Franz Beckenbauer († 7. Januar 2024)

Sie nannten ihn Kaiser, weil er grösser war als jeder König. Franz Beckenbauer gilt nicht nur als bester deutscher Fussballer der Geschichte, er war für das deutsche Volk auch eine Lichtgestalt. Ihm gelang scheinbar spielerisch, woran andere ein Leben lang scheitern. Weltmeister als Spieler, Weltmeister als Trainer und der Mann, der die WM 2006 nach Deutschland holte. Trainer-Legende Otto Rehhagel witzelte einst über die Bedeutung Beckenbauers: «Wenn er erklärt, dass der Ball eckig ist, dann glauben ihm das alle.» Beckenbauers Charisma und sein weltmännischer Glanz machten ihn rund um den Globus zum gern gesehenen Gast.
Selbst seine Fehltritte verzieh ihm die Öffentlichkeit, weil er sie locker flockig wegmoderierte. Als es nach einem Seitensprung kaiserlichen Nachwuchs gab, meinte er nur: «So gross ist das Verbrechen nun auch nicht. Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.» Bloss eine Affäre blieb an ihm hängen: die Ungereimtheiten rund um das Sommermärchen 2006 und der WM-Vergabe nach Deutschland.
Bis heute ist nicht klar, wohin eine dubiose 6,7-Millionen-Zahlung im Vorfeld der WM-Vergabe floss. Es war das einzige Mal, dass sich die Öffentlichkeit von Beckenbauer abwandte. Die letzten Jahre lebte er zurückgezogen, einerseits verbittert über die Anschuldigungen, andererseits wegen seiner fortschreitenden Parkinsonerkrankung.
Beckenbauer starb am 7. Januar im Alter von 78 Jahren. Spätestens mit seinem Tod haben ihm die Deutschen seinen letzten Fehltritt verziehen. Als erster Spieler in der glorreichen Geschichte des FC Bayern München wird seine Rückennummer, die legendäre «5», als Zeichen der Ehrung nie wieder vergeben. Servus, Kaiser. (yno)
Freddy Nock († 7. Februar)

Er führte ein Leben auf dem Drahtseil – nicht nur im Wortsinn. Mit seinen Weltrekorden auf dem Hochseil begeisterte Alfred «Freddy» Nock die ganze Schweiz und die halbe Welt. Sei es, als er über den Zürichsee balancierte, mit sechs anderen Töfffahrern zwei Minuten lang in einer Stahlkugel von nur fünf Metern Durchmesser kreiste oder aber ohne jedes Hilfsmittel auf dem Bergbahnseil die 2962 Meter hohe Zugspitze erklomm – der Aargauer Hochseilartist und Stuntman liess diese atemberaubenden Rekorde kinderleicht aussehen.
Die Trittsicherheit, die er in seiner Kunst beherrschte, fehlte Nock auf dem Boden jedoch zunehmend. 2019 musste er sich vor dem Bezirksgericht Zofingen wegen vorsätzlicher Tötung verantworten, weil er versucht habe, seine Frau zu erwürgen. In zweiter Instanz wurde Nock zwar freigesprochen; doch nur, weil es keine Beweise gab – der Richter sah es als erwiesen an, dass das Paar eine toxische, von Gewalt geprägte Beziehung geführt habe. Später warf ihm seine Frau auch Vergewaltigung vor.
Mit der Karriere war es vorbei, Nock verlor Aufträge und Engagements. 2022 arbeitete er auf dem Oltner Weihnachtsmarkt an einem Glühweinstand. Für 2024 hatte er jedoch wieder hochfliegende Pläne: Er wollte mithilfe eines Heissluftballons in 5000 Meter Höhe seiltanzen. Dazu kam es nicht mehr. Am 7. Februar wurde Nock von der Polizei tot in seiner Wohnung im aargauischen Uerkheim aufgefunden. Er wurde 59 Jahre alt. (sf)
Alexej Nawalny († 16. Februar)

