldau im noch nicht sanierten Baustellenbereich teilweise im Wasser. Der Verkehr konnte, im Gegensatz zur gesperrten Fahrspur Süd, weiterhin rollen. Beim Acherli-Kreisel in Seewen war vor dem Mittag die Unterführung der Bahnlinie wegen Überschwemmung gesperrt. Der Schwyzer Polizeisprecher Florian Grossmann: «Wir bitten die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer, für Fahrten in den Süden auf die Route via Seelisbergtunnel auszuweichen.» Der Kanton Schwyz sollte möglichst umfahren werden.

Lauerzerseewasser auf der Autobahn vor Seewen. helinews.ch

Um zirka 1.40 Uhr stellten die Überwachungsinstrumente Geländebewegungen im Bereich «Gumpisch» oberhalb der Axenstrasse fest, die in der Folge zu Aufschlägen von Steinen in den Schutznetzen oberhalb der Axenstrasse führten. Die Urner Polizei schreibt: «Folgedessen musste die Axenstrasse umgehend gesperrt und die Fahrzeuge auf der Axenstrasse gewendet werden.» Personen wurden keine verletzt. Strasse und Brücke wurden nach bisherigem Kenntnisstand nicht beschädigt.

Aufgrund der aktuellen Wetterlage könnten laut Polizei weitere Steinschläge oder Murgänge nicht ausgeschlossen werden. Die Axenstrasse blieb aus Sicherheitsgründen für den Verkehr zwischen dem Kreisel Flüelen und der Abzweigung Wolfsprung gesperrt, bis Geologen die Gefahrenlage beurteilt hatten. Um 10.30 Uhr konnte die Axenstrasse wieder freigegeben werden. gh

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