
Über ein Drittel der Bevölkerung in der Schweiz ist konfessionslos. Eine Trendwende zeichnet sich nicht ab. Im Gegenteil. 2025 zählte die katholische Kirche noch knapp 2,7 Millionen Mitglieder, 47'000 weniger als 2024. Die reformierte Kirche hat noch knapp 1,8 Millionen Mitglieder, 16'000 weniger als 2024. Das zeigt die aktualisierte Kirchenstatistik, die das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut am Freitag publizierte.
Die Kirche hat ein Nachwuchsproblem. Die Zahl der Austritte und Todesfälle übertrifft jene der Taufen inzwischen bei Weitem. Jürg Stolz, Professor für Religionssoziologie an der Universität Lausanne, spricht von «Generationen des abnehmenden Glaubens». Das bedeutet, dass Eltern ihren Kindern die Religion immer seltener vermitteln.
Die Kirchenstatistik 2025 birgt gleichwohl Überraschungen. In der katholischen Kirche ist die Zahl der Austritte gegenüber 2024 um etwa 9000 auf 28'000 gesunken. Das ist der tiefste Wert seit 2019. Es ist möglich, dass sich die Austrittswelle verlangsamt, weil 2023, auf dem Höhepunkt der Missbrauchsdebatte, eine Rekordzahl von 67'000 Menschen der katholischen Kirche den Rücken gekehrt haben. Auch bei der reformierten Kirche (26'000 Austritte 2025, 6000 weniger als 2024) hat sich die Entwicklung verlangsamt. Interessant ist, dass die Missbrauchsdebatte in der katholischen Kirche 2023 auch die Austritte bei der reformierten Kirche befeuerte.
Fehlender Glaube, mangelnde Relevanz
Der Hauptgrund für den Mitgliederschwund bei der katholischen Kirche ist der Unmut über konkrete Haltungen oder Missstände. Das kann etwa die Stellung der Frau sein, oder aber vor allem der Missbrauchsskandal mit den jahrelangen Vertuschungsstrategien. Reformierte begründen den Austritt hingegen vor allem mit der mangelnden Relevanz, die die Kirche für sie hat, zum Beispiel aufgrund des fehlenden Glaubens. Diese Entwicklung widerspiegelt den grundsätzlichen Säkularisierungsprozess in der Gesellschaft.
Anders als die reformierte Kirche weist die katholische Kirche Erwachsenentaufen separat aus. Und hier gibt es eine überraschende Entwicklung. 2025 registrierten die Bistümer in der Schweiz 339 Taufen von erwachsenen Personen. Das sind 78 mehr als im Vorjahr, ein Allzeithoch. Die Zahlen sind aber zu klein, als dass man von einem Trend sprechen könnte, betont das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut. Es misst dem Phänomen gleichwohl eine Bedeutung bei – auch weil das mediale Interesse an den Erwachsenentaufen steige. Zudem würden die Getauften selbst den Schritt viel selbstbewusster kommunizieren als früher, häufig über die sozialen Medien.


