Ich sitze in meinem Denkraum auf vier Rädern und fahre durch den abendlichen Stau durch Schwyz. Baustellen draussen und drinnen, sogar das Mythen Center wird umgebaut.
Über zehn Jahre wurde an den Projekten Bushof/Hofmatt gearbeitet, endlich passiert etwas. Die Hofmatt, bisher bekannt als Asphaltwüste mit gelegentlicher Funktion, soll zur wirklichen Begegnungszone mutieren. Mehr Bäume, ein Wasserspiel, eine Bocciabahn – ein bisschen mediterrane Piazza-Verhältnisse. Mehr Grün, dafür steht (noch) der stille Rebell – der grosse Nussbaum neben dem Meinrad-Inglin-Brunnen. Er selber kommt zwar weg, seine DNA soll aber in Form von neu gezüchteten Bäumchen auf der Hofmatt für hoffentlich mindestens 150 Jahre weiterleben.
Ein Elisabeth-Blunschy-Bänkli für die Hofmatt? Letzten Herbst gab es eine Premiere bei der Mitgestaltung für Schwyzerinnen und Schwyzer, die erste digitale Landsgemeinde. Über 1000 Einwohnende haben Ideen geliefert. Nun läuft Phase 2 der Onlinebefragung. Bei der Hofmatt hätte ich noch eine konkrete Idee gehabt: ein Elisabeth-Blunschy-Bänkli, oder ist hier das Mitreden bereits gelaufen?
Demokratie per Mausklick, aber wünschbar ist nicht immer machbar. Werden wir digital wirklich gehört? Oder braucht es erneut Diskussionen zu einem Gemeindeparlament? Schliesslich hat Schwyz mit 16’500 mehr Einwohnende als die Luzerner Gemeinden Ebikon oder Horw, und diese haben bereits ein Gemeindeparlament (Einwohnerrat).
Laut der digitalen Landsgemeinde gibt es viele Ideen für das ehemalige AHV-Gebäude, das «Wysse Rössli» oder das «Haug»: ein generationenübergreifendes Zentrum, bezahlbarer Wohnraum oder öffentliche Grünflächen beim AHV-Gebäude und kulturelle und gewerbliche Wiederbelebung beim «Wysse Rössli» und beim «Haug». Immerhin feiern die neuen Pächter des «Wysse Rössli» Anfang Mai ihren Tag der offenen Tür.
Diskussionen über die Gestaltung des Hauptplatzes gehören zu Schwyz beinahe wie der Bundesbrief: Viele «Uswärtige» rühmen die Umgebung des Platzes. «Warum aber diese Parkplätze und der Durchgangsverkehr?», fragen sie. Den autofreien Hauptplatz hätten wir schon oft geübt, zum Beispiel während der Fasnacht, des Japanesenspiels oder beim Priis-Chlepfä.
Man nehme die bald mediterran anmutende Hofmatt und schaue ein bisschen weiter südlich. Da hat es Altdorf vorgemacht, aus dem Dorfkern hat die Gemeinde eine Begegnungszone mit Tempo 20 gemacht. Gut, sie hatten ein Umfahrungskonzept fürs Dorf mit der WOV, der neuen West-Ost-Umfahrung – wir haben keine solche in Planung, dafür Parkplätze als Kulturgut, kommt einer weg, ist der kleine Volksaufstand nicht weit. «Vorerst ist aber mal gut mit der Temporeduktion», meinen die Kritisierenden. Schliesslich haben sich rund um den Hauptplatz bereits überall Tempo-30-Zonen eingeschlichen. Passt also.
Das zentrale Herz des Dorfkerns gehört nicht dem Dorf: Was an der Hauptplatz-Planung spannend ist, das Dorfzentrum gehört nicht der Gemeinde. Der Platz gehört dem Bezirk Schwyz. Bei der digitalen Landsgemeinde Phase 2 hat sich darum der Bezirk gemeldet. Er möchte Fragen zum Hauptplatz ausklammern. Man plane selbst, und sei im Austausch mit Gemeinde und Kanton. Die Bevölkerung werde im Frühjahr vertieft einbezogen. Also jetzt? Zum Bezirk eine Einschubfrage, was mich «Uswärtige» immer wieder fragen: «Warum habt ihr Bezirke, was ist deren Aufgabe?» «Und wenn sie Aufgaben für ‹ihre› zugeordneten Gemeinden übernehmen, was ist dann mit Gersau als Gemeinde beziehungsweise Bezirk?» Gute Frage. Nächste Frage.
Ich bin übrigens keine Gegnerin von motorisiertem Individualverkehr, ich fahre selber ziemlich viel Auto, leider. Manchmal fahre ich sogar zur Joggingstrecke. Genau deshalb frage ich mich: Wohin mit all den Autos, wenn wir es ernst meinen mit der neuen Aufenthaltsqualität? Ich weiss, ich würde mich auch nerven, wenn ich mit dem Auto nicht mehr durchkomme, wo ich jahrzehntelang durchgefahren bin. In einem «Bote»-Artikel meinte kürzlich der Tiefbauchef der Gemeinde Schwyz zur grossen Bushof-Baustelle: «Es geht immer drei bis vier Tage, bis sich ein neues Verkehrsregime eingespielt hat.» […] Wichtig sei, dass man nicht schon am ersten Tag die Nerven verliere.

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