Im Alltag spielt der Zivilstand keine grosse Rolle. Auf amtlichen Dokumenten hingegen schon: Etwa auf Steuer- oder Sozialverischerungsformularen muss man ankreuzen, ob man ledig, verheiratet, geschieden oder verwitwet ist oder in einer eingetragenen Partnerschaft lebt. Der Zivilstand «geschieden» soll nun verschwinden. Das forderte die FDP-Nationalrätin Nadine Gobet in einem Postulat - und erhält nun Unterstützung vom Bundesrat.
Die Scheidung solle als Zivilstandsereignis weiterhin registriert werden und für Behörden abrufbar bleiben, zumal es wichtig sein könne für Ansprüche von Versicherungen wie der AHV. Aber: Auf Formularen sollen Geschiedene künftig «ledig» angeben können, fordert Gobet.
Sie wolle damit die Privatsphäre besser schützen. Eine Scheidung sei ein privates Ereignis. Diesen Teil der Lebensgeschichte in der Verwaltung jahrzehntelang zu verewigen, hält Gobet für unnötig und unzeitgemäss. Eine Scheidung sei ein abgeschlossenes rechtliches Ereignis und auf offiziellen Dokumenten daher irrelevant. Gerade wenn die betreffende Person keine daraus abgeleiteten Rechte oder Pflichten mehr habe. Der Bundesrat pflichtet ihr nun bei. Und empfiehlt den Vorschlag für eine Gesetzesänderung zur Annahme. Als nächstes diskutiert der Nationalrat darüber.
Sie habe den Vorstoss eingereicht, nachdem sie eine Familienrechtsanwältin im Radio reden gehört habe, sagte Gobet im Juli gegenüber 20 Minuten. Die Anwältin kritisierte die Angabe des Zivilstands geschieden als überholt, beschämend und stigmatisierend. Gobet stimmte zu. Der Stempel «geschieden» begleite eine Person unnötigerweise ein Leben lang: «Man kann zwanzig Jahre nach der Trennung in einer neuen, stabilen Beziehung leben und gilt trotzdem weiterhin als geschieden.»
In der Schweiz werden rund vierzig Prozent der Ehen geschieden. Gobet spricht von einer gemeinhin akzeptierten sozialen Realität. Umso mehr erscheine es gerechtfertigt, die Kategorie auf Formularen abzuschaffen. Das Anliegen dürfte im Parlament gute Chancen haben. Vertreterinnen und Vertreter aller Parteien haben den Vorstoss mitunterschrieben.


