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Muotathal

17-Jähriger gesteht Angriff auf Afghanen

Im November ist im Dorf Muotathal ein Mann aus Afghanistan spitalreif geprügelt worden. Nun hat die Polizei einen Verdächtigen gefasst. Der Jugendliche aus dem Kanton Schwyz ist geständig.
Zur Attacke kam es mitten im Dorf.
Bild: Archivbild Laura Inderbitzin

Am Sonntagmorgen, 16. November, kurz nach Mitternacht, ist auf der Wilstrasse in Muotathal ein 29-jähriger Afghane durch eine vorerst unbekannte Täterschaft unvermittelt geschlagen worden (wir berichteten). Der Fussgänger zog sich dabei Kopfverletzungen zu und musste im Spital operiert werden. Der Mann war auf dem Weg zur Arbeit. Er verfügt über den Ausweis F und ist somit arbeitsberechtigt.

Nach intensiven Ermittlungen ist es der Kantonspolizei Schwyz zwischenzeitlich gelungen, den Tatverdächtigen zu ermitteln. Das teilte die Kapo in einer Medienmitteilung am Montagmorgen mit. Der beschuldigte Schweizer war zur Tatzeit 17 Jahre alt und wohnt im Kanton Schwyz. Er wurde zum Vorgefallenen befragt und ist geständig. Er wird wegen Körperverletzung bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz, 5. Abteilung (Jugendstrafsachen) zur Anzeige gebracht.

Der Schwyzer Polizeisprecher Roman Gisler erklärte auf Anfrage, zu einem möglichen Motiv lägen noch keine Angaben vor. Es gebe auch keine entsprechenden Aussagen des Befragten. Die weiteren Ermittlungen laufen. Gisler bestätigt aber Informationen des «Boten», dass im Zusammenhang mit der Gewalttat auch eine zweite Person namentlich bekannt sei, die zusammen mit dem 17-Jährigen unterwegs war. Sie hatte sich aber laut aktuellem Ermittlungsstand offenbar nicht direkt am Angriff beteiligt.

Der Vorfall in Muotathal spiegelt einen Trend auf nationaler Ebene wieder: In der Schweiz wurden für das Jahr 2024 insgesamt 1211 Fälle von rassistischer Diskriminierung durch das Beratungsnetz für Rassismusopfer dokumentiert, was einen neuen Höchststand darstellt. Von diesen registrierten Vorfällen handelte es sich in 94 Fällen um körperliche Gewalt, wobei in drei Situationen sogar Waffen im Spiel waren. 

Dies verdeutlicht, dass physische Angriffe zwar einen kleineren Teil der Gesamtmeldungen ausmachen, aber dennoch regelmässig vorkommen. Die meisten gemeldeten rassistischen Vorfälle beziehen sich auf verbale Beschimpfungen, Drohungen oder strukturelle Benachteiligungen am Arbeitsplatz, in der Schule und im öffentlichen Raum. Experten betonen regelmässig, dass diese Zahlen nur die Spitze des Eisbergs darstellen, da viele Betroffene aus Scham oder Misstrauen gegenüber Behörden keine Beratungsstelle aufsuchen oder Anzeige erstatten. 

Besonders häufig sind Menschen aufgrund von Ausländerfeindlichkeit oder anti-schwarzem Rassismus von solchen Übergriffen betroffen, wobei 2024 auch ein starker Anstieg bei antimuslimischen Vorfällen verzeichnet wurde. gh

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