Hochkonzentriert sitzen 16 Mädchen am Mittwochvormittag vor den Computern im Theresianum Ingenbohl. Das Szenario ist brisant: In der Übung verschaffen sich die Jugendlichen Zugang zu einem fremden Bankkonto und heben mindestens 2000 Franken ab. Nach einigen Anweisungen an den Rechner ploppt bei Teilnehmerin Luna plötzlich eine Erfolgsmeldung auf: «Gratulation – du hast die Bank geknackt!»
Der Kurs zum sogenannten ethischen Hacken ist Teil des Nachwuchsförderprogramms «Swiss TecLadies Camp» der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW). Das nationale Förderprogramm setzt sich dafür ein, dass Frauen in der Schweiz künftig eine zentrale Rolle in Technik und Informatik spielen, erklärt Programm-Managerin Sandra Weidmann gegenüber dem «Boten». Denn einen Mangel an Fachkräften im Bereich Cybersicherheit gibt es weltweit – der Frauenanteil liegt nur bei rund 15 Prozent.
Computer zerlegen und zusammenbauen
Mit dem Programm will die SATW mehr junge Frauen für diese Berufsfelder begeistern und Berührungsängste abbauen. Dafür lädt sie 38 Mädchen aus 13 Kantonen nach Brunnen. «Nach einer Einführung am Montagvormittag ging es am Nachmittag gleich los mit zwei Workshops zur Künstlichen Intelligenz», fasst Weidmann zusammen. Auch die Schattenseiten des Internets werden beleuchtet: Am Dienstag gab eine digitale Forensikerin der Kantonspolizei Zürich Einblicke in ihre Arbeit bei der Bekämpfung von Internetkriminalität. «Das hat mir besonders gut gefallen», sagt Teilnehmerin Seraina.
Im Klassenzimmer gegenüber wird derweil an der Technik geschraubt. Rahel, Corine und Maria zerlegen einen Computer und ein Mobiltelefon in ihre Einzelteile – und setzen sie flugs wieder zusammen. «Zuerst müssen wir das Display entfernen, dann kommt der Akku dran», erklärt Maria. Sie nimmt bereits zum zweiten Mal an dem Programm teil. Der Unterschied zum regulären Unterricht an der Oberstufe sei gross. «Dort lernen wir viel über Word, Excel oder PowerPoint-Präsentationen. So etwas wie hier haben wir aber noch nie gemacht», sagt sie.
«Ich liebe es, den Menschen das Gegenteil zu beweisen.»
Zurück zu den Hackerinnen: Nach dem erfolgreichen Bankraub lernen die Mädchen nun, wie solche Angriffe abgewehrt werden können. Christina Kistler ist Dozentin des Kurses und Co-CEO der Firma Gobugfree. Sie erklärt: «Wir erleben bei diesem Thema häufig Berührungsängste. Dabei gilt: Wer früh lernt, wie Angreifer denken und vorgehen, kann sich deutlich besser vor ihnen schützen.» Ziel der IT-Sicherheitsfirma sei es, das ethische Hacking in der Schweiz als neues Berufsbild zu etablieren.
Die Botschaft kommt bei den Teilnehmerinnen an. «Es sind sehr spannende Berufe, über die man sonst nur wenig erfährt. Darum finde ich es gut, dass wir hier mehr darüber lernen», sagt Elina. Arya fasziniert am Hacking vor allem, dass man sich darin vertiefen und um die Ecke denken könne. Gleichzeitig sei der Beruf noch immer untypisch für Frauen. Sie sagt: «Viele Menschen sagen, dass das ein Männerberuf ist und die Buben das besser verstehen. Ich liebe es, den Menschen das Gegenteil zu beweisen.»







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