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Kolumne «Wortörtlich»

Nüsell

Bild: Redaktion Bote

In Innerschwyz denkt man direkt an Wintersport, wenn man den Namen Nüsell hört. Die Deutungen sind einfach – und doch kompliziert.

Wenn man von Sattel nach Rothenthurm fährt, so kann man rechts zu einem Skilift abbiegen, der mit «Neusell» angeschrieben ist. Früher gab es am Hang daneben einen weiteren Skilift, die Mäderen. Dieser ist aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr in Betrieb und rückgebaut worden.

Der Name Neusell besteht aus zwei Teilen: dem Bestimmungswort Neu- – was noch immer dasselbe bedeutet wie heute, nämlich «neu» – und als zweitem Teil aus dem Grundwort -sell. Hier wird es etwas komplizierter. Das Einfache ist, dass es mit Sicherheit als «neue Wohnstätte» gedeutet werden kann, wie es Viktor Weibel im «Schwyzer Namenbuch» gut beschreibt. Doch welche Bedeutung dem Grundwort «-sell» in diesem Zusammenhang zugesprochen werden soll, darüber darf spekuliert werden.

Weibel favorisiert die Bedeutung des «waagrechten Grundbalkens eines Hauses; Türschwelle» oder das «zur Ablenkung des Wassers quer über einen (steilen) Weg gelegte Stück Holz». Beides deutet darauf hin, dass hier Menschen am Werk waren, die sich ein neues Zuhause einrichteten. Denn das Bestimmungswort «Neu-» deutet oft darauf hin, dass zu einem bereits bestehenden Haus oder Hof ein neues gebaut wurde, das mit diesem Zusatz unterschieden werden konnte.

Das Schweizerdeutsche Wörterbuch «Idiotikon» gibt unter «Sell» noch an, dass es sich um eine alte Bezeichnung für «Sattel oder Pferdegeschirr» handeln kann. Es führt diese Bezeichnung auf das italienisch-romanische, weibliche «sella» zurück, wie im Flurnamen Sell im sanktgallischen Amden in genau dieser Bedeutung. Der Gegenstand des Sattels wurde auf das Gelände übertragen.

Könnte es sich hier also vielleicht um ein sogenanntes romanisches Reliktwort handeln? Wir finden bei uns einige Bezeichnungen mit romanischen Wurzeln, zum Beispiel Fruttli oder Planggstock. Damit würde die Geländeform, auf der der Hof Neusell sitzt, mit einem vordeutschen Wort in der Bedeutung eines Sattels beschrieben.

Eines ist jedenfalls sicher: Wenn sich nicht vor Jahren einige Freiwillige zusammengetan hätten und in Fronarbeit den Neusell-Skilift betreiben würden – er würde uns fehlen, und es bliebe nur noch der Flurname. In diesem Sinne: Ein Hoch auf die Freiwilligenarbeit und auf viele weitere, schneereiche Winter!

Nathalie Henseler Pfyl
Bild: Rickenbacher Photography
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