Aviatik

Just vor den Sommerferien: Deshalb rechnet die Swiss mit mehr verspäteten Flügen

Die Hauptferiensaison steht vor der Tür. Reisende aus der Schweiz müssen sich auf Verspätungen gefasst machen.
Ein startendes Boeing-777-Flugzeug der Swiss am Flughafen Zürich: Diesen Sommer dürften so manche Maschinen mit Verspätung abheben.
Bild: Andreas Haas / Imago

«Bis 21 Uhr war unsere Welt noch in Ordnung», sagt Oliver Buchhofer. Der Swiss-Betriebschef meint die Situation am Flughafen Zürich am Dienstagabend. Doch dann zog ein heftiges Gewitter auf. «Es war länger, intensiver und lokal begrenzter als jede Vorhersage prognostiziert hatte.» Die Folge: Zweieinhalb Stunden ging am Swiss-Hub nichts mehr.

Bereits gelandete Flugzeuge mussten auf dem Rollfeld warten. Wegen Blitzgefahr wurde das sogenannte Groundhandling, die Bodenabfertigung, eingestellt. «Wir sassen rund 90 Minuten lang und warteten auf einen Bus, der uns zum Terminal bringt», sagt ein CH-Media-Leser, der gegen 21 Uhr in einer Helvetic-Airways-Maschine landete. «Der Pilot musste uns immer wieder per Durchsage vertrösten.»

Oliver Buchhofer ist Betriebschef der Swiss und rechnet mit einer anspruchsvollen Sommersaison.
Bild: ANDREAS BECKER

Diese Passagiere waren immerhin bereits in Zürich. Tausende andere Passagiere hatten weniger Glück. Die Swiss musste 26 Flüge nach Genf, Basel, Mailand, Stuttgart und Lyon umleiten. 70 Flüge wurden annulliert. Insgesamt waren über 10'000 Swiss-Passagiere von den stürmischen Folgen betroffen. Allein nach Stuttgart mussten 13 Swiss-Flugzeuge mit rund 2000 Passagieren an Bord ausweichen.

13 Flugzeuge in Stuttgart

Man habe die betroffenen Fluggäste so gut wie möglich unterstützt, sei es bei der Unterkunftssuche oder bei der Umbuchung, sagt Buchhofer. Viele Angestellte in der Passagierbetreuung hätten die Nacht auf Mittwoch durchgearbeitet, um Lösungen zu finden. «Aber natürlich erwartet in Stuttgart um 22 Uhr niemand plötzlich 13 Swiss-Flugzeuge mit 2000 Passagieren.» Für solche Extremszenarien könne man sich nur bedingt vorbereiten, sagt Buchhofer. «Dass das zuweilen zu unangenehmen Situationen führen kann, ist uns natürlich bewusst.» Weil diese und weitere Flugzeuge am Mittwoch nicht an ihrem geplanten Flughafen standen, mussten 60 weitere Flüge annulliert werden.

«An ein solches Gewitter hier am Flughafen Zürich mag ich mich nicht erinnern», sagt Buchhofer. Der Klimawandel führt dazu, dass solche extremen Wetterlagen häufiger und intensiver auftreten werden. Man werde versuchen, entsprechende Schlüsse daraus zu ziehen in den Gesprächen mit Meteo Schweiz und Skyguide, sagt der Betriebschef. Denn zu einem Zeitpunkt hiess es, in einer halben Stunde sei das Gewitter vorbei. Also schickte die Schaltzentrale der Airline weitere Flugzeuge los in Richtung Zürich, bloss um sie später doch umleiten zu müssen, weil das Gewitter länger dauerte.

Buchhofer nennt das Wetter als Faktor, wenn er über die Pünktlichkeitsziele der Lufthansa-Tochter in diesem Sommer spricht. Doch nicht nur Blitze, Donner und Regen spielen dabei eine Rolle, sondern auch die nach wie vor geopolitisch volatile Lage und potenzielle Ausfälle bei der Flugsicherung, wie sie zuletzt häufiger vorgekommen sind hierzulande bei Skyguide. Und in der europäischen Aviatik ist stets auch mit Streiks zu rechnen.

Von 70 auf 65 Prozent

Die Swiss hofft, dass diesen Sommer 65 Prozent ihrer Flüge rechtzeitig an ihrer Destination ankommen. Nur: Im vergangenen Jahr betrug das Ziel für diese Periode noch 70 Prozent. Mit 69,4 Prozent wurde es nur knapp verfehlt. Dass nun die Ansprüche gesunken sind, zeugt von der unsicheren Lage in der Branche. Gleichzeitig ist die Nachfrage der Ferienhungrigen enorm. Die Flughäfen in beliebten Feriendestinationen werden in den kommenden Wochen voll sein.

Immerhin, so Buchhofer, habe man sich nach einem schwierigen Start zu Jahresbeginn bei der Pünktlichkeit steigern können. Im Januar habe das Motto intern «Potus und Petrus» gelautet: Einerseits sorgte das Wetter für Verspätungen, andererseits das WEF in Davos mit seinem Stargast, dem President of the United States - kurzum: Potus. Inzwischen sei man mit den Pünktlichkeitswerten zufrieden. 73,1 Prozent aller Flüge sind dieses Jahr bisher rechtzeitig gestartet und 88,9 Prozent zur geplanten Zeit gelandet.

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