Das Schweizer Fernsehen hat einen Diamanten bekommen. Und lässt ihn in der Schublade verstauben.
Die auf 48 Mannschaften aufgeblähte Fussball-WM beschert SRF hohe Einschaltquoten. Dazu trägt der Erfolg der Schweizer Nationalmannschaft bei. Mehr als eine Million Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgen ihre Spiele. Aber auch andere Begegnungen locken mehr als eine halbe Million Interessierte vor die Bildschirme.
Selbst nach Mitternacht verzeichnet das Schweizer Fernsehen manchmal sechsstellige Zuschauerzahlen. Das ist beispiellos.
Der Entscheid der SRF-Verantwortlichen, alle 104 Spiele des Turniers auszustrahlen, hat sich als richtig herausgestellt. Schon jetzt ist klar: Die guten Einschalquoten während der WM werden die Jahresbilanz des Schweizer Fernsehens massiv aufbessern.
Der Begriff Service public wird konkret
Die Übertragungen der Fussball-WM erreichen ein deutlich jüngeres Publikum als das SRF-Programm im Durchschnitt. Vor allem aber zeigt sich, was der strapazierte Begriff Service public tatsächlich bedeuten kann: Sämtliche Spiele sind frei empfangbar. Das ist in Deutschland nicht der Fall. Mit der Medienabgabe von 335 Franken erhalten die Gebührenzahler in der Schweiz einen greifbaren Gegenwert.
Schade nur, hat sich das Schweizer Fernsehen nichts einfallen lassen für den Event. Der Mangel an Kreativität ist augenfällig. Im immergleichen Dekor tragen die immergleichen Moderatoren bunte Anzüge und stellen banale Suggestivfragen. Einige der sogenannten Experten bekunden Mühe, ihre Gedanken zusammenhängend zu formulieren. Andere Sender in der Schweiz und im Ausland machen mehr aus dem Grossanlass. SRF liefert Pflicht statt Kür.





