Sparpläne

VW streicht die Hälfte aller Automodelle – schweigt aber zum Stellenabbau

VW-Aufsichtsrat endet ohne Klarheit zu Sparplänen. Nach der Aufsichtsratssitzung gibt es weiter keine Klarheit. Der Betriebsrat stellt dem Konzernchef jetzt ein Ultimatum.
Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen, sicher ist aber noch nichts.
Bild: Keystone

VW macht nach der Sitzung seines Aufsichtsrates zu möglichen Einsparungen weiter keine Angaben zu möglichen Werksschliessungen und Stellenabbau. Der Konzernvorstand habe dem Aufsichtsrat in seiner heutigen Sitzung ein umfangreiches Massnahmenpaket mit 12 Initiativen und das Zielbild 2030 vorgestellt, teilte der Konzern nach der Sitzung mit. Das Gremium war um 16 Uhr zusammengekommen, um über mögliche Sparpläne des Konzernvorstandes zu beraten.

«Mit unserem Zukunftsplan gehen wir aus eigener Kraft in die nächste Phase der Transformation», wird Konzernvorstand Oliver Blume in der Mitteilung zitiert. So solle die Modellpalette schrittweise um bis zu 50 Prozent gestrafft werden und die Anzahl möglicher Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent sinken. Angaben zu einem möglichen Stellenabbau und Werksschliessungen, über die Medien zuvor berichtet hatten, machte er nicht.

Betriebsratschefin: «Es reicht!»

Betriebsratschefin Daniela Camillo zeigte sich nach der Sitzung erbost. Sie forderte Blume auf, im Laufen des morgigen Freitags der Belegschaft gegenüber Stellung beziehen und sich unmissverständlich zu den Gerüchten über die angeblichen Vorstandspläne zu äussern.

«Es reicht! Das Fass ist zum Überlaufen gekommen», sagte Cavallo laut Betriebsratszeitung. «Der Umgang des Vorstands mit der Belegschaft ist an Respektlosigkeit nicht mehr zu überbieten. Oliver Blume steht jetzt in der Pflicht, diesen massiven Schaden wenigstens noch zu begrenzen.»

«Werden auch Überkapazitäten abbauen müssen»

Konzernchef Oliver Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen «Zielbild 2030» für den Konzern zu arbeiten und dabei auch den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen. Laut «Manager Magazin» könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht demnach sogar die Schliessung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.

Der Konzern selbst hat sich bisher nicht zu den Details geäussert. «Die genauen Inhalte des Zukunftsplans und die damit verbundenen notwendigen Massnahmen werden heute zwischen Aufsichtsrat und Vorstand der Volkswagen AG erörtert», hatte ein Sprecher vor der Sitzung gesagt. Dabei gehe es unter anderem darum, Komplexität zu reduzieren, Beteiligung zu straffen, Entwicklung und Produktion regionaler auszurichten: «Und ja, wir werden auch Überkapazitäten abbauen müssen.»

Proteste der IG Metall

Die Beratung wurde begleitet von lautem Protest der Gewerkschaft. An mehr als einem Dutzend Standorten gab es Proteste gegen die Sparpläne. In Wolfsburg kamen rund 500 Personen zu einer Kundgebung direkt am Vorstandshochhaus, in dem sich der Aufsichtsrat traf.

Am Tag der Aufsichtsratssitzung der Volkswagen AG in Wolfsburg organisiert die IG Metall deutschlandweit Informations- und Protestaktionen an zahlreichen Standorten des Konzerns. Im Bild zu sehen ist die Protestaktion vor dem VW-Werk in Osnabrück.
Bild: Keystone/DPA

In Emden zählte die IG Metall sogar 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Weitere Aktionen gab es in Neckarsulm, Braunschweig, Stuttgart, Hannover, Kassel, Chemnitz, Dresden, Zwickau, Leipzig, München, Nürnberg, Salzgitter und Osnabrück. (dpa)

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