Die Klimaverbände frohlocken. Der Gerichtsentscheid werde globale Folgen haben und letztlich zu einer Senkung der Öl- und Gasproduktion führen, meint etwa die Nichtregierungsorganisation Notre Affaire à Tous zum bemerkenswerten Urteil.
Die französische Justiz verpflichtet den mit Abstand grössten französischen Konzern Totalenergies, nicht mehr nur seine direkten Emissionen bei der Herstellung oder Raffinierung von Öl aufzulisten. Neu muss der Hersteller fossiler und erneuerbarer Energien auch den indirekt – etwa durch Autofahrten oder Heizungen – verursachten CO2-Ausstoss in seinem Jahresabschluss aufführen. Im Jargon nennt man diese Klimaschäden Scope-3.
Der Totalenergies-Konzern hatte sich bisher auf den Standpunkt gestellt, dass er nicht für die CO2-Produktion durch Verbrennungsmotoren oder Gebäudeheizungen verantwortlich sei. Das Gericht stellt hingegen einen «klaren Link» fest und urteilt, die heutigen Geschäftszahlen von Totalenergies seien «unvollständig». Dieser Befund fusst auf einem neuen französischen Gesetz, das Grossunternehmen seit 2017 eine Sorgfaltspflicht in Sachen Umwelt- und Gesundheitsrisiken auferlegt.
Direkte finanzielle Folgen oder eine Entschädigung löst das Urteil nicht aus. Umweltorganisationen glauben dennoch, dass Konzerne wie Totalenergies ihre Produktion fossiler Treibstoffe zurückfahren müssen, wenn sie das gigantische Ausmass indirekter Klimaschäden durch ihre Fördertätigkeit dokumentieren müssen. Von Totalenergies gefördertes Öl und Gas verursacht laut Schätzungen unabhängiger Stellen 342 Millionen Tonnen CO2 im Jahr. Das hat selbst bei Aktionären zu Kritik geführt. Seit dem Gerichtsurteil hat das Wertpapier von Totalenergies an Wert verloren.
Die Stadt Paris unterstützte die Gerichtsklage
Eine weitergehende Forderung der Kläger, Totalenergies seien Investitionen in neue Förderfelder zu untersagen, wies das Gericht zurück. Das sei mit der unternehmerischen Freiheit nicht vereinbar, hielt es fest. Es behält sich aber vor, Totalenergies zu büssen, falls der Konzern den CO2-Ausstoss von geliefertem Öl, Benzin oder Gas durch die Endkonsumenten bis zum Jahresende nicht in seine Bilanz einbezogen hat.
Die Stadt Paris, die sich der Gerichtsklage gegen Totalenergies angeschlossen hatte, begrüsst das Urteil. Die französische Justiz anerkenne «erstmals, dass die Grosskonzerne eine Sorgfaltspflicht für Klimarisiken haben», erklärte ein Sprecher der rotgrünen Stadtregierung. «Kein Energiemulti wird sich dieser Pflicht entziehen können.»
Der Totalenergies-Prozess ist in der Tat nicht der einzige seiner Art. Gegen den niederländischen Konzern Shell läuft derzeit ein ähnlicher Prozess. BP muss sich wegen Greenwashing, also unlauterer Umweltwerbung, vor der britischen Justiz verantworten. Auch in den USA laufen zahlreiche «Climate Litigations» (Klimaklagen). Städte und ganze Bundesstaaten fordern von Konzernen wie Chevron Schadenersatz für Klimaschäden; Exxon Mobil wird beschuldigt, die Klimarisiken herabgespielt und die Öffentlichkeit irregeleitet zu haben. Das zeige sich gerade in Hitzewellen, liessen die Klägerverbände in Paris verlauten.





