Vom 8. bis 18. Oktober 2026 ist der Kanton Schwyz Gastkanton der Olma in St. Gallen. Während die Tiere im Rampenlicht stehen, arbeitet hinter den Kulissen ein minutiös organisierter Stallbetrieb auf Zeit. Kaum jemand kennt diese verborgene Seite der Olma so gut wie Beat von Rickenbach. Der Landwirt und Milchviehzüchter aus Steinerberg hat die Tierschau rund zwei Jahrzehnte mitgeprägt und war bis 2023 während zehn Jahren Stallchef.
Bevor ein Tier in den Ring spazieren darf, ist bereits viel passiert: Von den angemeldeten Tieren erhalten nur die schönsten ein Ticket für die Olma. Zwei Tage vor der Eröffnung reisen die Rinder an; bei der Ankunft begutachtet ein Amtstierarzt jedes einzelne. Vor Ort ist bestens für die Tiere gesorgt – Transport, Unterbringung und Fütterung übernimmt die Olma. Ob das so etwas wie ein Hotel mit Vollpension sei? «Ja, mit Wellness», ergänzt von Rickenbach trocken. Er meint damit das Herausputzen der Tiere vor den Wettbewerben, das besonders gute Futter und die Rundumbetreuung durch die vielen Helferinnen und Helfer.
Frühschicht und Nachtarbeit
Rund 110 Rinder stehen in der Halle, dazu Schafe, Ziegen, Schweine und Geflügel. Für den reibungslosen Betrieb sorgt ein Team von gegen dreissig Personen – und sein Tag beginnt vor dem Morgengrauen. Um fünf Uhr morgens wird gemolken, und bis die Messe um neun Uhr öffnet, muss alles bereitstehen und sauber sein. Auch was nach Feierabend getan werden muss, sieht das Publikum nie: Pferche aufbauen und wieder abbauen, Heu und Stroh nachliefern, Nachtwache schieben. So werden aus einem Messetag schnell fünfzehn, sechzehn Stunden Arbeit.
Die grösste Herausforderung waren für von Rickenbach nie die Tiere. «Entscheidend ist vor allem das Menschliche – und wenn die Führung stimmt, läuft alles», sagt er. Das Stallteam lebt fünfzehn Tage lang rund um die Uhr zusammen und übernachtet in einem Massenlager, während draussen Messe und Partys locken; da wird es schon mal spät. Seine wichtigste Aufgabe sei deshalb gewesen, das Team zusammenzuhalten und keine Grüppchenbildung aufkommen zu lassen. Er habe Erfahrene mit Neulingen und Menschen aus verschiedenen Regionen bewusst gemischt: «Die Alten nehmen die Jungen unter die Fittiche», sagt er. Viele Helferinnen und Helfer nehmen für die Zeit an der Messe unbezahlten Urlaub oder geben ihre Ferientage dran. Die Olma übernimmt Lohn, Versicherung und Verpflegung.
Vom Zelt zur tiergerechten Halle
Verändert hat sich über die Jahre viel, und zwar durchaus zum Guten. Während die Tiere anfangs in einem Aussenzelt logierten, werden sie heute in einer Halle untergebracht, die konsequent aufs Tierwohl ausgerichtet ist und viele Vorteile bringt: bessere Belüftung, mehr frische Luft, ein optimierter Fütterungsbereich. Das habe sich bewährt. Die Tiere blieben gesünder, die Tierarztkosten sanken. Stress durch die Ausstellung sei ihm ohnehin nie aufgefallen; nervös würden die Tiere vor allem dann, wenn ihre Besitzer es seien. «Wie der Eigentümer ist, das überträgt sich extrem auf das Tier», sagt von Rickenbach, und bei manchen Tieren hatte er sogar das Gefühl, dass sie den Trubel genossen hätten: «Die schätzten die zusätzliche Aufmerksamkeit.»
Und wann ist eine Olma für ihn gelungen? «Wenn am Montagabend alles aufgeräumt ist, niemand zu Schaden gekommen ist und alle Tiere wieder gut zu Hause angekommen sind», sagt von Rickenbach. Auch 2026 wird er an der Messe anzutreffen sein, mit weniger Verantwortung als früher, aber umso neugieriger, wie sich seine Heimat als Gastkanton präsentieren wird. (zvg)

Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.