Kolumne «Wortörtlich»

Ägerli

In Steinen liegt das Ägerli, das gemäss Schwyzer Namenbuch zwei Höfe umfasst. Sie liegen am ansteigenden Hang gleich neben der Rüti, oberhalb der Bahnlinie Richtung Goldau. Brache oder Baum – das ist hier die Frage.

Um den Flurnamen Ägerli zu deuten, schauen wir zunächst, wo es noch weitere Äger(l)i-Namen in der Schweiz gibt oder ob es Namenverwandte gibt. Naheliegend ist dabei das Zuger Ägerital, das nicht nur sprachlich, sondern auch kulturhistorisch nahe bei der Gemeinde Steinen liegt.

Das Gemeindegebiet von Steinen, der sogenannte Kilchgang von Steinen, reichte im Mittelalter vom Lauerzersee bis zur Letzimauer in Rothenthurm. Die Ägerer und Sattler hatten einen regen wirtschaftlichen und familiären Austausch. Die Bande zu Sattel waren stärker als zu «ihrem» Hauptort Zug. Denn Zug war eine habsburgische Stadt, während Ägeri als eigenes Tal sozusagen zum Kloster Einsiedeln gehörte. Das ist zwar sehr zusammengefasst, trifft aber die Beziehungen im Kern.

Der Zuger Namenforscher Beat Dittli schreibt im Zuger Namenbuch, dass der Name Ägeri aus dem sogenannten Alpinlombardischen kommt und «auf den romanisch-lombardischen Baumnamen agru zurückgeht», agru bedeutet ‹Ahorn›. Es handelt sich also um ein sogenanntes Reliktwort aus dem Romanischen. Unser Ägerli in Steinen kann somit als «kleiner Ahorn» oder «kleiner Hof mit Ahornbestand» gedeutet werden. Ahorn-Namen sind in den alpinen Gebieten sehr verbreitet.

Dass es in unserer Gegend viele romanische Reliktwörter gibt, war in dieser Kolumne schon öfters Thema. Beat Dittli bringt zur Untermauerung seiner Deutung den Vergleich mit dem eindeutig romanischen und bei uns heimischen Flurnamen Frutt. Er schreibt, dass seit früheren Deutungsversuchen inzwischen «deutlich geworden ist, dass es zwischen der oberitalienisch-tessinischen Lombardia einerseits und der Innerschweiz mit den im Osten und Westen angrenzenden Regionen Glarus, Goms und Haslital gewisse namengeografische Bezüge gibt. Paradefall dafür ist der Namentypus Frutt».

Ein Bezug zum mittelhochdeutschen Wort egerde, egerte in der Bedeutung von ‹Brachland› kann aufgrund des fehlenden ‹t› bei unserem Ägerli ausgeschlossen werden.

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