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Mysteriöse Reise nach Moskau: Vier mögliche Gründe für den Blitz-Besuch von Trumps CIA-Chef

Nur acht Stunden hielt sich John Ratcliffe in Moskau auf. Über den Grund schweigen Washington und der Kreml – und befeuern damit die Spekulationen.
Der Republikaner John Ratcliffe leitet den Auslandsgeheimdienst CIA seit Januar 2025.
Bild: Tom Williams/Getty

Er verschwand so schnell, wie er aufgetaucht war. CIA-Direktor John Ratcliffe hielt sich am Dienstag nur acht Stunden in Moskau auf. Aber die überraschende Visite des amerikanischen Geheimdienstchefs in Russland sorgte für grosses Aufsehen. Der Kreml sagte dazu am Tag danach: Ein Treffen zwischen Ratcliffe und Wladimir Putin habe es nicht gegeben, aber der russische Präsident sei natürlich über die Gespräche mit dem amerikanischen Gast informiert worden.

Bremsen konnte Moskau die Spekulationen mit dieser Aussage nicht. Vier mögliche Gründe, warum Ratcliffe am Dienstag via Lettland mit einer amerikanischen Militärmaschine nach Russland reiste.

Die russischen Drohungen gegen die Nato

Amerikanische Geheimdienste befürchten, dass Putin die Wehrbereitschaft der Nato prüfen will. Die Palette der möglichen Szenarien reicht von einer Eskalation der hybriden Attacken auf westliche Ziele bis zu einer Invasion eines Mitgliedsstaates an der Grenze zu Russland, wie das «Wall Street Journal» Anfang August berichtete.

Während die US-Geheimdienste noch vor kurzem überzeugt waren, dass der russische Präsident von einer solchen Provokation absehen würde, solange der Krieg in der Ukraine noch andauert, scheinen sie nun ihre Meinung geändert zu haben. Putin könnte bereits im Herbst dieses Jahres, nach der russischen Parlamentswahl, den entsprechenden Befehl geben, sagen sie nun. Vor diesem Hintergrund ist die Reise des Amerikaners nachvollziehbar. Ratcliffe könnte seinen Gesprächspartnern in Moskau gesagt haben, dass die russischen Pläne bekannt seien und der Kreml davon ablassen solle.

Die russischen Geschäfte mit dem Iran

Die USA haben zu Wochenbeginn einen neuen Versuch gestartet, den Iran wirtschaftlich zu isolieren. Damit dieser Plan funktionieren kann, müssten sämtliche ausländische Partner des iranischen Regimes ihre Geschäftstätigkeiten einstellen — darunter auch Moskau, das Teheran mit Kriegsmaterial und logistischer Hilfe unterstützt. Ratcliffe dürfte den Kreml gewarnt haben, dass solche Transaktionen künftig massive amerikanische Vergeltungsmassnahmen zur Folge haben könnten. Andererseits ist Russland bereits heute stark sanktioniert; Moskau würde wohl amerikanische Zugeständnisse einfordern, sollte es den vollständigen Bruch mit Teheran vollziehen.

Die inhaftierten Amerikaner in Russlands Gefängnissen

In der amerikanischen Regierung ist der CIA-Direktor immer wieder damit beschäftigt, im Ausland inhaftierte amerikanische Staatsbürger freizubekommen. Vor zwei Jahren gelang dem damaligen Geheimdienstchef die Freilassung des Journalisten Evan Gershkovich aus russischer Haft. Gut möglich also, dass Ratcliffe mit Russland über die zahlreichen Amerikaner sprach, die zum Teil unter vorgeschobenen Gründen inhaftiert wurden.

Immer wieder wird in diesem Zusammenhang der Name von Stephen Hubbard genannt, einem pensionierten Englischlehrer. Der Mittsiebziger wurde im Herbst 2024 von einem russischen Gericht zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er angeblich für die Ukraine gekämpft habe. Amerikanische Offizielle weisen diesen Vorwurf zurück und bezeichnen Hubbard als Geisel des russischen Staates.

Bereitet Ratcliffe ein neues Gipfeltreffen vor?

Oder vielleicht reiste Ratcliffe am Dienstag nach Moskau, weil er ein neues Treffen zwischen dem amerikanischen und russischen Präsidenten vorbereiten sollte. Letztmals sprachen Trump und Putin im August 2025 direkt miteinander, während eines Gipfels in Anchorage (Alaska).

Die beiden verstanden sich angeblich recht gut, auch wenn der Russe den amerikanischen Präsidenten mit seinen Tiraden über die ukrainische Geschichte nervte. Trumps Plan, den Ukraine-Krieg zu beenden, kam allerdings nicht vom Fleck. Seither scheint der amerikanische Präsident das Interesse an Putin verloren zu haben.

Trump selbst wollte am Mittwoch den Grund für den ersten Russland-Besuch von Ratcliffe nicht verraten. Er sagte bloss, solche Reisen seien für CIA-Direktoren nicht aussergewöhnlich. Der amerikanische Präsident deutete an, dass ihm die Spekulationen über die Visite Ratcliffes zu Ohren gekommen waren — nichts davon treffen zu, sagte Trump in einem Radio-Interview. «Ich hasse es, Menschen zu enttäuschen.»

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