Energiekrise

Trump will Europas Dieselreserve – und droht mit Embargo

Innenpolitisch unter Druck fordert US-Präsident Donald Trump, dass Europa seine Notvorräte anzapft und grosse Mengen Diesel auf den Markt bringt.

In einem Monat stehen in den USA die Zwischenwahlen an und Präsident Donald Trump hat ein Problem: Seine Beliebtheitswerte sind im Keller. Dafür sind die Preise an der Zapfsäule so hoch wie seit Langem nicht. Eine Gallone Diesel kostet durchschnittlich knapp 6,40 Dollar, rund doppelt so viel wie noch vor einem Jahr. Das kommt bei den Wählern schlecht an. Besonders in den von Landwirtschaft geprägten US-Bundesstaaten, wo die Ernten mit Landwirtschaftsmaschinen und LKWs eingefahren werden müssen.

Um den Spritpreis herunterzubringen, wendet sich die Trump-Regierung nun den Europäern zu. Diese sollten «umgehend» ihre strategischen Reserven anzapfen, um die verfügbare Menge auf dem Weltmarkt zu erhöhen, fordert Finanzminister Scott Bessent. «Unsere europäischen Partner sollten die Umsetzung ihrer bestehenden Zusagen beschleunigen und zusätzliche Lieferungen sofort verfügbar machen, um die anhaltenden Störungen zu beheben.» Die Rede ist laut Medienberichten von 100 Millionen Barrel Diesel über die nächsten 15 Tage, welche die Europäer auf den Markt bringen sollten.

USA drohen, Europa den Dieselhahn zuzudrehen

Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, verbindet die Trump-Regierung diese mit einer Drohung: Zapft die EU nicht ihre Vorräte an, werden die USA ein Exportverbot für Diesel verhängen. Trump hatte ein solches in den vergangenen Tagen schon mehrmals öffentlich in Erwägung gezogen. Jetzt sollen die USA speziell Frankreich und Deutschland damit gedroht haben, wie die Nachrichtenagentur «Reuters» berichtet. Die beiden Länder verfügen zusammen über mehr als die Hälfte der Diesel-Vorräte in Europa.

Würden die USA den Europäern den Dieselhahn zudrehen, hätte das einschneidende Folgen für Europa. Seit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine hat sich die Abhängigkeit Europas von US-Diesel stark erhöht. Am Freitag wies eine EU-Sprecherin einen möglichen US-Dieselbann scharf zurück. Ein solcher «würde das Vertrauen in die USA als verlässlichen Partner erschüttern».

Alles deutet auf Freigabe hin

Gleichwohl scheint die Drohung gewirkt zu haben. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat in der Nacht auf Freitag mit Trump telefoniert und über «die Notwendigkeit, gemeinsam gegen den Anstieg der Kraftstoffpreise vorzugehen und die weltweite Verfügbarkeit von Raffinerieprodukten sicherzustellen» gesprochen, wie es aus Paris heisst.

Kurz darauf hat Frankreich den anderen EU-Staaten vorgeschlagen, 50 Millionen Barrel Diesel freizugeben. Zusätzlich sollten im Rahmen der Internationalen Energieagentur (IEA) und ihrer 32 Mitgliedstaaten 50 Millionen Barrel Rohöl aus Reserven verfügbar gemacht werden. Am Nachmittag sollte eine Telefonkonferenz unter den G7-Staaten zum Thema folgen.

Die Dieselpreise sind seit dem US-Angriff auf Iran und den folgenden Einschränkungen der Meerengen von Hormus und Bab al-Mandab auf Rekordkurs. Hinzu kommen die ukrainischen Angriffe auf russische Ölraffinerien, worauf Russland einen Diesel-Exportstopp verhängte. Am Donnerstag nun wurde bekannt, dass China seinerseits für den Oktober keinen Diesel mehr ausser Landes lässt.

Eine Freigabe der europäischen Diesel-Reserven könnte die Preise zwischenzeitlich senken. Bereits am Freitag gab der globale Dieselpreis aufgrund der Berichte nach. Gleichzeitig sind viele EU-Staaten zurückhaltend, weil die Reserven begrenzt sind und niemand weiss, wie lange die Krise im Nahen Osten noch andauert.

Der Winter könnte sehr teuer werden

Diesel und andere raffinierte Ölprodukte sind nicht das Einzige, was im Energiebereich immer knapper wird. Besonders Sorgen bereitet den europäischen Staaten der hohe Gaspreis. Vergangene Woche schickte der EU-Energiekommissar Dan Jorgensen den 27 Regierungen einen Brief, worin er sie zur Drosselung des Verbrauchs aufforderte.

Die Gasspeicher in Europa sind derzeit auf einem sehr tiefen Stand im Vergleich zu anderen Jahren. Gelingt es nicht, sie rechtzeitig vor dem Winter zu füllen, könnten die EU-Staaten je nach Witterung in eine Versorgungskrise schlittern. Die Folge wäre ein weiterer Energiepreisschub – möglicherweise mit Spitzen, wie sie Europa im ersten Jahr von Russlands Angriff gegen die Ukraine erlebt hatte.

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