Mit Ezio Bassi sprach Patrizia Pfister
In der Schweiz ist das Panini-Fieber ausgebrochen, sammeln Sie selber auch?
Ja! Wie fast alle begeisterten Fussballfans war ich bereits als Kind Sammler von Panini-Bildchen. Ich startete im Alter zwischen acht und neun, im Jahr 1982 sammelte ich für mein erstes WM-Album. Im Moment sammelt vor allem meine Tochter. Ich fange erst später mit Einkleben an, wenn das Turnier startet und ich etwas mehr Ruhe habe. Natürlich hatte ich bereits Kontakt mit dem neuen Heft und den Bildchen. Wir testen das Produkt im Vorfeld und schauen, ob alles in Ordnung ist.
Das Gerücht, dass es bei der Vervollständigung des Albums einen Preis gibt, hält sich hartnäckig. Stimmt das?
Nein, schon seit Jahren nicht mehr! Jeder sammelt für sich selber. Der Preis ist, am Schluss das letzte Bild einzukleben.
Die aktuelle Schweizer-Edition ist goldfarben und sorgte, wie ich gehört habe, für allerhand Anfragen aus anderen Ländern erzählen Sie.
Seit mehreren Jahren machen wir immer wieder Sondereditionen, das stimmt. Seit der Lancierung in der Schweiz erhielten wir viele Anfragen aus dem Ausland für das goldene Sammelheft, beispielsweise aus Peru, Brasilien, Mexiko, Deutschland und England. Solche Meldungen gehen dank Social Networking sofort um den Globus. So merkten die Interessierten schnell, dass es die Gold-Ausgabe gibt. Echte Sammler wollen alle verschiedenen Editionen besitzen, nicht nur jene aus dem eigenen Land.
Schicken Sie die goldenen Alben von Wollerau aus in andere Länder?
Nein, die kann man via Online-Shop bestellen. Sie werden dann direkt vom Hauptsitz in Modena verschickt.
Wie sehen die Alben und Sticker im Ausland aus? Gibt es weitere Spezialausführungen?
Es gibt verschiedene Promotionen in diversen Ländern, beispielsweise eine Geschenk-Box oder eine Collector’s-Box. Zum Beispiel in Frankreich sind weisse und blaue Alben erhältlich, oder in Deutschland hat es eine Fahne in der Packung drin …
Gibt es auf der ganzen Welt Panini-Bildchen?
Nicht auf der ganzen Welt, aber fast in ungefähr 120 Ländern. Panini hat 13 Filialen, die anderen Länder werden mittels Importeuren beliefert.
Wie zufrieden sind Sie mit den aktuellen Verkaufszahlen der Panini-Bildchen in der Schweiz?
Sehr, es läuft gut. Die Leute kaufen in grösseren Ländern wie zum Beispiel in Brasilien mit über 200 Millionen Einwohnern insgesamt mehr Bilder, aber punkto Verkauf pro Einwohner ist und bleibt die Schweiz die Nummer 1. Sehr viele Bildchen werden überdies in Deutschland und Grossbritannien verkauft.
Warum kaufen die Schweizer so viele Panini-Bildchen?
Dafür gibt es verschiedene Gründe. Die Schweiz war einer der ersten Exportmärkte der Panini-Gruppe im Jahr 1970, anlässlich der WM. Zudem ist die Schweiz ein Sammlerland: von Briefmarken über Kaffeerahmdeckel und so weiter. Ich denke, dass die Schweizer ihr eigenes Album voll haben wollen und auch noch nach dem letzten Spieler suchen. In anderen Ländern fangen viele an zu sammeln, haben Spass daran, aber hören irgendwann wieder auf, sobald das Heft zu 50 bis 60 Prozent gefüllt ist.
Was wäre wohl, wenn die Schweiz heuer am Turnier nicht dabei wäre? Gäbe es trotzdem einen Ansturm auf die Panini-Bilder?
Erfahrungswerte zeigen, dass die Verkaufszahlen etwa um 50 Prozent einbrechen, wenn die eigene Nationalmannschaft nicht dabei ist. Es gibt aber auch das Gegenteil, beispielsweise im Fall von Peru. Dort sind alle generell verrückt nach Fussball und auch nach unserem Produkt. Den Tag, an dem sich die Peruaner für die WM qualifizierten, wurde vom Präsidenten zu einem offiziellen Feiertag erklärt. Vor wenigen Tagen organisierten wir einen Panini-Event in Lugano, an den viele Peruaner, die in Mailand wohnen, kamen, um sich das Gold-Album zu sichern.
Ist Panini-Bildchen sammeln im «digitalen Zeitalter» noch zeitgemäss?
Ja. Ich glaube, es ist das Wichtigste, dass unser Produkt so bleibt, wie es angefangen hat. Heutzutage geht alles sehr schnell und ist überall verfügbar. Panini-Bildchen sind langsam. Natürlich gab es in den letzten Jahren qualitative Verbesserungen betreffend das Material, aber der Hintergedanke ist und bleibt der gleiche: das Sammeln, das Album und das Einkleben.
Ein Päckli Panini-Bildchen kostet am Kiosk Fr. 1.10, bei anderen Anbietern aber nur 80 Rappen oder noch weniger. Wie ist das überhaupt möglich?
Der Markt ist frei. Wir empfehlen den Kunden den Verkauf zu einem bestimmten Preis, ob sie diesen auch verlangen, ist jedoch deren Sache. Die Bildchen gibt es traditionellerweise am Kiosk. Diese Betriebe leben von der Marge aus dem Verkauf der Bilder und ähnlichen Produkten. Andere, beispielsweise Supermärkte, nutzen die Bildchen vor allem als Werbemittel sie wollen damit keinen Gewinn, sondern Frequenzen generieren und die Kunden dazu animieren, auch andere Produkte bei ihnen zu kaufen. Im Euroraum kostet ein Päckli übrigens 90 Cent, also auch etwas mehr als einen Franken.
Fördert oder hindert dieser Preiskampf den Verkauf?
Am Ende gibt es vor allem attraktive Angebote für alle Käufer. Aber wir haben gemerkt: Die richtigen Sammler kaufen sowieso, auch ohne Spezialangebote. Der Preis der Bildchen hat vor allem Einfluss auf die Einkaufsmethode. Ob man besonders viele an einem Tag kaufen will oder immer wieder ein paar.
Was macht Panini in den Jahren zwischen den Fussball-Welt- und -Europameisterschaften?
Dazwischen fahren wir keineswegs in die Ferien viele andere unserer Produkte sind am Kiosk erhältlich. Wir haben diverse Lizenzen für Alben aus anderen Sportarten oder auch für Disney-Fans, es gibt beispielsweise «Frozen»- oder «Cars»-Alben. Das Angebot variiert je nach Land. Die meisten Leute wissen das nicht.
Wie viele Panini-Angestellte hat es in Wollerau?
Wir sind mit vier Mitarbeitern die kleinste Niederlassung, aber dafür sehr effizient. In Wollerau haben wir kein Lager, die Produktion und Lieferung erfolgt meist direkt. Da wir nur zu viert sind, haben wir in Wollerau auch zu wenig Personal, um viel Kundenservice zu machen. Es gibt aber schon Dinge, die wir in der Schweiz machen, beispielsweise drehten wir kürzlich einen speziellen TV-Spot. Ich bin sehr zufrieden damit.

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