Mit dem Tod von Alexej Nawalny verlor Russland seine bekannteste Oppositionsfigur. Der charismatische Anwalt und Anti-Korruptionsaktivist wurde weltweit zum Symbol des Widerstands gegen Kreml-Chef Wladimir Putin. Trotz wiederholter Verhaftungen, Vergiftungen und harter Lagerhaft hielt Nawalny an seinem Ziel fest: ein Russland frei von Korruption und Unterdrückung. Sein Kampf brachte ihm Millionen von Unterstützern überall auf der Welt – aber auch erbitterte Feinde.
Auf Nawalny wurde 2020 ein Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok verübt. Er überlebte nur knapp. Nach seiner Genesung folgte seine vielleicht spektakulärste Aktion – oder zumindest die selbstloseste: Er kehrte 2021 nach Russland zurück, wohl wissend, dass ihn der Kerker erwartet. Dafür wurde er als «der mutigste Mann der Welt» bezeichnet. Nawalny starb im Februar in einem Straflager nördlich des Polarkreises. Sein Tod ist ein finsterer Höhepunkt der jahrelangen Putin-Repression. (fho mit KI)
Vitus Huonder († 3. April)

Vitus Huonder scheute sich nicht davor, für die konservativen Kräfte innerhalb der katholischen Kirche einzutreten – und sich dafür in den politischen Dialog einzuschalten. Für Aufregung sorgte er etwa 2014, als er Homosexuelle, im Konkubinat Lebende oder Menschen, die auf künstliche Befruchtung zurückgreifen, von der Kommunion ausschliessen wollte. Der frühere Bischof von Chur polarisierte mit Ansichten.
Mit 29 empfing er die Priesterweihe, zwei Jahre später wurde er zum Doktor der Theologie promoviert. Später wurde er vom damaligen Bischof Wolfgang Haas zum Domkanoniker sowie zum Generalvikar für Graubünden, Glarus und das Fürstentum Liechtenstein berufen. Mit Haas verbanden Huonder zahlreiche politische Ansichten.
Nach seiner Emeritierung 2019 hat sich Huonder ins Institut Sancta Maria in Wangs SG zurückgezogen. Dieses wird von der Pius-Bruderschaft geleitet. Dort verbrachte er seinen Lebensabend. Im April starb er nach kurzer, schwerer Krankheit. (mg)
O. J. Simpson († 10. April)

Er war Football-Star und Schauspieler, aber in Erinnerung bleibt er vor allem als Angeklagter im sogenannten «Prozess des Jahrhunderts». Millionen sahen live im Fernsehen zu, als O. J. Simpson in seinem weissen Ford Bronco vor der Polizei flüchtete. Die Sender unterbrachen dafür ihr Programm, am Ende sahen 90 Millionen Amerikaner 1994 der Verfolgungsjagd quer durch Los Angeles zu.
Ein ähnliches Spektakel zeigte sich am anschliessenden Prozess, der ebenfalls zur Fernsehshow wurde. O. J. Simpson wurde vorgeworfen, seine Ex-Frau aus Eifersucht ermordet zu haben. Obwohl die Beweislast erdrückend war, sprachen ihn die Geschworenen im Oktober 1995 frei. Bis heute sieht ihn die breite Öffentlichkeit als schuldig an, auch weil er später ein Buch schreiben wollte, wie er den Mord an seiner Ex-Frau begangen hätte, wenn er es denn gewesen wäre.
Dabei liebten ihn die Amerikaner einst, erst war er ein bewunderter Footballer, später schaffte er erfolgreich den Sprung auf die Leinwand, spielte unter anderem in der Reihe «Die nackte Kanone» mit. O. J. Simpson starb am 10. April 2024 im Alter von 76 Jahren in Las Vegas an den Folgen von Prostatakrebs. (yno)
Adrian Lehmann († 20. April)

Der 34-jährige Oberaargauer erlitt im Training einen Herzinfarkt. Dank Nothilfe vor Ort und funktionierender Rettungskette konnte Lehman zeitnah medizinisch versorgt und hospitalisiert werden. Im Spital erwiesen sich die Folgen des Infarkts nun als schwerwiegender als zunächst angenommen, sein Leben konnte nicht mehr gerettet werden.
Adrian Lehmann war einer der besten Marathonläufer der Schweiz. Sein grosses Ziel war, die Limite für die Olympischen Spiele von Paris zu schaffen.
Kardiologe Pascal Köchli vom Kantonsspital Baden sagte gegenüber unserer Zeitung, trainierte Personen hätten zwar ein verringertes Risiko für Herzinfarkte, aber: «Eine sportliche Höchstleistung ist eine Belastung – auch für einen gut trainierten Körper. Daher sind auch Athletinnen und Athleten während einer extremen Belastung einem leicht erhöhten Risiko ausgesetzt.» (cri)
Paul Auster († 30. April)

