Leere Supermärkte, Treibstoffmangel und tonnenweise verdorbene Lebensmittel: Wegen einer seit einer Woche andauernden LKW-Blockade spitzt sich die Versorgungslage in Süditalien zu. Die Regierung von Giorgia Meloni sucht verzweifelt nach einer Lösung.
Betroffen von dieser Versorgungskrise war am Mittwoch auch Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel. «Warum gibt es hier nichts zu kaufen?», soll die berühmte Urlauberin in einem Supermarkt in Kampanien gefragt haben, nachdem sie in den weitgehend leeren Auslagen des Ladens vergeblich nach lokalen Spezialitäten wie Büffel-Mozzarella gesucht hatte.
Merkel, die unterwegs in Richtung Amalfiküste war, hatte von der Blockade bis zu ihrem Zwischenstopp im Supermarkt offenbar nichts mitbekommen.
Dabei legen seit einer Woche Lastwagenfahrer die südliche Hälfte des italienischen Stiefels lahm. Mit Merkel tun sich deshalb Millionen von Süditalienern bei der Versorgung schwer: Die Chauffeure wollen die Rechtsregierung von Giorgia Meloni wegen der stark gestiegenen Dieselpreise an den Verhandlungstisch zwingen. «Uns steht das Wasser bis zum Hals», erklärte ein Fahrer, der die Autobahnauffahrt Caserta Nord bei Neapel blockierte.
Am Donnerstag berief Ministerpräsidentin Giorgia Meloni wegen der Notlage eine Dringlichkeitssitzung ein. Vorgesehen sind etwa 60 Millionen Euro für die Landwirtschaft und 10 Millionen Euro für die Fischerei. Weitere 60 Millionen Euro sollen als Hilfen für das Transportgewerbe zur Abfederung der stark gestiegenen Treibstoffpreise gehen. Tags zuvor hatte die Polizei über 500 Lastwagen, deren Fahrer sich an den Blockaden nicht beteiligen wollten, an ihren Bestimmungsort eskortiert. Das war nötig, um sie vor ihren protestierenden Kollegen zu schützen.
Die Blockaden haben inzwischen massive Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung im Süden. Die meisten Tankstellen sind geschlossen, weil kein Treibstoff mehr geliefert wird. Käsereien, in denen der beliebte kampanische Mozzarella di Bufala hergestellt wird, haben den Betrieb mangels frischer Büffelmilch eingestellt. Die Produktion der ebenfalls berühmten Pasta di Gragnano – der Ort bei Salerno gilt als Wiege der italienischen Hartweizen-Nudeln – beträgt noch 40 Prozent.
In den Kühlhäusern der Landwirtschaftskooperativen verschimmeln ferner Tausende von Tonnen Gemüse und Früchte, weil die Ware nicht ausgeliefert werden kann. Aus dem gleichen Grund sind auch schon Dutzende Tonnen Fisch verdorben. Die Schäden gehen jeden Tag in die Millionen.
Die Auswirkungen der LKW-Blockade sind auch deshalb so gravierend, weil in Italien über 90 Prozent der Güter auf der Strasse transportiert werden, nur gerade 7 Prozent mit der Bahn. Hinzu kommt, dass die Branche zu einem grossen Teil aus Klein- und Kleinstbetrieben mit nur einem oder ganz wenigen LKW besteht, die kaum über eine effiziente Logistik verfügen.
Das Resultat sind Leerfahrten auf dem Rückweg von einer Auslieferung, was die Kosten erhöht und die Umweltbilanz empfindlich beeinträchtigt. Das Problem ist altbekannt und wird sich kurzfristig nicht lösen lassen. So bleiben der Regierung Meloni fast ausschliesslich finanzielle Hilfen, um die Probleme der Branche in der aktuellen Phase hoher Treibstoffpreise etwas zu lindern.





