
Aus dem Lake Ontario wird plötzlich der Lake America. Staatlich finanzierte Videospiele werden beworben, in denen Ausländer gejagt und deportiert werden müssen. Und regelmässig wird die Schweiz als fiese Profiteurin kritisiert. Willkommen in der Welt von US-Präsident Donald Trump. Mit seiner Brachialpolitik hat es der 80-Jährige ein zweites Mal ins Weisse Haus geschafft. Doch dem einheimischen Tourismus hat das Stimmvolk damit keinen Gefallen getan.
Dass der Unmut gegenüber den Vereinigten Staaten bei Reisehungrigen in der Schweiz nicht nachlässt, sondern sogar zunimmt, zeigt eine neue Studie der Versicherung Allianz. So planen 65 Prozent der Befragten derzeit keine Reisen in die USA. Vor einem Jahr waren es noch 53 Prozent gewesen. Von 2 auf 7 Prozent stieg die Zahl der Befragten, die eine geplante USA-Reise stornieren werden. «Die USA haben an Strahlkraft eingebüsst», lautet das Fazit der Studienautoren.
Nicht nur wegen Trump rechnet die hiesige Reisebüro-Branche 2026 mit einem Umsatzrückgang von 5 bis 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr, obwohl die Preise gestiegen sind. Denn auch die geopolitischen Spannungen zeigen Folgen. Besonders Reisen in den Nahen Osten sowie Fernreisen nach Asien und Ozeanien seien davon betroffen, sagt Martin Wittwer, Präsident des Schweizer Reise-Verbands am Mittwoch vor den Medien. So meiden laut der Allianz-Umfrage 53 Prozent der Befragten Reisen in den Nahen Osten. Und ein Drittel vermeidet bei Asienreisen das Umsteigen in der Golfregion.
Kein Fernweh bei 40 Grad
Noch etwas hat laut Wittwer die Nachfrage nach kurzfristigen Sommer-Buchungen beeinflusst: Die Hitze. Mehrere Hitzewellen brachten ganz Europa zum Schwitzen. Temperaturen um die 40 Grad Celsius an vielen beliebten Destinationen waren nicht wirklich ein Buchungsargument.
Wenig überraschend stieg derweil die Nachfrage nach sogenannten Coolcation-Reisen in nördlichere und vor allem kühlere Regionen. 20 Prozent beträgt das Plus, auch wenn sich die Coolcation-Buchungen nach wie vor auf deutlich tieferem Niveau als die klassischen Badeferien im Süden bewegen.

Trump, Kriege und Hitzewellen zum Trotz: Die Schweizer Reisefreudigkeit bleibt auf hohem Niveau bestehen. Laut der Allianz-Studie ist die Schweiz gar Reise-Europameister. In keinem anderen Land auf dem alten Kontinent ist der Drang in die Ferne derart gross. 84 Prozent der hier Lebenden planten dieses Jahr in die Sommerferien zu verreisen - gegenüber 70 Prozent im europäischen Schnitt. Und 61 Prozent der hiesigen Befragten reisen 2026 ins Ausland - doppelt so viele wie im restlichen Europa.
Dickes Schweizer Portemonnaie
Die Entspannung und das Erkunden im Ausland lässt man sich hierzulande auch einiges kosten. Laut Allianz beträgt das Schweizer Budget für die Sommeferien rund 2400 Franken pro Person und damit das Zweifache im Vergleich zum europäischen Budget.
Der Blick auf die Liste der besonders beliebten Destinationen zeigt auch, dass die Flugscham praktisch keine Rolle spielt, trotz des hohen Verursacheranteils der Aviatik am Klimawandel. Im Sommer war bei den Mitgliedern des Schweizer Reiseverbands, zu denen auch die Marken Kuoni, Tui Suisse und Hotelplan gehören, Spanien die Nummer 1, gefolgt von Griechenland, der Türkei und den Malediven.
In den bevorstehenden Herbstferien liegt Griechenland an erster Stelle, Zypern auf Platz 2 und Ägypten auf Platz 3. Im Winter führt derweil Ägypten die Hitliste an. Dahinter folgen die kanarischen Inseln, Mauritius und Thailand. Und bei den USA-Buchungen geht es in den kalten Monaten weiter bergab: Laut dem Reiseverband beträgt der Nachfragerückgang 20 Prozent.