Paul Auster war ein Langsamschreiber. Er schaffe nur etwa eine Seite pro Tag, sagte er einmal in einem Interview. Zuerst von Hand, dann auf der Schreibmaschine fertigte er seine berühmten Texte. Mit Werken wie der «New-York-Trilogie» wurde Paul Auster weltberühmt.
Auster galt als einer der bekanntesten und beliebtesten US-Autoren seiner Generation. Er bekam zahlreiche Preise, seine Figuren waren oft autobiografisch geprägt und stolperten über zahlreiche Abgründe. Nach einem Kampf gegen den Krebs ist Auster im April im Alter von 77 Jahren gestorben. (mg)
André Simonazzi († 10. Mai)

Während 15 Jahren prägte André Simonazzi die Kommunikation des Bundesrates massgeblich. Spätestens mit der Corona-Pandemie wurde der Walliser einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Simonazzi war der erfahrenste Mann im Bundesratszimmer. Niemand aus dem aktuellen Gremium hat mehr Bundesratssitzungen miterlebt als der Vizekanzler. Simonazzi führte Protokoll und nahm die Kommunikation wahr.
Zu seinem Rollenverständnis als Bundesratssprecher gehörte auch, dass er dem Gremium schon mal erklärte, wenn er einen Entscheid nicht für kommunizierbar hielt, sprich nicht nachvollziehbar für die Öffentlichkeit.
Niemand verkörperte besser als Simonazzi die beiden prägenden Pfeiler des Schweizer Regierungssystems: Kollegialität und Konkordanz. Egal, welcher Couleur das Bundesratsmitglied war, das neben ihm sass: Simonazzi kommunizierte absolut neutral und loyal. Einzig seinem Informationsauftrag verpflichtet – und dem Gesamtbundesrat.
Das Funktionieren des Bundesrates als Kollegialbehörde war ihm wichtig. Indiskretionen oder Sololäufe von einzelnen Departementschefs hatten in diesem Verständnis keinen Platz. Simonazzi sagte auch nie mehr, als er durfte und wollte. Privat liebte er Musik, Motorräder und die Berge. Dort fand er auch den Tod. (dk)
Ebrahim Raisi († 19. Mai)


Ebrahim Raisi, Präsident des Iran und konservativer Kleriker, prägte die Politik seines Landes bis zu seinem Tod 2024. Er stieg in den 1980er-Jahren als Staatsanwalt auf und wurde berüchtigt für seine Rolle bei den Massentötungen politischer Gefangener. Dieser «Henker von Teheran», wie er genannt wurde, hielt auch später an einem harten Kurs gegenüber Oppositionellen fest.
2021 übernahm Raisi das Präsidentenamt mit Unterstützung des Obersten Führers Ali Chamenei und verschärfte die Repression im Land. Die brutale Niederschlagung der Proteste nach dem Tod von Mahsa Amini 2022 unterstrich seine unnachgiebige Haltung. Aussenpolitisch blieb er ein Hardliner, der die Konfrontation mit dem Westen suchte und die Beziehungen zu China und Russland vertiefte. Raisi starb im Mai dieses Jahres bei einem Hubschrauberabsturz im Nordwesten des Iran. (fho mit KI)
Verena Diener († 28. Juni)

