Wirtschaft

Neuer Chef der US-Notenbank trotzt Donald Trump und hält die Zinsen stabil

Der neue Fed-Chef übernimmt das Ruder ohne Kurswechsel. Statt Trump entgegenzukommen, stellt er die Bekämpfung der Inflation ins Zentrum.
Kevin Warsh macht nicht das, was sich Donald Trump von ihm erhofft hat.
Bild: EPA

Der Start ist Kevin Warsh geglückt. Einstimmig genehmigte der geldpolitische Ausschuss der amerikanischen Notenbank am Mittwoch den Kurs des neuen Fed-Chefs. Der Leitzins bleibt damit unverändert im Band von 3,5 Prozent bis 3,75 Prozent – obwohl Donald Trump doch schon lange eine Zinssenkung fordert. Und obwohl Warsh seine Berufung zum Nachfolger von Jerome Powell dem Präsidenten verdankt.

Obwohl Warsh also auf Kontinuität setzt, gelang es dem 56 Jahre alten Financier dennoch, erste Akzente zu setzen. So kündigte er an, die Informationspolitik der Notenbank verbessern zu wollen. Künftig, sagte der Fed-Chef, werde er als Hüter des Dollars «kürzer, einfacher» kommunizieren. In der schriftlichen Stellungnahme verzichtete Warsh bereits auf die bisweilen geschwätzigen Passagen, in denen die Währungshüter jeweils den Wirtschaftsverlauf in den kommenden Monaten zu ergründen versuchten.

Warsh sagte zudem sinngemäss: Wenn er nichts zu sagen habe, dann werde er vielleicht künftig auch auf die reguläre Pressekonferenz verzichten, die vor 15 Jahren von Ben Bernanke eingeführt worden waren. Ganz sicher scheint er sich in diesem Punkt aber noch nicht zu sein. Deshalb setzte Warsh am Mittwoch eine ganze Reihe von Arbeitsgruppen ein, die sich mit der Frage beschäftigen sollen, ob die Arbeitsweise der Notenbank noch zeitgemäss sei.

Preisstabilität als oberstes Ziel

Der entscheidenden Frage allerdings wich Warsh auch während seines ersten Auftritts als Fed-Chef aus: Er wollte nicht verraten, ob er mittelfristig mit höheren oder tieferen Zinsen rechnet. An der entsprechenden internen und anonymisierten Fed-Umfrage, die alle drei Monate publik gemacht wird, beteiligte er sich jedenfalls nicht. Deshalb waren auf der Grafik, die am Dienstag veröffentlicht wurde, für einmal nur 18 Punkte verzeichnet.

Die Hälfte seiner Fed-Kollegen rechnet im laufenden Jahr übrigens mit einer Zinserhöhung. Nur gerade ein Mitglied des geldpolitischen Gremiums der Notenbank geht davon aus, dass der Leitzins bis Ende Jahr sinken wird. Das wird Präsident Trump überhaupt nicht gefallen. Auch die Finanzmärkte reagierten skeptisch und die Leitindizes gaben am späten Mittwochnachmittag (Lokalzeit) auf breiter Front nach. Warsh sagte dazu, ausweichend: Sein wichtigstes Ziel sei es, Preisstabilität zu garantieren. «Da haben wir noch etwas Arbeit vor uns.»

Mit keinem Wort erwähnte Warsh, die ungewöhnliche Ausgangslage, mit der er sich konfrontiert sieht. Sein Vorgänger entschied sich nämlich nach Ablauf seiner Amtszeit als Chef der Notenbank, als ganz normales Mitglied des Fed-Führungsgremiums weiterzumachen. Also sitzt Warsh nun Jerome Powell gegenüber, wenn der Offenmarktausschuss über die Höhe des Leitzinses debattiert.

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