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14. Adventstürchen

«Wir bestaunten immer den grossen Christbaum aus dem eigenen Wald»

Lisbeth Fischlin erzählt von ihren Weihnachten als Kind auf dem Bauernhof in Steinerberg.
Klein Lisbeth mit ihrer Lieblingskuh Vreni auf dem Hof in Steinerberg.
Bild: PD
Lisbeth Fischlin schmökert gerne in alten Familienalben.
Bild: Nicole Auf der Maur

Sie könnte ein dickes und interessantes Buch über ihre 86 Jahre auf dieser Erde schreiben. «Meine Schwiegertochter meinte bereits, dass ich meine Geschichten doch niederschreiben solle. Aber damit fang ich jetzt nicht mehr an», lacht Lisbeth Fischlin-Reichlin.

Heute strickt sie viel, liest gerne interessante Geschichten, geht spazieren und jassen. Auch im Garten ist sie jeweils sehr aktiv. «Ich hab es einfach schön», sagt Fischlin, die mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann jahrelang den Bauernhof im Felderboden in Ingenbohl betrieb. Heute führen ihr Sohn und die Schwiegertochter mit ihrer Familie den Hof. Sie wohnt aber noch stets auf dem Hof in einer eigenen Wohnung. «Ich bin einfach zufrieden, wir haben es so schön.»

«Unsere Mutter war eine Künstlerin»

Lisbeth Fischlin ist in Steinerberg in eher ärmlicheren Verhältnissen mit zwei Schwestern und einem Bruder auf einem kleinen Bauernbetrieb aufgewachsen. Man hatte nicht viel und musste viel anpacken. «Aber wir waren glücklich», sagt sie, «wir hatten so liebe Eltern. Wir waren so eine zufriedene Familie. Das würde ich heute noch manchem gönnen. Ich bin dankbar für alles, was wir hatten.» 

An Weihnachten war es vor allem der Christbaum, an dem sich die Familie erfreute. «Wir hatten eine grosse Stube, darin bestaunten wir jeweils den grossen Christbaum aus dem eigenen Wald», sagt sie. Geschenke gab es für die Kinder auch. «Unsere Mutter war eine Künstlerin. Sie hat uns Geschenke genäht oder gebastelt», sagt Fischlin. Eine Freundin der Mutter habe von ihren Kindern ab und an eine gebrauchte Puppe gebracht, welche die Mutter wieder frisch einkleidete. «Wir haben diese dann miteinander geteilt», sagt sie. Eine Zürcher Familie, die jeweils Ferien auf dem Hof in Steinerberg genoss, brachte der Mutter Kleidung, aus der sie wiederum Handschuhe oder andere Kleidungsstücke nähte. «Sie nähte das, was wir grad brauchten», so Fischlin.

Erinnern kann sie sich auch gut an das Birnenbrot, das während der Weihnachtszeit hergestellt wurde. «Davon durften wir Kinder jeweils ein kleines Stück für uns behalten», lächelt sie.

«Wir feiern auch dieses Jahr bei mir»

Am Heiligabend hat man zuerst den Rosenkranz gebetet, und nachher habe es jeweils Gummelisalat und Schinkli gegeben. «Wir hatten noch keinen Tischgrill oder dergleichen», lächelt sie. Heute feiert Lisbeth Fischlin mit ihrer Familie. «Ich bin einfach mit der Zeit mitgegangen, ich müsste heute noch nicht gross Weihnachten feiern, aber es ist halt heute so», sagt sie. «Ich bin seit 60 Jahren auf diesem Hof im Felderboden zu Hause. Seither sind an Heiligabend alle bei mir eingeladen. Dieses Jahr haben sich auch wieder zehn Personen angemeldet.» Lisbeth Fischlin lacht herzhaft. Man sieht ihr an, wie sie sich über ihre Familie freut. Denn eines wird einem klar, wenn man mit ihr spricht: Nichts ist ihr wichtiger als eine glückliche, zufriedene Familie.   

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