Kolumne «Übrigens»

Gfrorni auf dem Froni

Beim herrlichen Anblick des Sonnenuntergangs war es noch warm – danach folgte eine etwas gar kühle Nacht.
Bild: Sandra Limacher

Zu unserem runden Geburtstag haben mein Mann und ich ein besonderes Geschenk erhalten: eine Nacht auf dem Fronalpstock im Zelt mit Abendessen und Frühstück. Wir hatten den Abend schon länger geplant und freuten uns auf die romantische Stimmung.

Die Aussichten waren toll bei diesem heissen Sommer. Einen Tag vorher kam dann doch die grosse Frage: Was muss man alles für eine solche Nacht mitnehmen? Die letzten Zelterfahrungen waren schon länger her, aber gemäss der Pfadipackliste der Kinder sollten neben dem Schlafsack ein Pulli, ein Faserpelz und lange Hosen reichen – dachten wir.

Der Tag fing dann auch super an. Bei wunderschönem Wetter wanderten wir auf den Fronalpstock und genossen auf dem Gipfel einen feinen Apéro. Danach stellten wir das Zelt auf und waren überrascht, dass noch vier weitere Zelte aufgebaut waren, wir waren also nicht die Einzigen mit der romantischen Idee. Nach dem Abendessen genossen wir das Dessert auf der Terrasse und waren fasziniert vom traumhaften Sonnenuntergang – noch schöner, als wir es uns vorgestellt hatten.

Aber so langsam wurde es auch kalt – trotz Pulli und Faserpelzjacke. Uns war schnell klar: Diese Kleider reichen nicht. Wir mussten nicht lange überlegen und schnappten uns die Schafsfelle, die zum Glück in einer Box neben der Restauranttür lagen. Trotz der wärmenden Felle hatten wir uns die romantische Nacht anders vorgestellt: Der Schlafsack war eng, es war kalt, es windete und pfiff ums Zelt.

Zum Glück war eine Matte im Angebot inbegriffen, sonst hätten wir auch noch jeden Stein gespürt. Ja, wir sind nicht mehr zwanzig. Nach einigen Stunden im Halbschlaf öffnete ich ganz wenig den Reissverschluss, sodass ich trotz Kälte den Himmel sehen konnte, und sah tatsächlich eine Sternschnuppe. Mein Wunsch in dieser Nacht war klar: Nächstes Mal nehmen wir lieber ein Zimmer.

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