Als Zürcher Gesundheitsdirektorin ging Verena Diener in die Annalen ein: Sie schaffte es, Spitäler zu schliessen, ohne deswegen abgewählt zu werden. Das Umkrempeln der Zürcher Spitallandschaft ist ihr Gesellenstück, das ihr weit über die Kantons- und Parteigrenzen Achtung verschafft.
Die gelernte Primarlehrerin startet 1987 als Nationalrätin in Bern, zwischen 1992 und 1995 führt sie die Geschicke der noch jungen Grünen Partei. 1995 wählen sie die Zürcherinnen und Zürcher in die Regierung. 2004 kommt es dann zum folgenschweren Bruch, mit Martin Bäumle gründet sie die Grünliberale Partei. Auch diese Krise übersteht Diener schadlos: 2007 holt sie den Zürcher Ständeratssitz und sticht dabei Ueli Maurer (SVP) und Chantal Galladé (SP) aus.
Politisch setzt sich Diener für Umweltanliegen ein, für den Atomausstieg, für die Energiestrategie 2050, aber auch für eine nachhaltige Altersvorsorge und ein finanzierbares Gesundheitswesen. Verena Diener hat 2004 den Brustkrebs ein erstes Mal besiegt, zehn Jahre später bekämpft sie ihn ein zweites Mal. Im Juli ist Verena Diener 75-jährig verstorben. (wan)
Irène Schweizer († 16. Juli)

Keystone
Sie war die Grande Dame des Schweizer Jazz. Am 16. Juli ist Irène Schweizer im Alter von 83 Jahren gestorben. Die Pianistin gilt als eine der prägendsten Figuren des Free Jazz. Sie hat damit auch entscheidend zur Emanzipation der Frauen im europäischen Jazz beigetragen.
Irene Schweizer war die bedeutendste Jazzmusikerin Europas. Radikale Feministinnen warfen ihr aber auch Verrat an der Sache der Frau vor, weil sie nach wie vor mit Männern spielte. Doch sie liess sich nicht beirren und war der Überzeugung, dass es eine eigentliche Frauenmusik nicht gäbe und sie nicht anders spiele als ihre männlichen Kollegen, nur weil sie weiblichen Geschlechts sei.
Lange musste Irene Schweizer für künstlerische Freiheit kämpfen. Doch sie setzte sich durch. Plötzlich wurde sie breit gefeiert, wurde in die Tempel der Hochkultur eingeladen. Zuerst 2006 ins KKL Luzern, dann zu ihrem 70. Geburtstag in die Tonhalle Zürich. Schliesslich, 2018, wurde sie mit dem Grand Prix Musik, dem höchstdotierten Kulturpreis der Schweiz, ausgezeichnet. Aufgetreten ist sie in den letzten drei Jahren nicht mehr – eine Krankheit hat das leider verhindert. Ihr Schaffen hallt aber auch so noch lange nach. (sk/mg)
Wolfgang Rihm († 27. Juli)

Er war einer der wichtigsten Komponisten Deutschlands. Dabei wandelte sich Wolfgang Rihm. Er wurde vom jungen Wilden schon beinahe etwas altersmilde, der seinen ganz eigenen Umgang mit den Traditionen der klassischen Musik fand.
Eng verbunden war er auch mit dem Lucerne Festival. Dort übernahm er nach dem Tod von Pierre Boulez ab 2016 die künstlerische Leitung der Lucerne Festival Academy. Er verstand sich dabei nicht als Lehrmeister, sondern als Impulsgeber und Gesprächspartner für junge Komponisten. Im Juli ist der deutsche Komponist, einer der bedeutendsten und meist aufgeführten unserer Zeit, im Alter von 72 Jahren gestorben: Er erlag einem Krebsleiden. (mat/mg)
Alain Delon († 18. August)

Eigentlich hätte Alain Delon in der Schweiz sterben wollen. Die französische Schauspiellegende hatte vor, mit Sterbehilfe aus dem Leben zu scheiden, doch am Ende starb Delon in Frankreich im Alter von 88 Jahren.
Sein Stern ging mit 24 auf. Er bekam seine erste grosse Rolle: In «Nur die Sonne war Zeuge» spielte er nach der Buchvorlage von Patricia Highsmith den talentierten Tom Ripley. Alles, was Delon ausmachte, war schon da: der magnetische Blick, der Latin-Lover-Touch und ein wortscheuer Charakter, hinter dem sich eine bisweilen unheilvolle Leidenschaft erahnen liess.
Es folgten über 80 weitere Filme. Darunter Meisterwerke wie «Borsalino», «Der Panther» und «Der eiskalte Engel». Vom mysteriösen Lover bis zum kalten Killer – Alain Delon beherrschte alle Rollen, am ehesten die schweigsamen. Der Frauenschwarm füllte mit seinen Liebesgeschichten die Klatschhefte. Unter anderem führte er eine Beziehung mit Romy Schneider. Alain Delon hinterlässt drei Kinder. (mg)
James Earl Jones († 9. September)

