Ibach

Jubel im Talkessel: Die Schmiedgasse ist wieder offen

Da winkt der Rollerfahrer voller Freude. Er war der Allererste, der am Mittwochnachmittag auf der Schmiedgasse vom Center- in den Postkreisel fahren durfte. Ist dies das ersehnte Ende des täglichen Verkehrschaos?

«Isch guet?», fragt der Rollerfahrer schon fast ungläubig, als er am Mittwoch um 16 Uhr die Bauarbeiter am Ibächler Centerkreisel erblickte. Diese hatten soeben die Abschrankungen entfernt. Die Schmiedgasse zwischen Center- und Postplatzkreisel war nun wieder in beide Richtungen befahrbar.

Hier geht die Schmiedgasse auf

Schon bald zeigte sich: Der Umleitungsverkehr auf der Mythencenterstrasse nahm spürbar ab. Ging also am Mittwochnachmittag das Verkehrschaos im Talkessel von Schwyz zu Ende? Noch nicht ganz. In den nächsten Tagen wird es immer wieder zu temporären Sperrungen kommen. Die ewigen Kolonnen in Ibach haben die Automobilisten intensiv beschäftigt. Das hat auch einen psychologischen Hintergrund: Das Phänomen, dass sich fünf Minuten im Stau wie eine Ewigkeit anfühlen, ist tief in der menschlichen Wahrnehmungspsychologie und unserer evolutionären Prägung verankert. Im Auto prallen zwei gegensätzliche Welten aufeinander: Das Versprechen von unbegrenzter Freiheit, Tempo und Kontrolle auf der einen Seite, und die plötzliche, absolute Unbeweglichkeit auf der anderen Seite.

Ein zentraler Grund für die gefühlte Zeitdehnung ist der Verlust von Selbstbestimmung. Autofahren vermittelt normalerweise ein starkes Gefühl von Handlungsmacht, da jede Bewegung des Fusses oder der Hände eine sofortige Reaktion des Fahrzeugs auslöst. Kommt der Verkehr zum Erliegen, wird diese Kontrolle schlagartig entzogen. Der Fahrer wird von einem aktiv Handelnden zu einem passiv Ausgelieferten degradiert. Psychologische Studien zeigen, dass fremdbestimmte Wartezeit subjektiv mindestens doppelt bis dreimal so lang wahrgenommen wird wie selbstbestimmte Zeit.

Hinzu kommt die sogenannte kognitive Leere im Stau. Zeit vergeht im menschlichen Gehirn dann schnell, wenn neue Reize verarbeitet werden und man in einen Handlungsfluss vertieft ist. Im fliessenden Verkehr ist der Fahrer voll mit der Umwelt, dem Spurhalten und dem Tempo beschäftigt. Im Stillstand hingegen bricht diese Reizflut zusammen. Die Aufmerksamkeit richtet sich nicht mehr auf die Fahrt, sondern ausschliesslich auf das Warten selbst. Das Gehirn beobachtet die verstreichenden Sekunden, blickt auf die Uhr, starrt auf die roten Bremslichter des Vordermanns und zählt jeden Meter. Wenn die Zeitmessung selbst zum Inhalt des Bewusstseins wird, dehnt sich jede Minute quälend in die Länge.

Verstärkt wird dieser Effekt durch eine psychologische Asymmetrie bei der Bewertung von Zeitverlusten. Menschen reagieren auf Verluste emotional deutlich stärker als auf Gewinne. Fünf Minuten, die man früher am Ziel ankommt, fallen kaum auf und werden sofort als selbstverständlich abgehakt. Fünf Minuten, die einem durch ein unvorhergesehenes Hindernis geraubt werden, registriert die Psyche hingegen als schmerzhaften Diebstahl von Lebenszeit, die für Arbeit, Familie oder Freizeit verplant war.

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