Ingenbohl

Mit dem Camper gratis auf die Polizeiwaage

Wie schwer ist das Wohnmobil oder der Wohnwagen tatsächlich, so voll beladen mit Gasflaschen, Wassertanks und Feriengepäck? Das lässt sich bald unter anderem in Ingenbohl kostenfrei prüfen.
Ein Wohnmobil fährt auf die Waage.
Bild: Kapo Schwyz

Mit dem Start in die Campingsaison wächst die Vorfreude auf Ferien mit dem Wohnmobil oder Wohnwagen. Vielen Camperinnen und Campern ist jedoch nicht bewusst, wie schnell ein beladenes Fahrzeug die zulässige Gewichtsgrenze erreicht oder sogar überschreitet. «Überladene Fahrzeuge können die Fahrsicherheit beeinträchtigen und zu Bussen oder anderen Konsequenzen führen», schreibt die Kapo Schwyz in einer Mitteilung.

Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr führen die Kantonspolizei und die TCS Sektion Schwyz die «Camper Days» 2026 zum zweiten Mal durch. Ziel der Präventionsaktion ist es, Besitzerinnen und Besitzer von Wohnmobilen und Wohnwagen für das Thema Gewicht und Ladungssicherung zu sensibilisieren.

Wohnmobile sowie Wohnwagen-Gespanne können dabei ohne Voranmeldung auf einer Achslastwaage gewogen werden. Das freiwillige Wiegen ist bewusst nicht mit Kontrollen oder Sanktionen verbunden. Dazu die Schwyzer Polizei: «Im Mittelpunkt stehen die Prävention, die Aufklärung und die Förderung der Verkehrssicherheit.»

Am Informationsstand erhalten Interessierte von Fachpersonen der Kantonspolizei und der TCS Sektion Schwyz praktische Tipps zum sicheren Beladen von Freizeitfahrzeugen, zur optimalen Gewichtsverteilung sowie zu Möglichkeiten der Gewichtsreduktion. Zudem besteht die Gelegenheit, Fragen rund um das sichere Reisen mit Wohnmobilen und Wohnwagen zu stellen.

Die Veranstaltungen finden wie folgt statt:

Samstag, 27. Juni, 10 - 14 Uhr, Gätzlistrasse 20, Werkhof A4, Ingenbohl
Sonntag, 28. Juni, 10 - 14 Uhr, Gwattstrasse 3, Verkehrsamt, Pfäffikon

Fahrtipps vom Experten

Wenn ein Wohnmobil nahe am zulässigen Gesamtgewicht oder grenzwertig stark beladen ist, verändert sich das Fahrverhalten des Fahrzeugs drastisch. Um in einer solchen Situation sicher ans Ziel zu kommen, müssen das veränderte physikalische Verhalten des Fahrzeugs berücksichtigt und die Fahrweise entsprechend angepasst werden.

Der wichtigste Faktor ist die Verteilung der Ladung im Fahrzeug selbst. Schwere Gegenstände wie Konserven, Werkzeug oder Getränkekisten gehören unbedingt nach ganz unten, idealerweise in die Staufächer direkt über oder knapp vor den Achsen. Dadurch bleibt der Schwerpunkt des Wohnmobils so niedrig wie möglich. Werden schwere Dinge in den oberen Hängeschränken verstaut, wandert der Schwerpunkt nach oben, was das Fahrzeug in Kurven oder bei plötzlichen Ausweichmanövern extrem instabil macht und das Risiko des Kippens drastisch erhöht. Zudem muss die Ladung absolut rutschfest gesichert sein, da sich verschiebendes Gewicht in einer Kurve die Fliehkraft schlagartig verstärkt. vor der Abfahrt sollte zudem der Reifendruck kontrolliert und auf den für die Maximallast empfohlenen Höchstwert angepasst werden, da zu geringer Druck bei hoher Last zum Reifenplatzer führen kann.

Auf der Strasse erfordert das hohe Gewicht eine deutlich vorausschauendere Fahrweise. Der Bremsweg verlängert sich durch die grössere Masse erheblich. Der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug muss deshalb spürbar grösser gewählt werden als gewohnt. Auch die Beschleunigung und das Überholvermögen sind stark eingeschränkt, was besonders beim Einfahren auf die Autobahn oder beim Überholen auf Landstrassen einkalkuliert werden muss. In Kurven schiebt das schwere Fahrzeug deutlich stärker nach aussen. Das Tempo muss daher bereits vor der Kurve weggenommen werden, da abruptes Bremsen in der Kurve das Wohnmobil ins Schleudern bringen kann.

Besondere Vorsicht ist bei Bergfahrten und Gefällen geboten. Bergauf wird der Motor stark beansprucht, weshalb die Temperaturanzeige im Auge behalten werden sollte. Bei der Talfahrt wiederum droht die Bremsanlage durch das hohe Gewicht extrem schnell zu überhitzen, was zum gefürchteten Bremsfading, also dem Nachlassen der Bremswirkung, führen kann. Hier gilt die Grundregel, im gleichen niedrigen Gang den Berg hinunterzufahren, in dem man auch hinaufgefahren wäre, um die Motorbremse maximal zu nutzen. Die Fussbremse sollte nur kurz und kräftig eingesetzt werden, um das Tempo anzupassen, anstatt permanent leicht auf dem Bremspedal zu stehen.

Zudem muss die erhöhte Seitenwindempfindlichkeit beachtet werden. Schwere Wohnmobile bieten aufgrund ihrer Bauhöhe ohnehin viel Angriffsfläche, doch bei voller Beladung reagiert das Fahrwerk noch träger auf Windstösse.

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