Vielleicht erkennt ihn der ein oder andere Leser nicht an seinem Aussehen. Unverkennbar bleibt er allerdings für die Ohren. James Earl Jones lieh einigen der populärsten Filmfiguren der Geschichte seine markante, tiefe Stimme. «Ich bin dein Vater», sagt der Bösewicht Darth Vader zum Helden Luke im vierten Teil der Star-Wars-Saga und lieferte damit eines der legendärsten Zitate der Filmgeschichte. 90er Kinder kennen ihn hingegen eher als Mufasa, Vater des Zeichentricklöwen Simba, der eines tragischen Todes stirbt («Hakuna Matata» hin oder her), aber in seinem Sohn weiterlebt.
Darüber hinaus spielte er in zahlreichen Filmen mit, darunter in «Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben», «Exorzist 2», «Jagd auf Roter Oktober», «Feld der Träume», «Der Prinz aus Zamunda» oder «Conan, der Barbar». James Earl Jones gehört zu den wenigen sogenannten EGOT-Künstlern, die alle vier grossen Auszeichnungen Emmy, Grammy, Oscar und Tony erhalten haben. James Earl Jones ist am 9. September im Alter von 93 Jahren verstorben. Seine Stimme aber bleibt unsterblich. (yno)
Robert Dill-Bundi († 16. September)

Robert Dill-Bundi ist der einzige Schweizer Bahnradfahrer, der Olympia-Gold gewonnen hat. In Moskau holte er 1980 in der Einzelverfolgung über 4000 m Gold. Er kniete vor Freude nieder, küsste die Bahn und stand mitten in einem kleinen Shitstorm. Aufgrund des Kusses wurde ihm nachgesagt, er hege Sympathien zu dem kommunistischen Regime in der damaligen Sowjetunion. Dill-Bundi hatte aber einfach aus purer Freude die Bahn geküsst.
Der Herbst seines Lebens war geprägt von zahlreichen Schicksalsschlägen. Mehrfach litt Dill-Bundi an Hirntumoren. Eine langjährige Beziehung zu einer Kubanerin scheiterte und mündete im finanziellen Ruin des Olympiasiegers. Er ertrug all die Rückschläge immer mit Würde und beklagte sich nicht öffentlich. Im September starb er im Alter von 65 Jahren. (mg)
Muriel Furrer († 27. September)

Sie starb bei dem, was sie am liebsten machte: Velofahren. Muriel Furrer wurde im Alter von 18 Jahren aus dem Leben gerissen. Sie verunglückte am 26. September während des Juniorinnen-Strassenrennens der Weltmeisterschaft in Zürich wenig Kilometer von ihrem Wohnort Egg ZH entfernt. Bei der Abfahrt vom Weiler Schmalzgrueb nach Küsnacht ZH kam sie aus noch ungeklärten Gründen von der Strasse ab und zog sich beim Sturz schwere Kopfverletzungen zu. Der Unfall blieb von den Rennorganisatoren und ihrem Team unbemerkt. Es verstrichen mindestens eineinhalb Stunden, bis sie im Wald liegend gefunden und mit dem Helikopter ins Universitätsspital Zürich geflogen wurde. Tags darauf starb sie.
An einer Trauerfeier erinnerten Athletinnen und Athleten, ihre Familie und Politiker an Muriel Furrer. Zentral in ihrem Leben war der christliche Glaube. Sie startete ihre letzte Fahrt mit einem Jesus-Armband und motivierte sich mit Bibelversen. Sie hatte erst im Sommer eine KV-Lehre begonnen und besuchte die Berufsschule für Nachwuchssportler. Ihre Schweizer Teamkolleginnen Lara Liehner, Chiara Mettier und Sirin Städler beschrieben sie im Magazin «Gruppetto» als lebhafte und tiefgründige Person. Ihr Tod überschattete die Weltmeisterschaft und befeuerte die Diskussion über Sicherheit im Radsport. Der Ruf nach GPS-Tracking wurde laut. (rit)
Maggie Smith († 27. September)

