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Stadt Region Luzern

Dieser 25-Jährige will am Sonntag von Flüelen nach Luzern schwimmen

Noam Yaron plant einen Rekord: innert 15 Tagen 200 Kilometer zu schwimmen. Am Sonntag ist der Vierwaldstättersee an der Reihe. Yaron will ihn in seiner gesamten Länge durchqueren.
35 Kilometer: Noam Yaron will den Vierwaldstättersee durchschwimmen. (Bild: Timon Bachmann)

Veronika Rojek-Wöckner

Am 21. August startete Noam Yaron seine «Odyssee»: Um 6.23 Uhr sprang er in Porlezza in den Luganersee. 11,5 Stunden und 35 Kilometer später stieg er in Agno wieder aus dem Wasser. Wenige Tage später durchquerte er den Zürich- und Bodensee in Längsrichtung – und am nächsten Sonntag kommt der Vierwaldstättersee an die Reihe. Der 25-jährige Waadtländer, der 2015 Schweizer Juniorenmeister im 3000-Meter-Schwimmen wurde, will mit seiner Fünf-Seen-Tour für Gewässerverschmutzung sensibilisieren. Dabei geht es auch um einen Rekordversuch: Er will in weniger als 15 Tagen knapp 200 Kilometer durch Schweizer Seen schwimmen. Den Abschluss macht nächste Woche der Neuenburgersee.

Ihr Projekt heisst «Odyssée des Lacs» (Odyssee der Seen). Was motiviert Sie, grosse Schweizer Seen schwimmend zu durchqueren?Noam Yaron: Letztes Jahr habe ich den Genfersee durchquert. Wegen Covid hatte ich davor keine Möglichkeit, in einem Schwimmbad zu trainieren. Da blieb mir im Winter nur das 6 Grad kalte Wasser im See. Dabei entdeckte ich: Der See war voller Abfall. Nach Gesprächen mit dem Wasserforschungsinstitut der ETH fand ich heraus, dass Unmengen an Mikroplastik und Chemikalien die Schweizer Gewässer belasten. Ich möchte mit meinem Projekt erreichen, dass der Zustand der Gewässer mehr Aufmerksamkeit bekommt.Am Sonntag steht der Vierwaldstättersee auf dem Programm. Was ist genau geplant?Auf den Vierwaldstättersee freue ich mich am meisten. Ich werde am Sonntagmorgen in Flüelen starten und zehn bis zwölf Stunden später in Luzern ankommen. Die Strecke beträgt 35 Kilometer. Ich bin beim Training bereits 26 Kilometer von Flüelen zum Bürgenstock geschwommen und habe mich dabei fantastisch gefühlt. Das Panorama ist wunderschön, wobei Wind und Wetter etwas anspruchsvoller sein könnten.Den Auftakt machten Sie mit dem Luganersee, den Sie möglicherweise als Erster überhaupt in seiner Länge durchquert haben. Wie ist es gelaufen?Ehrlich gesagt, gar nicht gut. Ich hatte nach Covid ziemliche Probleme mit Schmerzen in der Brust, für die es keine richtige Diagnose gab. Beim Schwimmen kam dann plötzlich eine Angst vor der Tiefe, ich bekam Panikattacken. Ich war vielleicht einfach von der intensiven Vorbereitung übermüdet.Wie sind Sie mit dieser Situation umgegangen? Ich habe spezielle Atemtechniken angewendet, die das Zwerchfell entspannen. Für mich war in jedem Moment aber am wichtigsten, dass ich einfach weiterschwimme und dabei die Freude nicht verliere. Fakt jedoch ist, dass man für sehr lange Zeit auf sich allein gestellt ist – und diesmal war es echt eine Tortur. Ich musste viel mehr Pausen machen als geplant, aber am Ende habe ich es glücklicherweise geschafft.Ist der Druck auch wegen des Rekordversuchs besonders gross?Klar, reizt es mich, Rekorde zu brechen. Aber in erster Linie will ich es schaffen, die Seen zu durchqueren, und dann schauen wir mal, wie schnell ich war.Sie haben ein Team, das Sie während der «Odyssee» begleitet. Was ist dessen Aufgabe?Ich habe ein Begleitboot dabei, das mit Hilfe von Solarenergie rein elektrisch unterwegs ist. Da ich hinter dem Boot schwimme, ist es wegen der geringen Lautstärke für mich auch viel angenehmer. Für den Notfall haben wir noch ein kleines Kajak dabei.Sie sind bis zu zwölf Stunden im Wasser – wie funktioniert das mit Essen und Trinken?Normalerweise schwimme ich 55 Minuten und mache dann fünf Minuten Pause, in der ich, ohne das Boot zu berühren, im Wasser bleiben muss. Dabei esse ich zum Beispiel Cashewnüsse und Biberli. Kürzlich aber ging es mir so schlecht, da gab es als Nervennahrung Kartoffelsalat.Was sind beim Schwimmen die grössten Gefahren?Hypothermie. Nach zehn Stunden im Wasser ist der Körper selbst im 27 Grad warmen Luganersee ausgelaugt und man friert. Wind oder Wasserströmungen sind auch immer ein Risiko. Bei der Durchquerung des Zürichsees, der sehr schmal ist, ist auch der rege Bootsverkehr ein Problem.Was planen Sie nach Ihrer «Odyssee»?Im Oktober planen wir eine Kampagne, bei der jeder mitmachen kann. Ziel ist es, so viele Zigarettenstummel wie möglich aus dem Wasser der fünf Seen zu fischen. Jeder Teilnehmer macht am Ende ein Foto und wir schätzen dann die Anzahl gesammelter Stummel. Ein aktueller Rekord liegt bei circa 1 Million Zigarettenstummeln. Vielleicht schaffen wir es, auch diesen Rekord zu brechen.

Hinweis: Mehr Informationen zum Projekt: www.odysseedeslacs.ch

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