Es ist für Steinen ein mit der Dorfgeschichte verbundenes Haus: die Käserei Annen, die von den Familien Josef und später Sohn Herbert Annen geführt wurde. Man holte im Dorf seine Milch, den Käse, die Bauern kamen in die «Hütte». Diese Ära geht ab dem 2. März definitiv zu Ende. Das Haus weicht einem Neubau mit Wohnungen und einem Atelier.
In einem ersten Schritt erfolgt der kontrollierte Rückbau der alten Substanz. Schwere Maschinen tragen ab Anfang März die Fassade und das Innenleben der ehemaligen Käserei ab. «Es ist immer ein emotionaler Moment, wenn ein Stück Dorfgeschichte verschwindet», kommentiert ein Anwohner das Vorhaben. «Aber die Vorfreude auf das, was kommt, überwiegt.» Die Bauarbeiten nach dem Rückbau werden voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen. Während der Abrissphase kann es kurzzeitig zu Verkehrsbehinderungen an der Dorfstrasse, der Steiner Herrengasse, kommen, wofür die Bauleitung um Verständnis bittet.
Rückversetzung von der Strasse weg
Das Haus wurde in den 1940er-Jahren erweitert und aufgestockt. Es ist allerdings heute an seine Belastungsgrenze gelangt, wie die Bauherrschaft durch die Architekten berechnen liess. Zudem: «Schutzwürdigkeit und Schutzfähigkeit des Gebäudes sind kritisch, und eine Aufnahme ins Schutzinventar ist schwierig zu begründen», hielt die Schwyzer Denkmalpflegerin Monika Twerenbold bereits im November 2021 fest. So soll das neue Gebäude nicht mehr unmittelbar an die Strasse gebaut werden, denn bisher verlief nur ein schmales Trottoir zwischen Strasse und Haus.
Das Haus an der Herrengasse hat eine bewegte Geschichte. Schon 1912 wurde es von Franz Annen-Reichmuth erworben und als Lebensmittelgeschäft und Käserei geführt. Diese Tradition wurde bis vor wenigen Jahren im selben Gebäude fortgeführt, ehe das Lebensmittelgeschäft in die Hofstatt zügelte und die Käserei aus dem Dorfzentrum in die Au verlegt wurde.
Gut ins Dorfbild integriert
Das neue Projekt soll nicht nur architektonisch moderne Akzente setzen, sondern auch funktionalen Mehrwert für die Gemeinde Steinen bieten. Geplant ist eine Überbauung, die verschiedene Bedürfnisse vereint. So entsteht moderner Wohnraum – helle Wohnungen mit zeitgemässen Grundrissen. Daneben wird es auch Gewerbeflächen im Erdgeschoss geben, dort sollen Räumlichkeiten entstehen, die Platz für lokales Gewerbe oder Dienstleister bieten und so den Dorfkern beleben. Und es soll nachhaltig gebaut werden: Der Neubau setzt auf ökologische Energiestandards, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden, wie aus dem Bauvorhaben hervorgeht.
Für die Gemeinde Steinen ist das Bauvorhaben ein wichtiger Schritt in der Ortsplanung. Durch die zentrale Lage des Annen-Areals verspricht man sich eine spürbare Aufwertung der direkten Umgebung. Die Bauherrschaft betont, dass man trotz moderner Architektur darauf geachtet habe, dass sich das Volumen harmonisch in das bestehende Dorfbild einfüge.



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