Die meisten kannten Dame Maggie Smith wohl als Zauberlehrerin Minerva McGonagall aus den «Harry Potter»-Filmen. Doch die Schauspielerin verzauberte schon Jahrzehnte vorher die Zuschauer. Vor der Kamera und auf der Theaterbühne. Sechs Mal wurde sie für einen Oscar nominiert, zweimal gewann sie. Oft spielte sie starke Frauen, die keine Angst hatten, ihre Meinung zu sagen. So auch in einer ihrer letzten Rollen als Violet Grantham, der Matriarchin in der TV-Serie «Downton Abbey». Selbst war sie übrigens kein Fan der Serie und gab offen zu, dass sie keinen Bock hat, auch nur eine Folge der Serie anzuschauen.
Genau dafür liebten sie Fans und Freunde. Maggie Smith redete nicht um den heissen Brei, hatte einen herrlich trockenen Humor und liess ihre Rollen nie zu nah an sich herankommen. Ausser als ein kleiner «Harry Potter»-Fan sie mal erkannte und fragte, ob sie sich wirklich in eine Katze verwandeln kann. Ihre Antwort in bester McGonagall-Manier: «Reiss dich mal zusammen!» Zumindest als Zauberlehrerin – und in ihren vielen anderen Rollen – bleibt sie den Fans erhalten, nachdem sie am 27. September mit 89 Jahren starb. (zen)
Liam Payne († 16. Oktober)

Mit gerade mal 14 Jahren trällerte Liam Payne erstmals bei der britischen Castingshow «X Factor» – und wurde nach Hause geschickt. Doch er blieb hartnäckig, und schon ein Jahr später versuchte er es erneut. Diesmal mit Erfolg. Zusammen mit Harry Styles, Niall Horan, Zayn Malik und Louis Tomlinson wurde er von der Jury zur Boyband «One Direction» zusammengesetzt. Der Rest ist Boyband-Geschichte.
«One Direction» waren quasi die Backstreet Boys der 2010er-Jahre und eroberten innert kürzester Zeit die Musikwelt. Liam eroberte währenddessen Sängerin Cheryl Cole. Die zehn Jahre ältere Sängerin sass bei seinem ersten Vorsingen in der «X Factor»-Jury, und Liam zwinkerte ihr damals frech zu. Ein paar Jahre später tat er offensichtlich mehr als das, denn 2017 kam ihr gemeinsamer Sohn Bear zur Welt. Die Beziehung zerbrach kurz danach allerdings.
Auch hinter den Kulissen von «One Direction» war nicht alles traumhaft. Liam kämpfte mit Depressionen und Drogenproblemen: «Es ist fast so, als würde man das Disney-Kostüm anziehen, bevor man auf die Bühne geht, und unter dem Disney-Kostüm war ich ziemlich oft betrunken, weil es keinen anderen Weg gab, das zu begreifen, was vor sich ging.» 2016 legte die Band eine Pause ein – von der sie nie mehr zurückkamen. Solo hatte Liam nicht denselben Erfolg, was wohl zu seinen mentalen Problemen beigetragen hat. Er soll auch unter Drogen gestanden haben, als er am 16. Oktober von einem Hotelbalkon stürzte und starb. Er wurde 31 Jahre alt. (zen)
Fethullah Gülen († 20. Oktober)

Fethullah Gülen, einst einflussreicher islamischer Prediger und Gründer der Gülen-Bewegung, starb 2024 im Exil in den USA. Seine Bewegung, Hizmet (Dienst), baute ein Netzwerk aus Schulen, Medien und Unternehmen in der Türkei und weltweit auf.
Einst ein Verbündeter des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, wurde Gülen nach dem Bruch zum Staatsfeind. Nach dem gescheiterten Putschversuch 2016, den Erdogan der Gülen-Bewegung anlastete, wurden Tausende Anhänger verhaftet. Gülen bestritt jegliche Beteiligung.
Bis zu seinem Tod lebte er zurückgezogen in Pennsylvania. Er hinterlässt ein gespaltenes Erbe: Für seine Anhänger ist Gülen Vordenker und Reformer, für Erdogan und dessen Gefolgsleute blieb er bis zu seinem Tod der Kopf einer angeblichen Verschwörung gegen die Türkei. (fho mit KI)
Quincy Jones († 3. November)

