Auszeichnung

Der Wirtschaftsnobelpreis geht in die USA – und schon wieder an Männer

Jetzt geht es um den letzten Nobelpreis des Jahres: In Stockholm wird die Auszeichnung in der Kategorie Wirtschaft bekannt gegeben.

Das letzte Nobelpreis-Geheimnis in diesem Jahr ist gelüftet: Die beiden amerikanischen Ökonomen Robert E. Hall und Michael Woodford bekommen den Wirtschaftspreis in Gedenken an Alfred Nobel. Die beiden werden für ihre Arbeiten zu den mikroökonomischen Grundlagen der makroökonomischen Stabilisierung ausgezeichnet, wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm bekanntgab.

Hall ist mit der Stanford University in Kalifornien verbunden, Woodford mit der Columbia University in New York. Die Arbeiten der beiden Forscher hätten eine stabile theoretische Grundlage für Modelle geschaffen, die heute von Zentralbanken und Regierungen auf der ganzen Welt genutzt würden, erklärte John Hassler, Vorsitzender des Komitees für den Wirtschaftspreis.

Dadurch sei man besser in der Lage, mit wirtschaftlichen Schocks wie Energiekrisen oder plötzlichen Veränderungen des Konsumverhaltens der Haushalte umzugehen. Die Preisträger hätten dazu beigetragen, «die Höhen und Tiefen der Wirtschaft zu glätten», hiess es. Das Nobelkomitee erreichte Woodford am Montag telefonisch in New York. «Es ist eine enorme Ehre, es ist eine Überraschung», sagte er.

Mit Hall und Woodford würden zwei Ökonomen ausgezeichnet, deren Forschung das moderne Verständnis von Konjunkturschwankungen und Stabilisierungspolitik entscheidend geprägt hat, sagt KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm. «Besonders wichtig ist ihre Erkenntnis, dass Erwartungen über die Zukunft das heutige Verhalten von Haushalten und Unternehmen und damit auch die Wirkung der Wirtschaftspolitik beeinflussen.» Für die Schweiz sei das hochrelevant, gerade mit Blick auf die Geldpolitik der Nationalbank, den Wechselkurs und internationale Konjunkturschocks. Auch die Arbeit am KOF bewege sich «genau an dieser Schnittstelle zwischen dem Verständnis wirtschaftlicher Entwicklungen, ihrer empirischen Analyse und den Möglichkeiten wirtschaftspolitischer Stabilisierung».

2025 ging die renommierte Auszeichnung zur einen Hälfte an den israelisch-amerikanischen Wirtschaftshistoriker Joel Mokyr, zur anderen Hälfte an den Franzosen Philippe Aghion und den Kanadier Peter Howitt. Sie wurden für ihre Forschung zum stetigen Wachstum von Volkswirtschaften ausgezeichnet.

Auch bei der Preisverleihung 2026 gingen die Frauen also wieder leer aus. Bislang sind unter den jetzt mittlerweile 101 Preisträgerinnen und Preisträgern nur gerademal drei Frauen. Damit ist der Wirtschaftspreis der Nobelpreis, der in der Vergangenheit am seltensten Frauen zugesprochen wurde.

Der Wirtschaftspreis ist kein eigentlich richtiger Nobelpreis

In der vergangenen Woche waren bereits Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden verkündet worden. Die berühmte Auszeichnung für Literatur ging in diesem Jahr an die kanadische Dichterin, Übersetzerin und Essayistin Anne Carson. Den Friedensnobelpreis bekam die südafrikanische Spitzenjuristin Navanethem Pillay für ihren Einsatz gegen Völkermord und für Menschenrechte.

Die Nobelpreise werden seit 1901 verliehen. Der Wirtschaftspreis kam erst später hinzu: Er geht als einzige Auszeichnung nicht auf das Testament des schwedischen Industriellen und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel zurück. Er wurde 1968 von der schwedischen Zentralbank gestiftet und 1969 erstmals verliehen. Streng genommen ist er also kein Nobelpreis, sondern der «Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel».

Dotiert ist der Wirtschaftspreis aber wie die anderen Nobelpreise in diesem Jahr mit 12 Millionen schwedischen Kronen – 1 Million mehr als in den Vorjahren. Umgerechnet entspricht das Preisgeld etwas rund 1 Million Franken.

Überreicht wird die Auszeichnung am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Stockholm. In diesem Jahr feiern die Nobelpreise übrigens ein Jubiläum, fand doch die erste Vergabe vor 125 Jahren statt.

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