
Seit 80 Jahren sind die USA mit einer massiven Militärpräsenz in Deutschland der Sicherheitsgarant Westeuropas. In der Hochphase des Kalten Krieges waren gegen 250'000 US-Soldaten in Westdeutschland stationiert. Heute sind es immerhin noch rund 36'000.
Aber wie lange noch? In der Nacht auf Donnerstag kündigte Trump einen Truppenabzug an. Eine Reduktion des US-Kontingents in Deutschland werde gerade geprüft. Ein Entscheid werde «in sehr kurzer Zeit» folgen, so Trump auf seiner Online-Plattform «Truth Social».
In Deutschland wird das als Drohung aufgefasst. Würden die Amerikaner wirklich Deutschland verlassen, hätte dies nicht nur für die Bundesrepublik, sondern auch für die Nato grosse Konsequenzen. Der Abzug würde eine Sicherheitslücke mitten auf dem Kontinent auftun, und Russland könnte dies als Einladung verstehen, die Verteidigungsbereitschaft der Europäer zu testen.
Meint er es ernst oder bloss Retourkutsche für Merz-Spruch?
Aber weshalb droht Trump gerade jetzt mit einem Truppenabzug?
Wahrscheinlich ist, dass es die Retourkutsche für eine Äusserung von Bundeskanzler Friedrich Merz ist.
Kürzlich sagte Merz bei einem Auftritt an einer Schule, die USA hätten im Iran-Krieg «keine Strategie» und seien von den Iranern «gedemütigt» worden. Trump bekam das mit und nahm es offensichtlich persönlich: «Er hat keine Ahnung, wovon er spricht», schoss Trump zurück. Merz gehöre zu denen, die wollten, dass Iran eine Atombombe habe. Und er legte nach: «Es ist kein Wunder, dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht».
Trumps Rückzugsgedanken aus Deutschland sind nicht neu. Schon in seiner ersten Amtszeit befahl er 2020 den Abzug von 12'000 US-Soldaten aus der Bundesrepublik. Nachfolger Joe Biden machte den Entscheid aber rückgängig.
Das liegt auch daran, dass die USA in Deutschland nicht einfach Wohltätigkeitsarbeit vollbringen. Im Gegenteil: Für die USA ist die Präsenz in Deutschland entscheidend, um ihre globale Schlagkraft entfalten zu können. Nachfolgend einige Beispiele:
Ramstein: Amerikanische Luftdrehscheibe für die Welt
Die Luftwaffenbasis Ramstein in Rheinland-Pfalz ist die grösste US-Airbase ausserhalb des amerikanischen Heimatlandes. 8500 US-Soldaten sind dort stationiert. Zusammen mit Familienangehörigen und zivilen US-Kräften kommt man auf ungefähr 25'000 US-Personen allein auf der Basis. Über Ramstein laufen grosse Teile der Operationen im Nahen Osten, so wie aktuell im Iran-Krieg. Ausserdem ist in Ramstein das von den USA-kommandierte Nato-Luftwaffenkommando untergebracht.
Landstuhl: Wo schwer verletzte US-Soldaten verarztet werden
Unweit von Ramstein entfernt liegt das US-Militärspital Landstuhl, die grösste solche US-Einrichtung ausserhalb der USA. Rund 3000 US-Soldaten sowie tausende zivile Kräfte sind dort stationiert. Nach Landstuhl werden schwer verletzte US-Soldaten aus der halben Welt gebracht. Gegenwärtig läuft der Neubau eines neuen, noch grösseren Militärkrankenhauses im benachbarten Weilerbach für rund 1,6 Milliarden US-Dollar.
US-«Gehirn» für Europa und Afrika in Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg befindet sich das Führungszentrum für Europa (EUCOM) und Afrika (AFRICOM) mit mehreren Tausend Armeeangehörigen. Eucom ist nicht nur für Europa, sondern auch Russland, die Arktis und Israel zuständig. Africom deckt mit Ausnahme von Ägypten ganz Afrika ab. Strategisch sind diese Kommandostandorte von sehr grosser Wichtigkeit. Von hier aus werden die Operationen geleitet.
Truppenübungsplatz Bayern: Genug Platz für ganze Grossverbände
Im bayerischen Grafenwöhr und Hohenfels unterhalten die USA einen Truppenübungsplatz mit einer Fläche von hunderten Quadratkilometern. Es ist einer der grössten Übungsplätze in Europa wenn nicht der grösste. Hier werden US-Truppen für weltweite Einsätze vorbereitet. Ganze Grossverbände können zu realistischen Bedingungen trainieren.
All den Einrichtungen in Deutschland gemein ist, dass sie für die USA wertvolle Infrastruktur darstellen, die sich nicht einfach und schon gar nicht in kurzer Zeit ersetzen lässt. Dazu kommt das Cluster an ziviler Infrastruktur wie Zulieferbetrieben und Ortskräften. Ausserhalb Deutschlands in Europa ähnliche Bedingungen zu finden, wird für die USA schwierig werden.
Relativ einfach ist es hingegen, reine Kampftruppen aus Deutschland abzuziehen. Von denen gibt es zum Beispiel mit dem zweiten Kavallerie-Regiment in Wilseck oder der 12. Luftabwehrbrigade in Ansbach, beides Bayern, einige tausend in Deutschland. Mehr als ein politisches Zeichen, wenn auch ein schlechtes für die transatlantische Nato-Allianz, wäre das aber kaum.
Ganz anders sähe es freilich aus, wenn sich Donald Trump entschliessen würde, die US-Kräfte auf dem Luftwaffenstützpunkt Büchel in der Eifel samt ihren Atombomben abzuziehen.


