Energiekrise

Trump setzt sich durch – G7‑Staaten zapfen ihre Dieselreserven an

Innenpolitisch unter Druck forderte US-Präsident Donald Trump, dass Europa seine Notvorräte anzapft. Andernfalls drohte er mit einem Dieselembargo. Diese Strategie ist aufgegangen.

Die Staats- und Regierungschefs der G7-Industriestaaten haben sich am Freitag geeinigt, ihre Diesel- und Ölreserven anzuzapfen. Über die nächsten vier Monate sollen insgesamt 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus den strategischen Reserven der Länder auf den Markt kommen. Das soll dazu beitragen, die stark gestiegenen Preise für Ölprodukte, und insbesondere für Diesel, zu senken, so der französische Präsident Emmanuel Macron, dessen Land aktuell die G7-Präsidentschaft innehat.

Der Entscheidung vorausgegangen sind hektische Telefonkonferenzen und Krisensitzungen. Der Grund: Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt ein eigentliches Powerplay aufgezogen.

Trump drohte, den Dieselhahn abzudrehen

Am Donnerstag forderte sein Finanzminister Scott Bessent die Europäer auf, «umgehend» ihre Reserven zu mobilisieren: «Unsere europäischen Partner sollten die Umsetzung ihrer bestehenden Zusagen beschleunigen und zusätzliche Lieferungen sofort verfügbar machen, um die anhaltenden Störungen zu beheben», so Bessent auf verschiedenen Online-Diensten. Schon in den Tagen zuvor drohte Trump offen damit, er könnte ein generelles Diesel-Exportverbot gegen die europäischen Staaten verhängen, um die verfügbare Menge in den USA zu erhöhen.

Hätten die USA den Europäern tatsächlich den Dieselhahn zugedreht, hätte das einschneidende Folgen für den Kontinent gehabt. Die Abhängigkeit von amerikanischem Diesel hat sich in Europa zuletzt stark erhöht. Aktuell kommt rund die Hälfte aller Dieselimporte aus den USA.

Preisrekorde zur Erntezeit

Die Dieselpreise sind seit dem US-Angriff auf Iran und den folgenden Einschränkungen der Meerengen von Hormus und Bab al-Mandab global auf Rekordkurs. Die ukrainischen Angriffe auf russische Ölraffinerien, die zu einem Diesel-Exportstopp Russlands führten, haben den Druck zusätzlich erhöht. Am Donnerstag nun wurde bekannt, dass auch China für den Oktober keinen Diesel mehr ausser Landes lässt.

Die steigenden Preise schlugen immer mehr auch auf die Konsumenten in den USA durch. An der Zapfsäule kostet eine Gallone Diesel mit knapp 6.40 Dollar beinahe doppelt so viel wie noch vor einem Jahr. Das kommt bei den Trump-Wählern schlecht an. Besonders in den von Landwirtschaft geprägten US-Bundesstaaten, wo aktuell die Ernten mit grossen Landwirtschaftsmaschinen und Trucks eingefahren werden müssen. Und in einem Monat sind die Zwischenwahlen für den US‑Kongress. Dementsprechend alarmiert sind die Republikanische Partei und US-Präsident Donald Trump.

Trump feiert seinen Erfolg

Nun ist Trumps Plan also aufgegangen, und die Europäer haben ihre Reserven mobilisiert. Die Skepsis dagegen war besonders in Deutschland gross. Angesichts der Unsicherheit darüber, wie es im Nahen Osten weitergeht, hätte man in Berlin lieber noch zugewartet. Zumal es trotz der hohen Preise keine akute Diesel-Versorgungskrise gibt.

Zu den G7-Industriestaaten gehören neben den USA und den europäischen Ländern Deutschland, Frankreich, Italien und Grossbritannien auch Kanada und Japan. Immerhin hatten sie sich ausbedungen, dass es künftig «keine Beschränkungen oder Exportverbote zwischen den G7-Mitgliedern geben wird», wie es im gemeinsamen Communiqué heisst. Noch bevor dieses überhaupt veröffentlicht wurde, verkündete Trump schon auf seiner Online-Plattform seinen Erfolg. Europa habe zugesagt, «riesige Mengen ihrer grossen Vorräte» freizugeben, so Trump.

Der Winter könnte sehr teuer werden

Diesel und andere raffinierte Ölprodukte sind jedoch nicht das Einzige, was im Energiebereich im Moment knapper und teurer wird. Besonders Sorgen bereitet den europäischen Staaten der hohe Gaspreis. Vergangene Woche schickte der EU-Energiekommissar Dan Jorgensen den 27 Regierungen einen Brief, worin er sie zur Drosselung des Verbrauchs aufforderte.

Die Gasspeicher in Europa sind derzeit auf einem sehr tiefen Stand im Vergleich zu anderen Jahren. Gelingt es nicht, sie rechtzeitig vor dem Winter zu füllen, könnten die EU-Staaten je nach Witterung in eine Versorgungskrise schlittern. Die Folge wäre ein weiterer Energiepreisschub – möglicherweise mit Spitzen, wie sie Europa im ersten Jahr von Russlands Angriff gegen die Ukraine erlebt hatte.

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