Die Beschuldigten schlugen am frühen Montagmorgen eine Scheibe bei einem Garagentor in Seewen ein und verschafften sich Zutritt in einen Garagenbetrieb. «Im Inneren durchsuchten die mutmasslichen Täter sämtliche Räumlichkeiten und entwendeten mit aufgefundenen Fahrzeugschlüssel ein Fahrzeug», teilte die Kantonspolizei Schwyz am Mittwoch mit. Mit dem gestohlenen Auto flüchteten die Täter in zunächst unbekannte Richtung.
Die Schwyzer Polizei weiter: «Dank rasch eingeleiteten Fahndungsmassnahmen und der engen Zusammenarbeit zwischen der Kantonspolizei Schwyz, der Kantonspolizei Jura sowie dem Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG), konnte das entwendete Fahrzeug im Kanton Jura lokalisiert werden.»
Dadurch gelang es den Einsatzkräften noch am gleichen Tag, die beiden Tatverdächtigen im gestohlenen Fahrzeug anzuhalten und festzunehmen. Bei den Beschuldigten handelt es sich um einen 25-jährigen Franzosen und einen 19-jährigen Deutschen. Das gestohlene Fahrzeug konnte sichergestellt werden. Laut dem Schwyzer Polizeisprecher Roman Gisler handelte es sich um ein Fahrzeug im gehobenerem Preissegment.
Nach bisherigen Erkenntnissen besteht der Verdacht, dass die beiden Verhafteten einer kriminellen Organisation angehören, spezialisiert auf den Diebstahl von Luxus-Fahrzeugen. Die Ermittlungen dauern an. Insbesondere wird abgeklärt, ob die Beschuldigten für weitere Einbruch- und Fahrzeugdiebstähle verantwortlich sind. «Die weiteren Ermittlungen der Kantonspolizei Schwyz werden unter der Leitung der zuständigen Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz geführt», so die Kapo in ihrer Mitteilung.
Dass es Autodiebe so eilig haben, die Landesgrenzen zu überqueren, hat mehrere handfeste Gründe. Ein Hauptgrund ist der Zeitfaktor bei der Fahndung. Sobald ein Diebstahl bemerkt und gemeldet wird, lösen die Behörden eine kantonale oder sogar landesweite Suche aus. Da die Schweiz geografisch klein ist, erreichen Diebe in kurzer Zeit das Ausland. Sobald sie die Grenze überquert haben, verlassen sie den direkten Zugriffsbereich der Schweizer Kantonspolizeien. Zwar arbeiten die Behörden international eng zusammen, doch der Informationsaustausch und die Zuständigkeiten über Grenzen hinweg kosten Zeit, die den Tätern einen entscheidenden Vorsprung verschafft.
Zudem nutzen professionelle Banden das Ausland als sicheren Hafen für die Logistik. In Ländern wie Frankreich gibt es etablierte Strukturen der Organisierten Kriminalität, die darauf spezialisiert sind, gestohlene Luxusautos verschwinden zu lassen. Oft werden die Fahrzeuge dort in sogenannten Chop-Shops innerhalb weniger Stunden komplett zerlegt. Die Einzelteile sind auf dem Schwarzmarkt schwerer zurückzuverfolgen als das ganze Auto und lassen sich lukrativ verkaufen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verschleierung der Identität des Fahrzeugs. Im Ausland werden gestohlene Autos oft "geklont". Dabei erhalten sie die Fahrgestellnummer und Papiere eines baugleichen, legalen Fahrzeugs. Mit diesen neuen Identitäten können die Autos entweder im Ausland weiterverkauft oder über grosse Häfen wie Marseille nach Afrika oder Osteuropa verschifft werden. gh

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