«Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne», mit diesen Worten begrüsste Peter Dürrenmatt die Festgottesdienstbesucherinnen und -besucher. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz gefüllt.
«Unsere Kirche, das ist unser Zentrum», betonte Peter Dürrenmatt. «Sie besteht aus Stein, Holz und Glas – schön, solide und stark, aber eben auch kalt und starr. Um dieses Gotteshaus zu beleben, ist die Kirchgemeinde gefordert. Alle miteinander bilden diese Kirchgemeinde – und mittendrin, im Zentrum, die frisch gewählte Pfarrerin Carina Meier.» Sie freue sich auf die Unterstützung der Gemeinde, um diese Mauern mit Leben zu füllen.
In einer feierlichen Zeremonie setzte Pfarrer Klaus Henning Müller, reformierter Pfarrer aus der Kirchgemeinde Höfe, die neue Pfarrerin offiziell in ihr Amt ein. Als gewählte Pfarrerin liegt ihr das Wohlergehen der Kinder, Jugendlichen und Betagten sehr am Herzen.
Hanspeter Kempf, Präsident der Kirchgemeinde Höfe, überbrachte Gratulationen aus der Nachbargemeinde und anerkannte ihre spürbare Leidenschaft für die Seelsorge. «Mit ihrer Offenheit, dem Fachwissen und ihrer Herzlichkeit bringt Carina Meier Eigenschaften mit, die in der heutigen Zeit besonders wertvoll sind.» Zu Gesängen des Chors Peppervoices verliess die Kirchgemeinde das Gotteshaus, um im Kirchgemeindehaus den Apéro zu geniessen.
125 Jahre reformierte Kirche
Am Morgen war die historische Wahl der ersten Pfarrerin, und am Nachmittag des ersten Advents wurde der 125. Geburtstag der reformierten Kirche in Oberarth gefeiert. Es ist erstaunlich, in wie kurzer Zeit diese Kirche erbaut worden ist, ohne Baumaschinen und mit viel Handarbeit. Der Bau begann 1899, die Kirche wurde bereits nach einem Jahr eingeweiht. Sie steht auf einer Felspartie und ist schon von Weitem sichtbar. Das Gebäude ist bewusst schlicht gehalten – typisch für die reformierten Gotteshäuser, die auf Prunk verzichten und sich stattdessen auf das Wort und die Gemeinschaft konzentrieren. Neben der Kirche ist eine Libanon-Zeder gepflanzt worden, die bis heute als lebendiges Zeichen der Gründungsgeschichte gilt.
Im Jahr 1900 war dies ein Wagnis. Den reformierten Glauben so sichtbar zu zeigen, als Minderheit, ohne genügende Finanzierung, zeugt von grossem Enthusiasmus und Ehrgeiz.
Ein Geschenk für das Gotteshaus
Nach dem Geburtstagsessen und den Gratulationen fragte Peter Dürrenmatt: «Was fehlt noch?» Ein Geschenk, aber was schenkt man einer Kirche? Eine Badelotion, einen Gutschein oder vielleicht einen Ausflug? «Wir schenken dem Gebäude etwas Zartes und Filigranes, mit vielen Facetten, kleidsam und festlich soll es sein.» Er bat Barbara Wälchli, Textilkünstlerin, Gestalterin und Macherin des Geschenks, das Geheimnis zu lüften. Im April des letzten Jahres wurde Barbara Wälchli angefragt, eine Decke zu sticken. Der Zeitrahmen war mit acht Monaten sehr sportlich. Das Thema für die Stickereien war für die Künstlerin aber schnell klar. «Der Sonnengesang», ein poetisches Loblied auf die Schöpfung von Franz von Assisi. Frei begann sie zu sticken, ohne Zeichnung, denn Barbara Wälchli wusste, was sie wollte. Nur dank vielen helfenden Händen wurde die Decke in mehr als 800 Stunden zum Geburtstagsfest fertig. Die Stickereien zeigen Mutter Erde, Bruder Sonne und einen Lebensbaum. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tuchs sind Schwester Mond und 24 kleine versteckte Stickarbeiten, von jeder Stickerin eine Botschaft. Ein Meisterwerk erster Güte. Die Decke, welche nun beim Taufstein zu liegen kommt, wird uns alle immer wieder erfreuen.




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