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Kolumne «Wortörtlich»

Schilti

Bild: Redaktion Bote

Die Schilti liegt auf dem Weg zwischen Morschach und Sisikon respektive Riemenstalden, hoch über dem Vierwaldstättersee. So klar das Benennungsmotiv zu sein scheint, so geheimnisvoll bleibt der wirkliche Ursprung der Benennung.

Der Name Schilti bezieht sich auf ein grösseres Gelände, das unterschieden wird in Hinder Schilti, Vorder Schilti und Mittler Schilti. Darüber liegt der Schiltiwald, und eine Geländestufe weiter oben befindet sich das Schilteli. Das Gelände ist nach der Abendsonne ausgerichtet und ein wunderbares Höckli.

Wer sich mit der stolzen Holzbautradition unserer Gegend auseinandersetzt, weiss, dass sich in dieser geografischen Ecke südlich von Morschach Häuser mit jahrhundertealten Kernbauten befinden. So gehört denn auch der Familienname Schilter zu einem der ältesten überhaupt, er wird 1281 das erste Mal erwähnt: «Da diser kouff geschach, warend dise lût, deren namen hie geschriben stat, und ander die lantlùt, die es tatend: Rudolf der Stouffâcher der amman […] Ruodolf von Schilti […]». Der Rudolf von Schilti muss ein angesehener Mann von Stand gewesen sein, wenn er mit Landammann Stauffacher aus Steinen in einer geschäftlichen Angelegenheit unterwegs war.

Das zugrunde liegende Motiv des Flurnamens ist der Schild, der in eine Dreiecksform ausläuft. Wir kennen den Schild aus der Ausrüstung antiker Infanterietruppen. Mit Schild wird aber auch die Giebelseite des Hauses benannt, aus dem Dreieck der Dachschräge geformt. In der Älplersprache wird mit «Schilti» eine Kuh bezeichnet, die weisse, grossflächige Flecken «wie Schilder» hat – im Gegensatz zum «Blüemets» mit vielen kleineren Flecken und dem «Gurt» mit einem hellen, breiten Streifen im Fell.

Das «Schwyzer Namenbuch» erklärt den Namen als eine «grossflächige, abfallende, aber vorwiegend glatte, begraste Stelle». Was uns Namenforschern nun aber Kopfzerbrechen bereitet, ist die Endung, das -i. Der Flurname Schilt ist in der Schweiz sehr verbreitet, aber Schilti gibts nur wenige. Viktor Weibel schlägt im «Schwyzer Namenbuch» vor, dass es sich um eine Wortbildung aus dem Mundart-Verb schilte, «den Schilt an Gebäuden machen», zum Substantiv Schilti handelt.

Es könnte sich um eine sehr alte, sehr eigenständige Wortbildung mit -i handeln, mit der eine Art Kollektivbildung (eine unbestimmte Anzahl) gemeint ist: im Sinne von «unübersichtliches, grösseres Gebiet in Form eines Schildes». So wie zum Beispiel beim Wort «Gwätti». Das Schilti bleibt also vorderhand geheimnisvoll.

Nathalie Henseler Pfyl
Bild: Rickenbacher Photography
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