Am Südhang des Urmibergs sitzt, auf einem kleinen Plateau, ein von Weitem sichtbares, frisch restauriertes Schwyzer Bauernhaus, das Lützli. Es beherbergte bis vor wenigen Jahren ein Seebner Dorforiginal und war früher Startgelände eines Skirennens.
Der Flurname Lützli besteht aus zwei Teilen: dem Bestimmungswort Lütz- und der Endung -li. Zugrunde liegt das mittelhochdeutsche Wort lützel , das «klein, schmächtig, gering, schwach, armselig, ärmlich» bedeutet. Gemäss Baselbieter Namenbuch ist das Wort seit dem 16. Jahrhundert veraltet und kommt heute nur noch in Namen vor. Mit lützel wird also eine vergleichsweise kleine Flur oder in unserem Fall ein kleiner Hof bezeichnet.
Das «Schwyzer Namenbuch» gibt als erste Erwähnung eine Passage im Landbuch des Bezirkes Schwyz aus dem Jahr 1504 an: «Wernÿ Güpfer jm Lützlÿ». Es ist ein Beleg aus ebenjener Zeit, als das Wort lützel bereits aus dem Wortschatz verschwand. Es muss wohl ein sehr kleiner Hof gewesen sein, denn die Endung -li ist eine Verkleinerungsform – für ein notabene schon als klein bezeichnetes Grundstück.
Der letzte Bewohner des Lützli vor der Restauration war der Lützli-Wisel. Alois Inderbitzin, wie er richtig hiess, ging gerne unter die Leute in Seewen. Und die Seebner gingen zu ihm. Als die Familie noch komplett war – der ledige Lützli-Wisel hatte zwei ebenfalls ledige Brüder und eine früh verwitwete Mutter –, gab es an manchen Sonntagen auch noch die eine oder andere spontane Stubete im Lützli. Der alteingesessene Schwyzer Familienname Inderbitzin ist übrigens ein zusammengeschobener Satzname: in der Bitzi. Eine Bitzi ist ein eingezäuntes Stück Land. Diese Einzäunung kann verschiedene Gründe haben, für das Vieh beispielsweise oder zum Kultivieren.
Das Lützli war auch Startpunkt für das Seebner Schülerskirennen, das sogenannte Lützli-Rennen, das bis 1981 am Urmiberg stattfand und vom lokalen Turnverein organisiert wurde. Die kurze Strecke führte vom Bauernhaus über die zu querende Urmibergstrasse hinunter zum Ziel beim Ostergaden. Der Ostergaden, der wiederum abends als heimlicher Treffpunkt für Seebner Verliebte oder Lausbuben diente, brannte jedoch in jener Zeit bis auf die Grundmauern nieder. Sie sind noch heute sichtbar, als Zeugen aus einer anderen Zeit – die allerdings noch gar nicht so lange her ist.



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