Protest

Jetzt auch Krawalle in Italien: Meloni hat das gleiche Problem wie Macron

Die Zerstörungswut der französischen Jugendlichen ist ins Nachbarland übergeschwappt. Und nicht nur das: die Ausschreitungen greifen immer weiter um sich.

Die oft noch minderjährigen Plünderer greifen sich in den zerstörten Ladengeschäften Mailands alles, was nicht niet- und nagelfest ist. An der Via Torino im Stadtzentrum etwa wurden zwei vermummte Jugendliche beobachtet, wie sie aus einem Minimarket mit zwei Eistorten, einer blauen und einer roten, sowie mit einer Packung Kinderschokolade davon rannten und das Weite suchten.

Hoch im Kurs stehen aber vor allem Geschäfte mit Sportschuhen wie Foot Locker sowie Boutiquen mit Marken-Sportbekleidung, die am Wochenende in der lombardischen Metropole reihenweise geplündert wurden. Oft filmen sich die Jugendlichen bei ihren Taten mit dem Smartphone und stellen das Gefilmte anschliessend ins Netz.

Die Krawalle in Mailand und anderen Städten wie Bologna, Turin und Verona hatten am Freitag zunächst mit kleineren, friedlichen Kundgebungen begonnen, an denen die Teilnehmer gegen die Teuerung und die hohen Energiepreise protestiert hatten.

In der Folge sind zunächst einige hundert, später einige tausend vor allem jugendliche Randalierer auf den Zug aufgesprungen und haben Polizisten angegriffen, Fensterscheiben eingeschlagen, Müllcontainer in Brand gesetzt, Autos und Fahrräder demoliert und eben auch geplündert. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Das Epizentrum der Mailänder Krawalle war die Piazza Duomo mitten im Stadtzentrum.

Die Strassenschlachten hatten schon am Samstag mehrere Stunden angedauert, am Sonntag wiederholte sich das Szenario. Dutzende von Polizisten wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt, über 200 Gewalttäter festgesetzt, davon waren mehr als 80 Prozent jünger als 18 Jahre. Die meisten mussten umgehend wieder auf freien Fuss gesetzt werden, da sie noch nicht strafmündig waren.

Rom kündigt «neue Massnahmen» an

Der Sachschaden war enorm. Die Bilder ähnelten frappant jenen, die aus Frankreich kamen. Während in Frankreich Hunderttausende auf die Strasse gingen, waren es in Italien jedoch vielleicht 10’000.

Wie in Frankreich stammen viele der wütenden Jugendlichen aus den Peripherien und aus dem Mailänder Hinterland. Und bei vielen von ihnen handelt es sich um Einwandererkinder der zweiten Generation, die in Italien aufgewachsen und zur Schule gegangen sind, sich aber vom italienischen Staat «nicht gesehen» und oft auch diskriminiert fühlen. Einige von ihnen haben sich zu Jugendgangs zusammengeschlossen.

Regierungschefin Giorgia Meloni hat gestern Montag eine dringliche Sitzung zur öffentlichen Sicherheit einberufen, in deren Verlauf «neue Massnahmen» verabschiedet werden sollten. Aber insgesamt herrscht in Rom, ähnlich wie in Paris, eine gewisse Ratlosigkeit, wie den Krawallen zu begegnen sei: Zum einen hat Melonis Rechtsregierung während ihrer vierjährigen Amtszeit bereits so ziemlich alle Repressionsmassnahmen zu Eindämmung der Jugendgewalt erlassen, die man in einem Rechtsstaat ergreifen kann - ohne durchschlagenden Erfolg, wie man nun in Mailand beobachten konnte. Zum anderen fehlt es an Anführern oder an Organisationen, die zu den Krawallen aufgerufen haben und die man aus dem Verkehr ziehen könnte. Die Jugendlichen organisieren sich spontan auf TikTok und anderen sozialen Medien.

Protestwelle erfasst weitere Staaten

Italien ist nicht das einzige Land, in das die französische Protestwelle überschwappt. Und nicht immer haben die Ausschreitungen noch viel mit den ursprünglichen Forderungen zu tun. Im französischsprachigen Teil Belgiens protestieren Schüler und Studierende seit Anfang Oktober gegen höhere Studiengebühren und Sparmassnahmen im Bildungswesen. In Lüttich und Brüssel kam es am Rand der Kundgebungen wiederholt zu Krawallen: Jugendliche griffen Polizisten an, zündeten Container an und schlugen Scheiben ein.

In Albanien gehen Studenten gegen hohe Ausbildungskosten auf die Strasse. In Tirana eskalierte ein Protest zu Strassenschlachten mit brennenden Barrikaden. Die Demonstrationen richten sich teilweise auch direkt gegen Regierungschef Edi Rama.

Dass es auch anders geht, zeigt Griechenland: In Athen blieb ein Zeltlager von Studierenden vor dem Parlament letzte Woche weitgehend friedlich.

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