Umsteigen auf Zugreisen ist unbeliebt. Wenn eine Direktverbindung wegfällt und durch eine mit Umsteigen ersetzt wird, fallen laut den SBB bis zu 20 Prozent der Passagiere weg. «Eine direkte Fahrt ohne Umsteigen ist für die Fahrgäste manchmal wichtiger als die Gesamtreisezeit inklusive Umsteigen», heisst es in einer Studie des Verbands öffentlicher Verkehr.
Für die Attraktivität von Städten ist deshalb die Zahl der Direktverbindungen der Eisenbahn wichtig. Eine neue Auswertung des Beratungsunternehmens Otimon, das auf den öffentlichen Verkehr spezialisiert ist, zeigt nun, welche Bahnhöfe hierzulande die Nase vorne haben. Otimon hat einen Referenztag festgelegt und für Schweizer Bahnhöfe alle Verbindungen ausgewertet – inklusive Züge ins Ausland und jene von anderen Bahngesellschaften als der SBB.
Auf Platz 1 der Rangliste steht der Zürcher Hauptbahnhof. Von diesem sind 268 Bahnhöfe direkt erreichbar. Danach folgen Bern mit 187 Bahnhöfen, die ohne Umsteigen erreicht werden können, und Olten mit 169 Zielen. Auf den Plätzen dahinter rangieren Luzern (159), Winterthur (155) und St. Gallen (150). Ebenfalls in den Top 10 vertreten sind die Bahnhöfe Zürich Oerlikon mit 148 Direktzielen, Rapperswil SG (145), Aarau (130) und Zürich Stadelhofen (127). Das letzte Beispiel ist bemerkenswert. Zürich Stadelhofen ist ein wichtiger Bahnhof im Zürcher S-Bahn-Netz, aber der einzige in den Top 10, an dem kein einziger Fernverkehrszug hält.
Über 100 Bahnhöfe können etwa auch von den Bahnhöfen Zürich Hardbrücke, Zürich Altstetten, Lausanne, Wil SG und Zug umsteigefrei erreicht werden, wie die Analyse zeigt.
Wird Zürich von den SBB bevorzugt?
Die Plätze an der Spitze, also die grossen Knotenbahnhöfe wie Zürich HB und Bern, seien nicht überraschend, halten die Otimon-Experten fest. «Spannender sind die Plätze dahinter – etwa Rapperswil dessen Bahnhof dank dichtem S-Bahn-Fächer noch vor Aarau oder Zug landet.» Direkte Erreichbarkeit sei eben nicht dasselbe wie Grösse oder Passagieraufkommen: «Sie entsteht aus durchgebundenen Linien und der Zahl ihrer Halte.»
Tatsächlich sieht die Rangliste anders aus, wenn die Zahl der Ein- und Aussteigenden an einem durchschnittlichen Tag betrachtet wird. In dieser Liste führen Zürich HB, Bern und Luzern vor Winterthur und Basel SBB. Der Bahnhof Rapperswil hingegen landet nach Passagieraufkommen nur auf Platz 30.
Die Auswertung könnte Kritikern Auftrieb geben, die eine Bevorzugung von Zürich durch die SBB vermuten. Tatsächlich hat die Bahn in den vergangenen Jahren etwa das internationale Angebot vor allem ab ihrem grössten Bahnhof ausgebaut, während ab Luzern oder Bern Direktverbindungen nach Deutschland und Italien verschwunden sind. Auch der internationale Ausbau, der mit dem kommenden Fahrplanwechsel geplant ist, fokussiert sich auf Zürich. Ab dort fährt beispielsweise bald ein neuer, zweiter täglicher Zug nach Venedig, während Basel und Luzern einen Direktzug nach Mailand verlieren werden.





