«Fast alles hier im Haus ist aus naturbelassenem Holz», sagt Aurelio Ledergerber. In der Wohnküche seines grossen Holzhauses in Brunni-Alpthal ist der Boden aus Esche, die Küche sowie das Haus selbst und viele Möbel sind aus Lärche. Auch die Kinderbetten sind selbst geschreinert mit Lärchenholz aus der Klostersägerei Einsiedeln.
Das Haus grenzt direkt an einen Wald, und im Weiher hüpft ab und zu ein Frosch umher. «Im Wald habe ich einen Waldspielplatz für die Kinder gebaut», erzählt der Familienvater. «Ich stehe zwischen vier und fünf Uhr morgens auf.» Dann beginne sein Tag hauptsächlich mit Finanzthemen, bevor er um sieben Uhr seine Kinder wecke. Der in Brasilien geborene und aufgewachsene Holzhandwerker und Finanzberater absolvierte ein Studium in Betriebsökonomie und machte sich im Private Banking selbstständig. Dank seiner Sprachkenntnisse in Portugiesisch und Spanisch ist es ihm möglich, Vermögensverwalter und Banken in Lateinamerika zu beraten.
«Man kann lange planen – aber gebaut wird mit den Händen.»
Ledergerber hat nicht nur eine Passion für Zahlen, sondern auch für Holz: «Im brasilianischen Wohnzimmer hatte mein Vater einige Maschinen und fertigte Möbel.» Sein Vater wie auch seine Mutter seien Mathematiker gewesen und ausgewandert. Als Jugendlicher kam er mit seiner Mutter und drei Geschwistern in die Schweiz zurück. Das Handwerk mit Holz hat er sich grösstenteils selbst beigebracht. Vor der Handelsschule und dem Studium arbeitete er kurze Zeit in einem Messebauunternehmen, wo er lernte, mit den Maschinen umzugehen.
Seit sieben Jahren arbeitet er in seiner hauseigenen Werkstatt mit Holz. Im Frühjahr 2020 war das selbst geplante Haus bald fertig. «Ich kaufte Maschinen und begann, vieles selbst zu schreinern.» Fast alle Möbel sind aus seiner Werkstatt. Er legt grossen Wert auf einheimische Hölzer und bezieht fast alles Holz von einem Landwirtschaftsbetrieb im Dorf. «Nachhaltigkeit ist mir sehr wichtig», sagt der 50-Jährige, der nebst seinen zwei Schulkindern noch zwei erwachsene Kinder aus erster Ehe und ein Grosskind hat.
In seiner Werkstatt liegen Schlitten, die für Gabentempel von bevorstehenden Schwingfesten gedacht sind. Er fertigt aber auch Brunni-Schlitten: einen Schlitten ohne Leim, ohne Lack und ohne Öl, hergestellt aus einheimischer Kernesche aus Brunni-Alpthal. Bekannt sind auch seine Hundeschlitten. Diese sind in der Fertigung zeitintensiver. Auf die Idee gekommen ist er durch seinen Onkel: Er führe dessen Tradition weiter, denn dieser habe schon Hundeschlitten gebaut.
Aurelio Ledergerber legt grossen Wert auf Traditionen. So schreinert er auch gerne «Räfe» (Traggestelle), Grab- und Wegkreuze, repariert Leiterwagen, Hornschlitten und vieles mehr. Kürzlich habe er eine Anfrage aus Frankreich für die Anfertigung eines Hornschlittens für ein Filmprojekt bekommen.
Aurelio Ledergerber beherrscht auch das kunstvolle Ineinanderflechten von Seilenden für seine Brunni-Schlitten: «Das Spleissen habe ich von den Seglern abgeschaut», sagt er lachend. An jeden Schlitten montiert er ein Glöckchen. «So hört man die Kinder kommen.»
Er hat sich vieles selbst beigebracht und ausprobiert, manches verworfen und vieles einfacher gemacht. In seiner Werkstatt entstehen Unikate mit Charakter, gewachsen mit Erfahrung, Geduld und einem feinen Gespür für Ästhetik und Material. Vielleicht ist es genau das, was bleibt: nicht die Idee allein, sondern das, was man daraus macht. «Man kann lange planen – aber gebaut wird mit den Händen.»





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