Aus noch ungeklärten Gründen verlor der Pilot kurz nach dem Abheben die Kontrolle über seinen Gleitschirm und stürzte zu Boden. Der Mann zog sich dabei laut einer Mitteilung der Kantonspolizei Schwyz erhebliche Verletzungen zu. Nach der Erstversorgung wurde der Schweizer mit einem Rettungshelikopter in eine ausserkantonale Klinik geflogen. Die genauen Umstände des Unfalls werden derzeit untersucht.
Der Start ist beim Gleitschirmfliegen tatsächlich ein besonders kritischer und unfallträchtiger Moment, wie der bedauerliche Vorfall auf der Fotenfluh zeigt. Statistiken und die Erfahrung von Piloten bestätigen immer wieder, dass ein erheblicher Teil der Zwischenfälle und Unfälle in diesem Sport während der Startphase oder unmittelbar danach auftritt.
Die Gründe dafür sind vielfältig und komplex. Zunächst erfordert der Start eine äusserst präzise Koordination zwischen dem Piloten, dem Gleitschirm und den vorherrschenden Wetterbedingungen. Der Schirm muss exakt aufgezogen werden, damit er sich über dem Piloten stabilisiert und die volle Fläche entfaltet. Anschliessend muss der Pilot im richtigen Moment beschleunigen, um die notwendige Abhebegeschwindigkeit zu erreichen. Schon kleinste Fehler in dieser Abfolge – sei es eine ungleichmässige Leinenführung, ein zu zögerliches oder zu abruptes Anlaufen oder eine falsche Körperhaltung – können dazu führen, dass der Schirm nicht sauber in die Flugposition kommt oder gar einklappt.
Ein weiterer entscheidender Faktor sind die Windverhältnisse. Wind ist für Gleitschirmpiloten Fluch und Segen zugleich. Zu wenig Wind erschwert das Aufziehen des Schirms und das Abheben, da der nötige Staudruck fehlt. Zu starker oder böiger Wind hingegen kann den Schirm unkontrollierbar machen, ihn seitlich versetzen oder zu unerwarteten Einklappern führen. Gerade an alpinen Startplätzen wie am Schwyzer Hausberg können lokale Windsysteme, Thermik oder Lee-Effekte (Windabdeckung durch das Gelände) zu unberechenbaren Turbulenzen führen, die den Schirm unmittelbar nach dem Start destabilisieren. Ein plötzlicher Windwechsel oder eine unerwartete Böe kann einen Piloten, der noch keine ausreichende Flughöhe hat, in ernsthafte Schwierigkeiten bringen.
Auch die mentale Verfassung des Piloten spielt eine Rolle. Der Start ist oft mit einer gewissen Anspannung verbunden, insbesondere für weniger erfahrene Piloten oder an anspruchsvollen Startplätzen. Nervosität, Ablenkung oder mangelnde Konzentration können zu Fehlern in der Startroutine führen, die in dieser kritischen Phase kaum zu korrigieren sind. Wenn sich der Pilot noch sehr nah am Boden befindet, bleiben nur wenige Sekunden oder Meter, um auf Probleme wie ein Einklappen oder einen Strömungsabriss zu reagieren. Die geringe Höhe lässt kaum Raum für Gegenmassnahmen, bevor ein Absturz unvermeidlich wird.
Zudem muss die Ausrüstung vor jedem Start akribisch geprüft werden. Nicht korrekt geschlossene Beingurte, verdrehte Leinen oder andere kleine Mängel können in der Startphase fatale Folgen haben. gh

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