USA

«Es geht um das amerikanische Volk»: So tickt der Hoffnungsträger der Demokraten

Pete Buttigieg ist im Wahlkampf allgegenwärtig. Wie lautet das Rezept des 44-Jährigen, wie die Oppositionspartei das Vertrauen der Wähler wiedergewinnen könnten?

Eigentlich möchte Pete Buttigieg mehr Zeit mit seinen kleinen Kindern verbringen: «Ich liebe sie so sehr.» Aber zwei Wochen vor den Kongresswahlen reist der 44 Jahre alte Demokrat kreuz und quer durchs Land, um seinen Parteifreunden zu helfen. Dabei denkt er natürlich bereits an seine Zukunft. Buttigieg, der derzeit kein politisches Amt innehat,  liebäugelt mit einer weiteren Präsidentschaftskandidatur.

Die Wahlkampfrede, die er an diesem Herbsttag in einem Vorort von Richmond (Virginia) hält, könnte also einen Vorgeschmack auf seine künftige Kampagne geben. Buttigieg spricht über die hohen Haushaltsausgaben der Amerikaner und über die grassierende Korruption in der Regierung in Washington.

«Hier geht es um das amerikanische Volk»

Im Gegensatz zu linken Demokraten verzichtet der Wahlkämpfer aber darauf, dem Präsidenten mit politischen Konsequenzen zu drohen – und zum Beispiel über ein neues, drittes Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump zu spekulieren. Und an dieser Linie hält er auch dann fest, wenn er direkt gefragt wird, ob er nach der absehbaren Machtübernahme der Demokraten im Kongress ein Impeachment des höchst unbeliebten Präsidenten unterstützen würde. Auf die entsprechende Frage von «Schweiz heute» antwortet Buttigieg: «Es geht nicht um ihn. Hier geht es um das amerikanische Volk.»

Dann präzisiert der gewiefte Politiker: Was er unterstützen würde, wären neue Anti-Korruptions-Vorschriften, an die sich das gesamte politische Personal in der Hauptstadt halten müsste. Ein Verbot von Spekulationsgeschäften an der Börse zum Beispiel. Aber sein Fokus liege auf der Bevölkerung und darauf, wie sie unter den Folgen von schlechten Ideen der Trump-Regierung leide, sagt Buttigieg. Er stellt damit die Sorgen der Wähler in den Mittelpunkt.

Das ist eine Sprachregelung, die Schule machen könnte. Der Präsident mag zwar höchst unbeliebt sein. Inzwischen sind mehr als 60 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner unzufrieden mit Trumps Amtsführung. Aber die Sympathiewerte für die Partei Buttigiegs befinden sich ebenfalls im Keller. Gegen 70 Prozent der Wähler sind verärgert über die Demokraten, wie aus einer am Mittwoch publizierten Umfrage der «New York Times» hervorgeht.

Buttigieg scheint deshalb der Meinung zu sein, dass die Demokraten in politische Kleinarbeit investieren müssen, um das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Die Amerikaner seien wütend über das politische System, sagt er nach seinem Wahlkampfauftritt, und hier müsse seine Partei ansetzen. «Wirtschaftliche Fragen stehen im Mittelpunkt.»

«Schaut, was wir dann getan haben!»

In Virginia kommt diese Botschaft an. Nach seiner Rede wird Buttigieg von Menschen umringt, die unbedingt ein Foto mit ihm schiessen wollen. Sie loben ihn dafür, dass er die Probleme, mit denen ganz normale Wähler kämpften, beim Namen nenne, ohne ausfällig zu werden. Damit kann der ehemalige Verkehrsminister der Regierung von Präsident Joe Biden bei Wechselwählern punkten.

Das ist auch seinen Parteifreunden aufgefallen. Buttigieg ist in diesem Herbst ein gern gesehener Gast. So machte er vor seinem Stopp bei Richmond Wahlkampf in North Carolina für den Senatskandidaten Roy Cooper. Auch steht eine Visite in Georgia auf dem Programm, wo er mit dem jungen Senator Jon Ossoff um Stimmen werben will.

Die Frage, wer die Zukunft der Demokraten verkörpere, will Buttigieg allerdings nicht beantworten. Er sagt stattdessen: «Ich konzentriere mich auf die Gegenwart.»

Und die bringe es mit sich, dass er ständig unterwegs sei und zu wenig Zeit mit seinen fünf Jahre alten Zwillingen verbringen könne, seufzt Buttigieg. Aber er wolle seinen Kindern in ein paar Jahren erzählen können, dass er seinen Teil geleistet habe, als es in Trumps zweiter Amtszeit schlecht ums Land stand. Dann werde er sagen: «Ja, es sah ungemütlich aus. Aber schaut euch an, was wir dann getan haben!»

Wer in dieser Geschichte der Held sein wird, lässt er offen. Aber man kann es sich denken.

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