Auch dank ihm wurde Michael Jackson zum «King of Pop». Quincy Jones war einer der bekanntesten und prägendsten Musikproduzenten der letzten Jahrzehnte. Neben Jackson arbeitete er auch mit George Benson, Frank Sinatra, Ray Charles, Louis Armstrong, Little Richard, Stevie Wonder, Aretha Franklin, Herbie Hancock, Miles Davis, Billie Holiday, Peggy Lee, Nana Mouskouri und Ella Fitzgerald. Viele seiner Schützlinge wurden zu Superstars.
Er begann als Sänger in einem Gospelchor, bevor ihm Clark Terry ersten Trompetenunterricht gab. In den späten 1950er-Jahren wurde er in New York zu einem der gefragtesten Arrangeure, Komponisten, Dirigenten für Big Bands und grosse Orchester. Später prägte er als Produzent die Popkultur der 80er-Jahre.
Jones war ein regelmässiger Gast am Jazzfestival in Montreux. Von 1991 bis 1994 war er musikalischer Direktor in Montreux und hat in jener Zeit das Festival massgeblich geprägt. Wie kein anderer hat er amerikanische Stars an den Genfersee gelockt, um sie an seinen pompösen Gala-Abenden aufführen zu lassen.
Am 3. November ist der grosse Quincy Jones in seinem Haus in Bel Air in Los Angeles im Kreise seiner Familie im Alter von 91 Jahren gestorben. (mg/sk)
Sophie Hediger († 23. Dezember)

Sie starb beim Snowboarden. Die Snowboardcrosserin Sophie Hediger ist kurz vor Weihnachten bei einem Lawinenunglück in Arosa ums Leben gekommen. Die 26-Jährige war Mitglied des Nationalteams und hatte in der vergangenen Saison 2023/24 ihre ersten beiden Weltcup-Podestplätze erreicht.
Sophie Hediger ist in Horgen aufgewachsen und hat viel Zeit in Arosa verbracht, wie Swiss Ski schreibt. Dort habe ihr Leben nun beim Freeriden, ihrem geliebten Hobby, ein tragisches, jähes, viel zu frühes Ende gefunden. (mg)
Jimmy Carter († 29. Dezember)

Er wurde oft unterschätzt, von der Elite, von Feinden, ja selbst von der eigenen Familie: Als Jimmy Carter im Herbst 1974 seiner Mutter verkündete, er bereite eine Kandidatur fürs Präsidium vor, soll die formidable Lillian Carter zurückgefragt haben: «Präsident von was?»
Doch Jimmy Carter war getrieben von einem eisernen Willen und dem Wunsch, stets sein Bestes zu geben. 1976 belehrte der vierfache Vater seine Kritiker eines Besseren, als er als Aussenseiter zuerst in den Vorwahlen um die Nomination zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten triumphierte und dann den republikanischen Amtsinhaber Gerald Ford im Ringen ums Weisse Haus bezwang. Carter, der sein Geld jahrelang mit dem Anbau und Verkauf von Erdnüssen verdient hatte, stand plötzlich an der Spitze der westlichen Supermacht.
Zu seinen grössten Errungenschaften als Präsident zählt das erste Camp-David-Abkommen, das zum Friedensschluss zwischen Ägypten und Israel führte. In seiner Amtszeit blieben solche Erfolgsmomente aber äusserst selten. Carter hatte das Pech, dass die Siebzigerjahre für Amerika ein Jahrzehnt voller aussenpolitischer und wirtschaftlicher Rückschläge darstellten.
Im Oktober 2024 wurde Carter 100 Jahre alt. Sein letzter Wunsch, war es, nochmals seine Stimme im US-Präsidentschaftskampf abzugeben. Den konnte er sich erfüllen, auch wenn die Kandidatin der Demokraten, Kamala Harris, letztlich Trump unterlag. Carter starb am 29. Dezember. (rr/yno)
