Oberiberg

Kapo Schwyz schnappt jungen Autodieb in flagranti

Gleich zwei Fahrzeuge hat ein Teenager aus Westafrika in Oberiberg geklaut. Die Polizei konnte ihn nach einer kurzen Verfolgung stoppen.

In der Nacht auf Montag meldete eine Person um 3 Uhr der Polizei, dass soeben ihr Fahrzeug an der Tschalunstrasse in Oberiberg von einem Unbekannten durchsucht und anschliessend entwendet worden sei. Weiter heisst es in einer Mitteilung der Kapo Schwyz: «Der tatverdächtige Mann verliess kurz darauf das entwendete Fahrzeug und ergriff zu Fuss die Flucht.» Der aufgebotenen Patrouille fiel anschliessend ein anderes Auto auf, das in Oberiberg ohne Licht unterwegs war. Der PW konnte nach kurzer Verfolgung gestoppt und ein 19-jähriger Mann aus Guinea festgenommen werden.

Der Mann steht im Verdacht, unter anderem zwei Fahrzeuge entwendet und ohne gültigen Führerausweis gelenkt zu haben. Die Kapo  Schwyz hat in Zusammenarbeit mit der kantonalen Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Es wird unter anderem geprüft, ob der Beschuldigte für weitere Delikte verantwortlich ist.

Dörfer in den Bergen verbindet man instinktiv mit einer hohen sozialen Kontrolle, Sicherheit und wenig Kriminalität. Bei genauerer Betrachtung aus polizeilicher und kriminologischer Sicht zeigt sich jedoch, dass scheinbar abgelegene Orte für Autodiebe ganz spezifische Bedingungen bieten, die für eine Tat ausgenutzt werden.

Ein wesentlicher Faktor ist der Überraschungseffekt und das oft ausgeprägte Sicherheitsgefühl der lokalen Bevölkerung. In ländlichen Regionen oder Bergdörfern herrscht ein grosses Grundvertrauen. Das führt nicht selten dazu, dass Fahrzeuge auf privaten Vorplätzen, in Carports oder vor Hotels unverschlossen stehen gelassen werden, teilweise liegt der Schlüssel sogar im Fahrzeug oder im unverschlossenen Hauseingang. Für Diebe, die gezielt nach Gelegenheiten suchen, ist das Risiko des Entdecktwerdens beim eigentlichen Diebstahl hier minimal, da die Hemmschwelle und die Vorsichtsmassnahmen der Besitzer oft niedriger sind als in städtischen Agglomerationen.

Dazu kommt die Anonymität durch den Tourismus. Oberiberg ist ein bekannter Ferien- und Ausflugsort, an dem sich im Sommer wie im Winter viele auswärtige Personen, Hotelgäste und Tagestouristen bewegen. Eine fremde Person fällt im Strassenbild oder auf den Parkplätzen daher weitaus weniger auf als in einem reinen Wohndorf ohne touristischen Verkehr.

Ein weiterer Aspekt ist die geografische Lage für die anschliessende Flucht. Oberiberg mag weit weg von den grossen Zentren wirken, ist aber verkehrstechnisch strategisch nicht ungünstig gelegen. Über die Iberegg gelangt man rasch in den Talkessel von Schwyz und von dort auf die Autobahn A8 beziehungsweise A2. Alternativ führt der Weg über Unteriberg und das Sihltal schnell Richtung Einsiedeln, den Seedamm und die Autobahn A3, was eine rasche Flucht in verschiedene Himmelsrichtungen ermöglicht, bevor der Diebstahl überhaupt bemerkt wird.

Die Nationalität oder Herkunft eines Täters spielt bei der Wahl des Tatorts in den meisten Fällen eine untergeordnete Rolle. Viel entscheidender ist das kriminelle Muster, dem die Tat folgt. Handelt es sich um ein Mitglied einer international organisierten Bande, werden Fahrzeuge oft im Vorfeld gezielt ausgespäht, wobei gerade die vermeintlich sicheren Regionen im Hinterland gesucht werden, weil dort der Fahndungsdruck im ersten Moment geringer eingeschätzt wird. Handelt es sich hingegen um einen sogenannten Gelegenheitstäter, der beispielsweise ohne festen Wohnsitz in der Schweiz unterwegs ist, steht oft die Suche nach einem unverschlossenen Transportmittel im Vordergrund, um von A nach B zu gelangen oder Wertsachen aus dem Innenraum zu entwenden, wobei der Tatort zufällig dort liegt, wo sich die Gelegenheit bietet. gh

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