Das Fruttli dürfte den meisten als eine der Haltestellen der Rigibahn bekannt sein, aber es gibt noch eine Handvoll weiterer solcher Flurnamen im alpinen Teil der Zentralschweiz. Ihr sprachlicher Ursprung liegt weit weg im Süden.
Wer mit dem Rigibähnli von Goldau hochfährt, befindet sich schon bald nach dem Chräbel in einer felsigen Schlucht, die von der Rigiaa geformt und ausgewaschen wurde. Dort, wo der Blick aus dem Bähnli in furchterregende Tiefen fällt, wurde die Haltestelle Fruttli angelegt und nach ihrer Flur benannt. Sie befindet sich auf derselben Höhe wie der alte Gotthard-Eisenbahntunnel, nämlich auf zirka 1150 Metern über Meer – was mit etwas Stolz noch immer auf einer Tafel am Stationsgebäude vermerkt ist.
Die Rigibahn stammt wie die Gotthardbahn aus der sogenannten Gründerzeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Waghalsige Projekte wurden mit immensen Risiken und Verlusten umgesetzt – eine Infrastruktur, die bis heute wie Schlagadern des europaquerenden Verkehrsnetzes oder des Tourismus pulsiert. Die Rigibahn wurde von Vitznau aus 1871 und von Goldau bzw. Arth aus im Jahr 1875 eröffnet. Der Gotthard-Eisenbahntunnel konnte im Juni 1882 in Betrieb genommen werden.
Es muss zu dieser Zeit ganz schön etwas los gewesen sein in Innerschwyz, wo man sich dieser Sogwirkung von Mut und Innovation trotz voralpiner Lage nicht entziehen konnte. Dass die Region schon immer interessant für Besiedlung und Bewirtschaftung war, unterstreichen auch die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen, welche für die Region bereits frühe, prähistorische Siedlungen bezeugen.
Aus dieser Perspektive ist es nicht verwunderlich, dass der Flurname Fruttli auf ein vordeutsches Wort zurückgeführt werden kann. Das «Schwyzer Namenbuch» nimmt das Wort Frutt als Ausgangspunkt, das Fruttli ist die Verkleinerungsform. Es kann auf lombardisch froda, fruda für «Wildbach» zurückgeführt werden. Zu erwähnen ist auch das gallische fruta für «Bach» oder das bretonische froud, das ebenfalls «Wildbach» bedeutet.
Solche Reliktworte finden sich sehr häufig in Innerschwyz und sind ein Hinweis auf die Zugehörigkeit der Region und ihrer Bevölkerung zur römischen Provinz Maxima Sequanorum mit Hauptstadt Besançon um die Zeit von Christi Geburt herum, in der die galloromanische Sprache also auch bei uns gesprochen wurde.


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