Die Zurich hat ein weiteres Rekordjahr hinter sich: 5,8 Milliarden Dollar Reingewinn (+17 Prozent zum Vorjahr), 8,9 Milliarden Dollar Betriebsgewinn (+14 Prozent), eine Eigenkapitalrendite von 24 Prozent – die Aufzählung eindrücklicher Leistungswerte liesse sich fortsetzen. Für die Aktionäre bedeuten sie eine weitere Erhöhung der Dividende um 2 Franken auf 30 Franken pro Aktie.
Cheftrainer dieses Hochleistungsteams mit seinen weltweit rund 63'000 Angestellten ist seit fast genau zehn Jahren Mario Greco. Als der 66-jährige Italiener im März 2016 in die Schweiz zurückkehrte, um sein langgehegtes Ziel, die Position des CEO zu übernehmen, doch noch zu erreichen, befand sich die Zurich in einem einigermassen desolaten Zustand.

Führungsprobleme und eine übervorsichtige Geschäftsstrategie hatten die gute Entwicklung des Konzerns 15 Jahre nach der existentzellen Krise um die Jahrtausendwende jäh abgebremst. Ein bürokratisches System hatte sich breitgemacht und die Rentabilität des Unternehmens arg beeinträchtigt.
Greco erkannte rasch, wie dieser Malaise beizukommen war. Geschäfte, die ein überdurchschnittliches Risiko/Ertrags-Profil versprachen, wurden gefördert, die anderen Aktivitäten zurückgefahren oder eingefroren. Vorangebracht hat Greco insbesondere das Geschäft mit Sach- und Unfallversicherungen für Unternehmen. In dem Marktsegment dominierte einst der US-Konzern AIG. Dessen Niedergang in der Finanzkrise eröffnete Konkurrenten wie der Zurich viel Terrain für Eroberungszüge.
Zwischen 2018 und 2025 hat die Zurich ihre Prämieneinnahmen im Schadengeschäft mit Unternehmen auf über 30 Milliarden Dollar verdoppelt. Demgegenüber stagnierte das weltweite Schadengeschäft mit Privatkunden bei einem Prämienvolumen von rund 19 Milliarden Dollar. Die Risikoexposition gegenüber Naturkatastrophen hat die Zurich durch ein gezieltes Underwriting in risikoärmeren Gebieten sowie mit der Hilfe von Rückversicherungsverträgen so stark reduziert, dass seit 2018 schätzungsweise 1,5 Milliarden Dollar Eigenkapital eingespart werden konnte.
Auch im Leben-Geschäft sucht die Zurich konsequent den Weg des optimalen Kapitaleinsatzes. Zwar ist der Konzern 2022 mit dem Versuch gescheitert, 720’000 geschlossene Lebenpolicen des 2002 im Ringtausch erworbenen Deutschen Herold an den auf die Abwicklung solcher Portfolios spezialisierten Versicherer Viridium zu übertragen. Doch das Ziel verfolgt die Zurich weiter. Sie verspricht sich die Freisetzung von Solvenzkapital, das sich anderweitig mit vielleicht besseren Renditeaussichten investieren liesse.
Mit diesen und anderen Massnahmen und nicht zuletzt mit dem Rückenwind der Börsen- und Finanzmärkte, der allen Versicherern gerade hohe Erträge auf deren grossen riesigen Kapitalanlagen einbringt, ist Greco eine Meisterleistung gelungen. Der Gewinn der Zurich, der im trüben Jahr 2015 auf 1,8 Milliarden Dollar abgeschmolzen war, hat sich nahezu vervierfacht.
Trotz allem zögern die Investoren
Auch im Vergleich zum Ergebnis 2014, das mit 3,9 Milliarden Dollar in etwa die damalige Leistungsstärke des Konzerns repräsentierte, resultierte eine Steigerung von 74 Prozent oder fast 7 Prozent pro Jahr. Und Greco verspricht noch mehr: 9 Prozent Gewinnsteigerung pro Aktie und Jahr lautet seine Vorgabe und niemals soll die Dividende sinken. Im Frühjahr 2016 betrug sie 17 Franken, heuer sollen es 30 Franken werden.
Interessanterweise zeigt die Börse trotz allem wenig Begeisterung. Zwar hat sich der Aktienkurs seit Anfang 2015 auf aktuell 560 Franken nahezu verdoppelt. Aber seit einem Jahr kommen die Papiere nicht mehr vom Fleck. Gewiss, die Zurich-Aktien gelten im Branchenvergleich als teuer, aber möglicherweise zweifeln manche Investoren auch daran, dass sich Grecos Trainingsprogramm für die Zurich noch weiter gross optimieren lässt. Beobachter gehen davon aus, dass Greco seinen Posten zum Ende der laufenden Strategieperiode Ende 2027 räumen wird. Sein Nachfolger wird es nicht einfach haben.



