Ein seit Tagen geplanter Rettungsversuch wurde zunächst verhindert, weil Timmy am Montag bei gestiegenem Wasserstand von allein losschwamm. Damit schwenkten die Helferinnen und Helfer auf Plan B um. Nun sollte der Buckelwal nicht mehr auf Pontons gehoben, sondern durch Schiffe in Richtung Ausgang der Bucht getrieben werden. Nach mehreren Stunden blieb Timmy aber erneut auf einer Sandbank liegen.

Am Vormittag arbeitete zeitweise ein mehrköpfiges Team hüfthoch im Wasser stehend direkt am Wal, wie in Live-Streams zu sehen war. Immer wieder hielt ein Helfer eine Art Rohr an einem Schlauch beim Wal ins Wasser, offenbar als Teil des Versuches, ihn freizuspülen.
Es werde Saug- und Spülgerät eingesetzt, um den Wal zu entlasten, hatte Umweltminister Till Backhaus (SPD) zuvor nach einer Lagebesprechung im Hafen von Kirchdorf erklärt. Wegen des gesunkenen Wasserstands ragte das Tier weiter aus dem Wasser und sein Gewicht drückte stärker auf seine inneren Organe. Aus Kreisen der privaten Initiative, die hinter dem Rettungsversuch steht, hiess es, durch den Einsatz von Saugrobotern sei eine Kuhle geschaffen worden. Eine Seite des Wals werde blockiert. Ziel sei es, das Tier später in tiefere Gewässer zu leiten, «raus aus dem Nadelöhr».
Am frühen Nachmittag war auf Live-Streams zu sehen, wie die vor Ort eingesetzte schwimmende Arbeitsplattform mit einem Bagger dichter an den Wal heranfuhr. Von der Plattform führte ein dicker Schlauch ins Wasser beim Wal, während auf der anderen Seite Wasser und augenscheinlich auch Schlick herausgespült wurde.
Wal soll Nahrung angeboten werden
Nach Aussage von Backhaus sollte dem rund zwölf Meter langen Meeressäuger auch Nahrung angeboten werden. Dabei handle es sich um Hering und Shrimps. Der Wal sei natürlich in einem kritischen Zustand, sei aber dennoch vital und habe eine Chance. Die Lage des Buckelwals hat sich nach Einschätzung des Berliner Walforschers und Meeresbiologen Fabian Ritter seit Montag eher verschlechtert. «Der ragt tatsächlich deutlich weiter aus dem Wasser. Das ist keine gute Sache», sagte Ritter der Deutschen Presse-Agentur.
Wasserstand wird zum Problem
Der Wasserstand vor Poel war im Vergleich zum Vortag gesunken. «Jeder Zentimeter bringt ihn in eine Situation, wo er mehr unter seinem eigenen Gewicht leidet.» Das Tier scheine nun auf Grund zu liegen und nicht weg zu können, sagte Ritter.
Er plädierte erneut dafür, das Tier in Ruhe zu lassen, um es nicht weiterem möglichen Stress auszusetzen.
Wie die Vorhersagen des deutschen Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie zeigen, dürfte sich die Wasserlage in den nächsten Stunden verschärfen.
So könnte der Wasserstand im schlimmsten Fall um weitere 40 Zentimeter zurückgehen. Im besten Fall geht das Bundesamt von einem Rückgang bis Mittwochmorgen um 15 Zentimeter aus.
Rettungsteam schrumpft
Mehrere Teammitglieder haben unterdessen die private Initiative zur Rettung des Wals vor der deutschen Ostseeinsel Poel verlassen oder fallen vorerst aus. Christiane Freifrau von Gregory, die als Pressesprecherin des Teams aufgetreten ist, tritt zurück. Sie mache den Weg frei, da eine konstruktive und professionelle Zusammenarbeit unter den derzeitigen Rahmenbedingungen «für uns» nicht mehr möglich sei.

Der Rückzug der Sprecherin ist nicht der einzige, den die private Initiative verkraften muss. So ist deren leitende Tierärztin, Janine Bahr-van Gemmert, gestern mit einem Helikopter in ein Spital gebracht worden, wie der Umweltminister des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, sagte.
Auch eine weitere Tierärztin fällt demnach aus. «Ich habe natürlich auch mit grosser Sorge zur Kenntnis genommen, dass die aus Hawaii eingeflogene Tierärztin abgereist ist», sagte Backhaus am Morgen. «Das nehme ich zur Kenntnis.» Zuvor hatten Medien berichtet, dass Jenna Wallace wegen Differenzen im Team abgereist sei. Mediamarkt-Mitgründer und Mitfinanzierer der Aktion Walter Gunz sprach von einer enormen Belastung für das ganze Team.
Mehrere Tierexperten gegen neuen Rettungsversuch
Mittlerweile haben sich diverse Meeresbiologen und Tierexperten gegen einen neuen Rettungsversuch ausgesprochen. Der Direktor des Zoos Zürich findet in einem Video-Interview deutliche Worte für den Zustand von Timmy: «Das Tier hätte man schon vor Tagen, wenn nicht Wochen, vom Leiden erlösen müssen.» Umso trauriger sei der jetzige Status.
Auch der Berliner Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter spricht sich gegen weitere Rettungsversuche aus. «Wir müssen jetzt endgültig einsehen, dass es für uns nicht möglich ist, diesen Wal aktiv zu retten», sagte er. (dpa/watson.ch)

